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| We Wish You A Metal Xmas And A Headbanging New Year, Armoury Records/Eagle, 2008 |
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Länge: 67 Min 27 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Jeff Scott Soto, Bruce Kulick, Bob Kulick, Chris Wyse, Ray Luzier - We Wish You A Merry Xmas | 9. Oni Logan, Craig Goldy, Tony Franklin, J. Tempesta - Deck The Halls |
| 2. Lemmy Kilmister, Billy F. Gibbons, Dave Grohl - Run Rudolph Run | 10. Stephen Pearcy, Tracii Guns, Bob Kulick, B. Sheehan, Gregg Bissonette - Grandma Got Ran Over By A Reindeer |
| 3. Alice Cooper, John 5, Billy Sheehan, Vinny Appice - Santa Claws Is Coming To Town | 11. Joe Lynn Turner, Bruce Kulick, Bob Kulick, R. Sarzo, S. Wright - Rockin' Around The Xmas Tree |
| 4. Ronnie James Dio, Tony Iommi, Rudy Sarzo, Simon Wright - God Rest Ye Merry Gentlemen | 12. Tommy Shaw, Steve Lukather, M. Mendoza, Kenny Aronoff - Happy Xmas (War Is Over) |
| 5. Geoff Tate, Carlos Cavazo, James Lomenzo, R. Luzier - Silver Bells | 13. Doro Pesch, Michael Schenker, T. Franklin, Frankie Banali - O' Christmas Tree |
| 6. Doug Pinnick, George Lynch, B. Sheehan, Simon Phillips - Little Drummer Boy | 14. Girlschool - Auld Lang Syne |
| 7. Tim "Ripper" Owens, Steve Morse, Juan Garcia, Marco Mendoza, V. Appice - Santa Claus Is Back In Town | 15. Steve "Lips" Kudlow, Bumblefoot, Chris Chaney, K. Aronoff - Frosty The Snowman |
| 8. Chuck Billy, Scott Ian, Jon Donais, C. Wyse, John Tempesta - Silent Night | 16. Dez Fafara, Doug Aldrich, Blasko, John Tempesta - Rudolph The Red-Nosed Reindeer |
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Dieser Tage in einem Elektrogroßmarkt, der seinen Kunden seit Jahren einbläut, dass sie nicht blöde sind: In einer extra für die fröhliche Weihnachtszeit eingerichteten Sonderverkaufsfläche stapeln sich handgezählte 104 (!) verschiedene CDs, die auf irgend eine Weise Bezug mit dem quälenden Fest haben sollen. Bekloppter als die Kreaturen, die solche Grausamkeiten kaufen, ist einer, der sich zählend durch die schick aufgebauten Berge tappert auch nicht, also nimmt man die verblüfften Blicke von entnervten Verkäufern und Kunden in Kauf und die eine oder andere ganz besonders widerlich erscheinende CD sogar in die Hand, um sie dann verächtlich wieder zurückzuknallen. Ganz weit vorne liegt mein alter Kumpel Florian Silbereisen mit seinem "Adventsfest", gefolgt von den unbeschreiblichen RANDFICHTEN und den KASTELRUTHER SPATZEN. Echte Schmankerl.
Genau zwischen Helene Fischer und Andrea Bocelli steht ein mannshoher Turm roter CDs mit der Aufschrift "We Wish You A Metal Xmas And A Headbanging New Year" - und man stutzt. Hat sich etwa eine Plattenfirma erblödet und irgendwelche Schmalzlieder von irgendwelchen Zombies aus der Vergangenheit zusammengestellt um sie als Weihnachtssongs zum zigsten Mal zu verwursten? Die Rückseite ist verwirrend, stehen da doch so viele große Namen und bis auf wenige Ausnahmen von diesen nie zuvor gehörte Songs, dass man ernsthaft neugierig wird. 14,99 soll das Ding mit 14 Nummern kosten, aber die Kohle in der Hosentasche reicht grade noch für die Leberkäsesemmel zum Mittagessen, also abends bei Amazon geschaut und einen Download mit 16 besinnlichen Liedern für 9,98 gefunden. Oh Gott, jetzt fängt der alte Mann auch noch mit Downloads an. Die Zeiten sind wirklich grässlich. Andererseits…, den Zehner ist der Spaß doch wert und die Hörproben sind interessant.
Vor einem Jahr ist das seltsame Machwerk schon erschienen, aber am ungläubigen Rezensenten natürlich vollkommen vorbeigerauscht, dabei steht er doch auf Obskuritäten und besitzt sogar SKYNYRDs gruseliges "Christmas Time Again". Schlimmer kann Jeff Scott Soto mit seinem We Wish You A Merry Xmas auch nicht sein. Schlimmer? Viel schlimmer! Glöckchen und ein Chor und ein völlig unterbelichteter "Yeaaaaah"-Schrei und ein ganz böse zynisch shoutender Soto, den man zuletzt eher in die Pop-Abteilung abgeschoben hat. Wie geil sägt der sich denn mit den Kulick Brüdern durch den alten Weihnachtsschlager? Das ist gepflegter Hard Rock von einem überragenden Sänger, dem man derlei Humor eigentlich nicht zutraut. Aber Lemmy macht die Sache noch übler. Run Rudolph Run als Chuck-Berry-Version mit, heiliger Bimbam, Billy Gibbons an der Boogiegitarre. Lieber Weihnachtsmann, sag dem Billy, dass er genau diese Gitarre in genau diesem Sound auf dem nächsten Album von ZZ TOP spielen soll, dann nenne ich ihn auch nie mehr wieder Schrottplatzsoundgitarrist. Am Schluss raunzt Lemmy ein "Perfect" ins Mikro. Recht hat er, schließlich liefern die beiden Originale zusammen mit Dave Grohl (aktuell mit THEM CROOKED VULTURES beschäftigt) Rock & Roll in seiner geilsten Form ab. Und dann buchstabiert Alice Cooper Santa C-l-a-w-s. Den - Cooper, nicht den Santa - hat man für seinen Humor schon lange lieb, aber so einen Brüller hat er noch nicht gemacht. Seine Werbung für den anderen Elektrogroßmarkt ist schon klasse, Texte wie der folgende sind over the top:
"He knows where you live...
He knows that your window's open...
He knows what lives under your bed...
…
And then we're gonna... break all the toys
And then we're gonna... make some noise
We're gonna party all night long
We're gonna sing this, sing this song
Santa Claus is coming to town
S.A.N.T.A. C.L.A.W.S."
Zusammen mit John 5, Billy Sheehan und Vinny Appice macht Vincent einen dermaßenen Alarm, dass den Spießern und ihren missratenen Gören hoffentlich die Zähne klappern. Wir anderen lachen uns derweil einen ab.
Einen besonderen Stellenwert hat Ronnie James Dios God Rest Ye Merry Gentlemen. Der kleine Mann hat Magenkrebs und kämpft um sein Leben. Aufgenommen wurde das Lied offenbar schon vor einiger Zeit, denn neben Tony Iommi sind auch Rudy Sarzo und Simon Wright zu hören. Ganz unnötig zu sagen, dass God Rest Ye Merry Gentlemen bestens zu BLACK SABBATH oder HEAVEN & HELL passen würde. Fight the dragon, Ronnie!
Wir sind immer noch bei einem "Weihnachtsalbum", liebe Leser. Als nächster, und erster Langweiler, ist QUEENSRŸCHEs Geoff Tate zugange. Das furchtbar nach vorne gemischte Gesinge nervt und die zugehörige Band produziert eigentlich nur Metal-Klischees (und am Ende ein paar richtig deftige Riffs). Da haben ein paar Leute den Ironiemodus leider ausgeschaltet. Doug Pinnick von KING'S X kann mit einer illustren Musikerschar ebenfalls nicht richtig überzeugen, allerdings kommt sein Little Drummer Boy immerhin stilgerecht mit dem Weltklasseschlagzeuger Simon Phillips (TOTO, THE WHO u. v. a.). Trotzdem, die Version der ROTEN ROSEN auf "Wir warten auf's Christkind" war 1998 die bessere.
'Ripper' Owens steigert zusammen mit Steve Morse den Funfactor mit seinem Boogie Santa Claus Is Back In Town wieder beträchtlich. Diese Jungs haben kapiert, dass ein derartiges Album keine bierernsten Fudeleien sondern Spaß braucht.
Eine besondere Art von Humor braucht man für das Gegrunze von TESTAMENTs Chuck Billy, der mit Scott Ian von ANTHRAX Silent Night zerhackt. Man darf das doof finden. Deck The Halls von Oni Logan, Craig Goldy und Tony Franklin darf man unerheblich finden, aber wer bei dem 30 Jahre alten Grandma Got Ran Over By A Reindeer, hier interpretiert von Stephen Pearcy (RATT), Tracii Guns (L.A. GUNS), Bob Kulick, Billy Sheehan und Gregg Bissonette, nicht grinsend seine Spandexhose hochzieht, hat auch nix kapiert. Das ist Satire pur, richtig lustige dazu.
Joe Lynn Turner hat's weniger mit Satire, dafür kann er in solchen Ausnahmefällen noch richtig Around The Xmas Tree rocken und rollen. Die Kulicks, Rudy Sarzo und Simon Wright schieben ihn dabei ordentlich an. Tommy Shaw von STYX ist danach wieder ein überflüssiger Kandidat, Frau Pesch und Herr Schenker latschen in die Ernsthaftigkeitsfalle, aber die alten Kämpferinnen von GIRLSCHOOL geben der noch älteren schottischen Weihnachtshymne Auld Lang Syne richtig einen mit. Man merkt schon deutlich, dass manche mit dem Thema unverkrampfter umgehen als andere. Deswegen mochte ich auch das bemüht auf prollig gebürstete deutsche Projekt "Bangin' Round The X-Mas Tree" vor knapp 15 Jahren nicht.
"Lips" Kudlow von ANVIL nimmt die Sache lockerer und grölt Frosty The Snowman als simplen Heavy-Boogie, klingt dabei aber nicht nach Südkurven-Hooligan sondern nach dem netten Trinker von nebenan. Sogar Dez Fafara, ehemals COAL CHAMBER, von den Thrashern DEVIL DRIVER bringt den für ihn größtmöglichen Partysound zustande und lässt Rudolph The Red-Nosed Reindeer halbwegs fröhlich um die Trash-Tonne tanzen.
Klar ist: Niemand braucht solche Zusammenstellungen wirklich, wenn sie jedoch so gut gemacht sind wie diese, darf man sich dem Unfug gerne hingeben. "We Wish You A Metal Xmas And A Headbanging New Year" ist natürlich ein reines Studioprojekt (vulgo: es wurden MP3-Dateien durch die Welt geschickt), was man dem einen Beitrag mehr, dem anderen weniger anhört, aber die Mehrheit der Nummern ist gelungen und die ganz dicken Fische Kilmister, Cooper und Dio beweisen, dass sie zurecht Superstars sind.
Also, Mädels und Buben, quält den Weihnachtsmann bis er blau ist!
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