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| Dixie Hustler, Diamond D Records, 2006 |
| Dan Coburn |
Vocals, Harp, Guitars |
| Erik Broberg |
Guitars |
| Chris Baker |
Guitars, Vocals |
| Trent Cokely |
Drums |
| Avery Gardner |
Bass |
| Gäste: |
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| Luther Dickinson |
Guitar (Empty Wallet Blues & Time Ta Go) |
| Cody Dickinson |
Hammond B-3 |
| Produziert von: Aaron Jullison & Cody Dickinson |
Länge: 39 Min 25 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Whiskey And Women | 6. Middle |
| 2. Empty Wallet Blues | 7. Mississippi Queen |
| 3. Chevy Sister | 8. Homeward Bound |
| 4. Time Ta Go | 9. So Long With Goodbyes |
| 5. Take Me Back | 10. Long Gone |
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Lesen bildet und macht manchmal richtig neugierig. Vor allem, wenn man den Verfasser einer Plattenkritik persönlich kennt und als Fachmann schätzt und er über Musik referiert, die einem selbst mehr als am Herzen liegt.
Es geht um eine Band namens DIXIE HUSTLER aus Flint, Michigan. Einer Stadt, die einmal ein großer Standort von General Motors war, aber seit der Schließung des Werks zum Sozialfall verkommen ist.
DIXIE HUSTLER spielen Southern Rock - und outen sich damit selbst in gewisser Weise als Sozialfall. Jedenfalls insofern, als dass es die Band offensichtlich eigentlich gar nicht (mehr?) gibt, sondern sie als Untote im Internet herumschwirren. Passend dazu ist, dass die erste und einzige CD der Männer um Sänger Dan Coburn ausschließlich als digitaler Download zu erwerben ist. Mögen wir Traditionalisten so was?
Nun ja, das Interesse war nach der Lektüre der Jubelarie in diesem anderen Magazin geweckt, also saugt man sich die CD zum günstigen Kurs von $ 9,90 und hofft auf eine Sensation am inzwischen wieder recht düsteren Südstaatenhimmel. Warum "wieder recht düster"? Weil die erkleckliche Menge der verheißungsvollen neuen Bands zu Beginn des neuen Jahrtausends nichts, gar nichts, von ihren Versprechungen gehalten hat. Keine einzige dieser teilweise großartigen Bands ist übrig geblieben, keine hat länger als eine, maximal zwei CDs durchgehalten, und die Fans sind längst wieder in Agonie verfallen, putzen den Staub von den LPs aus lange vergangenen Zeiten und hoffen auf den einen oder anderen Zufallstreffer neueren Datums. Ok, DIXIE HUSTLER sind so ein Zufallstreffer, aber…
Mit Namen wird auf dem selbstbetitelten Debut aus dem Jahr 2006 üppig geprotzt (es gibt wohl noch ein Demo oder eine EP oder was auch immer von 2002). Es tauchen Cody und Luther Dickinson von den NORTH MISSISSIPPI ALLSTARS auf, der begehrte Studiomann Al Sutton war beteiligt und Aaron Jullison, immerhin Produzent der letzten Kid Rock-CD "Rock N Roll Jesus", verdiente sich auch ein paar Dollar. Bei so viel Namedropping stellt sich die Frage, warum bei DIXIE HUSTLER nichts passiert, inzwischen sogar die Homepage Dixiehustler.com auf die mäßig aussagekräftige Seite bei MySpace umgeleitet ist. "Dixie Hustler will be touring as much as possible this coming year…" (2007), heißt es dort. War wohl nicht so besonders viel possible.
Nicht falsch verstehen! Bisher ist noch kein Wort über ein eventuelles musikalisches Versagen dieser so genannten Band verloren, es sei nur darauf hingewiesen, dass DIXIE HUSTLER mit Sicherheit nicht die Zukunft des Southern Rock darstellen. Punkt.
Auf der virtuellen CD findet sich an Startplatz #9 ein Song namens So Long With Goodbyes. Den hört man sich an und weiß hinterher ganz genau Bescheid über die Ernsthaftigkeit und Authentizität der "Southern Rocker" DIXIE HUSTLER. Null Komma Nullinger. Keine Genreband würde jemals ein solches Opus veröffentlichen, es handelt sich nämlich um eine grauenhafte Chart-Anbiederungsballade, die selbst in den 80ern unmöglich gewesen wäre. Schön modern produziert ist das Ding durchaus, aber die Aussage dahinter ist klar: "Wenn das mit dem Southern-Image nicht klappt, können wir auch anders - die Luschen in den Castingshows hauen wir locker weg." Und der anschließende Rausschmeißer Long Gone suggeriert ähnliches Ungemach, es ist nämlich nicht der Versuch, abgestandenen Southern Rock zeitgemäß aufzubereiten, sondern schlicht ein leicht räudiges NuRock-Liedchen, das mit ein paar zweistimmigen Gitarren, einer Harp und recht einfacher Melodieführung auf Redneck-Kompatibilität getrimmt wird.
Man muss eine gute halbe Stunde warten, bis diese beiden Songs kommen, aber danach wird so einiges deutlich. Vor allem die Tatsache, dass Namen und große Sprüche noch lange nicht für ehrliche Musik stehen. Flint, Michigan, häh? Da haben wir hiesige Kapellen, die zwar nicht mit Angebereien punkten, dafür aber mit richtiger Musik.
Bisher ist immer noch nichts über ein eventuelles musikalisches Komplettversagen dieser Band gesagt, weil nämlich…
Zwei und manchmal drei Gitarren sind auf "Dixie Hustler" nominell zu hören. Meist sehr gut sogar. Und Dan Coburn legt bei Whiskey And Women standesgemäß brüllend los. Kein Wort an dieser Stelle über einen Text wie "bring me the whiskey and women"; Macho-Rock dieser Sorte ist sicherlich die falsche Bühne für postfeministische Aufklärungsarbeit. Wir freuen uns lieber an den satten Gitarren und einer beinahe an MOLLY HATCHET heranreichenden Power.
Es folgt ein hitzig-hektischer Slide-Auftritt von Luther Dickinson im Empty Wallet Blues, der insgesamt eher nervös als glücklich macht. "Bisschen oberflächlicher Heavyrock von früher", könnte die Meinung eines Veteranen sein. Man könnte es aber auch ganz guten harten Rock mit Southern-Einfluss nennen. Schwimmt irgendwo auf der Qualitätsstufe von BIG ENGINE mit.
Einen weiteren Hinweis auf mangelnde Ideen geben DIXIE HUSTLER mit der Wahl ihres Coversongs für ihre erste Platte. Ausgerechnet Mississippi Queen muss es sein. Gähn. Dass die Version ganz vorzüglich rockt, gerät angesichts des Entsetzens über so viel Innovation beinahe ins Hintertreffen. Aber zugegeben, die Gitarren sind extrem stilsicher, bretthart und in den Soli voll auf den Punkt. Trotzdem, so wenig Phantasie sollte unter Strafe gestellt werden.
Aber da, plötzlich: Honky Tonk! Take Me Back ist die Supernummer des Albums. Cody Dickinson lässt die Hammond rauschen, die Gitarren klingen von jetzt auf gleich richtig swingend, ein Piano klimpert und der Gesang hat Eier. Geht doch. Nach so einem Bringer macht auch eine weitere Heavy-Granate wie Middle Spaß, speziell weil sie "in the middle" richtig differenziert mit Percussions etc. daherkommt. Das sind die Nummern, die etliche flachbrüstige andere vergessen lassen.
Wie gesagt, $ 9,90 für den Download, was heutzutage knapp 8 Euro entspricht. Der Sound ist, nun ja, akzeptabel, die Band grundsätzlich gut, drei, vier Nummern gehen direkt ins Bein, etliche sind bloßer Durchschnitt, eine kompletter Müll. Als Fan sollte man das Ding schon haben, auch wenn's nur eine kleine Ergänzung auf der Festplatte ist.
Wirklich überraschen könnten DIXIE HUSTLER mit einer weiteren CD. Aber da darf man nicht zu hoffnungsvoll sein, es scheint sich nur um "just another project" zu handeln.
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