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Dreaming Dead

Within One

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Ibex Moon Records
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All Music Guide (englisch)

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Within One
Within One, Ibex Moon Records, 2009
Elizabeth Schall Vocals, Guitars
Leslie Medina Guitar
Juan Ramirez Bass
Mike Caffell Drums, Vocals, Samples
Produziert von: John McEntee Länge: 45 Min 10 Sek Medium: CD
1. Stairs Into The Vortex5. Cursed
2. Within One6. War Machine
3. Putrid Is The Sky7. Perpetual Pretext
4. Shadows In The Dark8. Manslaughter

So, da hat nun dieses Bolz-Album aus Amiland mehrmals im Player seine Runden gedreht. Zum weitern Hören während des Rezischreibens wandert dieses hübsche silberne Rädchen ins Abspielgerät des Rechners und - oh Schreck - der Windows Media Player öffnet sich und gibt mit seinen "automatischen Albuminformationen" an: 'Rock'. Behauptet er über das vorliegende Genre. Ich fasse es nicht. Was ist des Kistl doch dumm. Ach nein, tschuldigung - des elektrische Blechkasterl da unterm Schreibtisch kann ja gar nix dafür! Denn obwohl superschnell mit Bits und Bytes, einem mir völlig unverständlichen seltsamen Dual-System aus 0-1-0-2-0 oder sonst was, das sich für hochintelligent ausgibt, kann auch nur so gut sein wie die Informationen und Befehle, die ein Dritter (in der Regel ein Mensch) erteilt.
[Vor allem die 2 ist im Dualsystem geradezu unverzichtbar ;-) Red.]
Oder wie es der bayerische Schauspieler Maximilian Brückner aka Kommissar Franz Kappl neulich im Tatort (wo den armen nach Saarbrücken versetzten Kerl leider trotz aller angeblichen Bemühungen auch keiner versteht) erkenntnisreich von sich gab: "Wie der Herr so's G'scherr!" (Für die des Bayerischen nicht ganz so mächtigen geht das in etwa so: Wie der Herr so seine Untergebenen.)
Im vorliegenden Fall hat nun jemand entweder nur geringfügige Ahnung, dass es einen "minimalen" Unterschied zwischen "Rock" und "Black-" bzw. "Death Metal" gibt, oder er war ganz einfach zu faul zum schreiben. Aber was soll's, jeder wie er meint. Nimmt man die Begriffserklärung eines offiziell anerkannten Internetlexikons zu Hilfe, hat er ja am Ende doch wieder recht: Rockmusik dient als Oberbegriff für Musikrichtungen, die sich Ende der 1960er-Jahre aus der Vermischung des Rock'n'Roll der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre und anderen Musikstilen entwickelt haben.

DREAMING DEAD haben sich für ihr erstes Album ja ein Trio aus "hübsch" extremen Rockmusik-Schubladen zusammengestellt: Death-Black-Thrash-Metal. Wobei mich persönlich zugegebenermaßen letzteres teilweise richtig nervt. Dröges Blastbeatgebolze ähnlich wie im Hardcore Punk, bei dem man schon vom Zuhören einen Muskelkrampf im Oberschenkel bekommen könnte. Bevorzugt geht es damit bei Stairs Into The Vortex und Perpetuel Pretext zur Sache, aber immerhin nicht ausschließlich, sondern sie lassen sich selbst noch etwas Raum für weitere Spielchen.
Was aber die wirklich gute Qualität von "Within One" ausmacht sind die weiteren sechs Songs des Debüts. Lupenreiner faszinierender Death Metal, bestehend aus einer immens guten und fantasiereichen Instrumentalfraktion (obwohl dem "Todesblei" oftmals, und oft fälschlicherweise, der Geruch von Einförmigkeit anhaftet) und einer Shouterin, Growlerin, meinetwegen auch einen Squealer oder wie immer man sie auch nennen möchte, die sich selbst vor dem Superstar auf diesem Gebiet, Anna Gossow von ARCH ENEMY, nicht verstecken muss. So herrlich fies klingt das, dass man oft fast nicht glauben kann, dass hier eine so wunderschöne junge Frau zu Gange sein soll. Aber mal Hand aufs Herz: Grölen und grunzen wie Mikael Ackerfeldt (OPETH) oder boshaft Kreischen wie Dany Filth (CRADLE OF FILTH) ist ja ganz schön, aber hin und wieder dürfte es gerne auch mal eine große Prise cleaner Vocals sein, die hier nahezu gänzlich fehlen.
Elizabeth Schall gibt als Einflüsse Musiker wie Peter Tägtgren (HYPOCRISY, PAIN) and Jeff Loomis (NEVERMORE) an. Das ist auf jeden Fall richtig und ist auch nicht zu überhören, gerade was die doomige Grundstimmung der Schweden anbelangt, die bei allen Songs eine große Rolle spielt. Bezüglich der Einflüsse von NEVERMORE könnte man die stilistische Bandbreite auch noch um den Zusatz "Progressive" erweitern. Nimmt man dann zu den bereits genannten noch Bands noch die instrumentalen Einflüsse von Stars wie METALLICA, MEGADETH, OPETH oder meinetwegen EMPEROR dazu, kommt das stilistisch ziemlich hin. Wohlgemerkt liegt die Betonung aber auf "nicht zu überhören", was nicht gleichzusetzen ist mit "kopieren". Denn mögen Elizabeth Schall und Mike Cafell mit ihrem neuesten Projekt auch noch am Anfang stehen und von äußerst namhaften und auf ihrem jeweiligen Sektor sehr erfolgreichen Band beeinflusst sein, gelingt es ihnen hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten und des bereits vorhandenen Erfahrungsschatzes weitgehend ihren eigenen Stil zu entwickeln.
Putrid Is The Sky ist sieben Minuten lang Todesblei im Midtempo. Zu Beginn von verträumter Langsamkeit, eineinhalb Minuten lang wunderbare, übereinander liegende Melodien zweier Gitarren bevor die ersten härteren Riffs und Growls ertönen. METALLICAs beste Z(S)eiten lassen grüßen, oder so. Zur Abwechslung gibt es hier einige Stimmsamples, die die Abfolgen der Hooklines und Trommelausbrüche etwas abrunden. In eine ähnliche Kerbe haut auch Manslaughter. Faszinierend, wie unschuldig drei Minuten Gitarrenspiel vor dem Hintergrund von Blitz und Donner und einem keineswegs harmlosen Songtitel bzw. Inhalt klingen können. Und so seltsam das auch klingen mag: Jeder hat ja beim Musikhören andere Bilder im Kopf, aber just hier sehe ich meine Freunde der Progmetal-Combo MOSAIK vor mir, die auch bei manchen ihrer Songs die Kombination aus traumverlorenem Gitarrenspiel und bretthartem Riffing anwenden.

Highlights des Albums sind der Titelsong Within One, obwohl, oder möglicherweise gerade WEIL er auch mit Bolztrommeleinlagen glänzt, die hier aber in Kombination mit dem Midtempo-Instrumentalpart auf "seltsame Art" absolut passend sind. Cursed scheint wie eine perfekte Mischung aus OPETH und HYPOCRISY zu sein. Hier dominieren über weite Strecken "langsam walzende" Riffs und außerdem gibt es mit den Vocals von Mike Caffell endlich mal so etwas ähnliches wie "partiell cleanen Gesang". Trotz Alarmsirenen ebenfalls ein Höhepunkt ist die "Kriegesmaschine" War Machine. Tief gestimmte Gitarren, sich wiederholende Rhythmen und Riffs - ein todesmetallisches Füllhorn nicht nur für die Headbanger im Team. Vor diesem Hintergrund eher durchschnittlich wirkt dann Shadows In The Dark.
Als bekennender Anhänger ausladender Instrumentalparts im Allgemeinen und Gitarrenarbeit im speziellen kommt man bei DREAMING DEAD ausgezeichnet auf seine Kosten. Als bekennender Anhänger fantasievoller Booklets gibt es leider mal wieder zu beklagen, dass wir Rezensenten meist Promos im Pappschuber mit Vorder- und Hinterseite bekommen, über das Innenleben derselbigen "Bücher" aber leider keinen Kommentar abzugeben imstande sind. In diesem Fall ist das mal wieder besonders schade, da kein geringerer als Travis Smith dafür verantwortlich zeichnet, dessen Ideen zahlreiche Alben von OPETH, KATATONIA, DEAD SOUL TRIBE, ANATHEMA, AMORPHIS oder Devin Townsend und RIVERSIDE zieren. Denn gerade auch die grafische und optische Gestaltung eines Booklets bietet weiteren Raum für Spekulationen und Interpretationen.
INCANTATION-Mastermind John McEntee hat das Potential von DREAMING DEAD erkannt und sie bei seinem Label Ibex Moon unter Vertrag genommen. Schön, wenn von den Herrschaften noch mehr käme. Zu wünschen wäre es, auch dass sie mal "über den großen Teich rübermachen" und vielleicht mit HYPOCRISY auf Europa-Tour gehen.

Maria 'Jamina' Ortner, (Artikelliste), 19.08.2009

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