|
|
| Prognative, Eigenvertrieb, 2010 |
| Ankur Batra |
Vocals |
| Moritz Lietzenmayer |
Drums |
| Martin Sonntag |
Bass |
| Markus Stricker |
Guitar |
| Produziert von: Fire On Dawson |
Länge: 62 Min 28 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Hit Me | 8. Miles |
| 2. Olives | 9. Stuck In Infinity |
| 3. Lakeerein | 10. Deliah |
| 4. Seven Symptoms | 11. Rising |
| 5. End Of May | 12. Won By One |
| 6. Red | 13. Every Second |
| 7. Let The Games Begin | |
 |
Aus dem badischen Karlsruhe kommt nicht nur das ein oder andere Gerichtsurteil, das das Land bewegt, und die Drummer von BAP und PINK CREAM 69. Seit dem Sommer 2007 rumort es im Untergrund und die "BAND KARLSRUHE" treibt ihre Töne mit Vehemenz an die Oberfläche. Damit es mit dieser Band aber nicht zu einfach wird, umrankt sie manches Geheimnis. Vielleicht will man sich aber auch schon vorher zu einer Legende machen. Keine Ahnung.
Fangen wir vorne an: BAND KARLSRUHE gründet sich schon viel früher und spielt astreinen Funk als Trio. Irgendwann kommen die drei auf den Trichter, dass eine Band eigentlich erst dann eine Band ist, wenn ein Sänger dabei ist. Gesagt, getan. Ausschreibung, Bewerbung, Hearing-Sessions… das ganze Brimborium wird aufgefahren, aber nichts passiert. Bis eines Abends das Telefon geht und sich ein junger Mann meldet, der nicht ein Wort Deutsch kann und gerne vorsingen möchte. Interessiert trifft man sich auf einer Uni-Party, vernichtet diverse alkoholische Köstlichkeiten und verabredet sich um ein wenig zu jammen. Der Tag der Wahrheit rückt näher, die Band darf 10 Minuten auf Mr. Mysterious warten, der dann auch noch zu allem Unglück Nothing Else Matters singen will. Der Gründungsgitarrist ist "not amused", möchte keine weiteren Coversongs spielen, aber der Mann mit der Stimme bittet noch darum von STAIND Outside vortragen zu dürfen. Keine 40 Sekunden später ist geklärt, wer der Sänger ist und FIRE ON DAWSON wird im Frühjahr 2006 gegründet. Was nun das Feuer auf Dawson sein soll... keine Ahnung.
Ein zusätzlicher Gitarrist findet auch plötzlich Erwähnung in der Biografie - er scheint zur Band zu stoßen wie die Jungfrau zum Kind kam. Plötzlich da! Gut, ist auch egal. Die Band ist komplett, also kann man den Stil ändern und geht weg vom Funk und lässt in das Spiel alles einfließen, was gut klingt.
Wir starten die Zeitmaschine und landen im Jahr 2010. Die letzten sieben Monate haben die vier Jungs von FOD im Studio verbracht, um ihre erste reguläre CD feinzuschleifen. Vier Jungs? War nicht gerade mal von fünfen die Rede? Richtig, aber Nicolas Morales Esteban Ocampo, der Ur-Gitarrist, ist nach Berlin verschwunden und taucht auch erst nach der CD-Abmischung wieder im Karlsruher Orbit auf. Keine Ahnung, warum er in Berlin war, ist aber auch egal. Zu den anstehenden Konzerten soll er wieder mit dabei sein. Und ob "Prognative" wirklich das erste Album ist, kann ich auch nicht versichern. Im Netz taucht noch ein anderes Album dieser Band auf, wovon allerdings weder auf der MySpace- noch auf der eigenen Hausseite etwas zu finden ist. Keine Ahnung, aber auch egal. Wir wollen sowieso nur den aktuellen Dreher betrachten. Selbstproduziert, aber gemastert von Stephen Marsch, den wahrscheinlich eher die wenigsten kennen. Der Mann hat zwar schon für JARS OF CLAY, INCUBUS und andere die Knöpfe verdreht, ist aber bei mir nicht näher ins Blickfeld gerückt.
Ich fasse mal kurz zusammen: BAND KARLSRUHE spielt als Trio Funk, verstärkt sich um einen Sänger und weiteren Gitarristen, heißt ab dann FIRE ON DAWSON, verschanzt sich drei Jahre nach Gründung für sieben Monate in einem Studio um die erste CD zu produzieren, die aber vielleicht schon die zweite ist, will diese dann nach den uns vorliegenden Informationen am 25.01.2010 im Eigenvertrieb der breiten Käuferschicht zugänglich machen und nennt das Album dann noch "Prognative". Nun wurde ich von einem Promoter gefragt, wann wir denn die Review von FOD veröffentlichen, die Scheibe wäre bereits am 15.01.2010 erschienen. Ja, Herrschaftszeiten! Wat soll datt denn getz? Ich verliere etwas die Übersicht.
Jetzt hast Du, lieber Leser, einen kleinen Einblick in die kleinen Schnipselzusammensuch-Spiele eines freischaffenden Redakteurs beim Home of Rock erfahren. Das nur mal, damit keiner denkt, wir würden hier nur sitzen, die geile Musik hören und dann mal eben die Pressetexte abschreiben. Nein, das hier ist ein knochenharter Job, der uns um den Verstand bringt, weswegen wir auch mitunter… - … habe vergessen, was ich schreiben wollte. So kann's gehen.
Was erwartet uns denn nun auf "Prognative"? Gute Frage. Spontan würde ich sagen: kein Prog! Den Eindruck gewinne ich auch nicht nach dem dritten oder vierten Hören. Eine Musik wird nicht Prog, nur weil man eine Band aus indisch-chilenisch-deutschen Musikern ist. Das schlägt sich auch meiner Meinung nach nicht in ihrer Musik nieder. FOD klingen wie eine Mischung aus CENTRAL PARK, METALLICA und CREED, vermischt mit melancholischen Gesangsstrukturen und ab und an leicht bluesigen Ausflügen. Soll heißen, dass die vier/fünf Karlsruher verstehen zu rocken, aber meist doch im Midtempo-Bereich agieren. Positiv ist auf alle Fälle der Sänger hervorzuheben, der mit seiner sehr variablen Stimme zu glänzen weiß. Mal klingt er wie der Psychologe von nebenan, mal nach James Hetfield, dann mal nach Scott Stapp, ist in seinem Stimmvolumen nicht grenzenlos, aber überzeugend.
Der Einstieg mit Hit Me ist leider nicht symptomatisch für den Rest des Albums. Schade, denn wären sie auf der Schiene weitergefahren, sie hätten sich für mich interessanter gemacht. Gleich Olives bremst das Tempo aus und spiegelt das wieder, was FOD eigentlich an Musik machen. Der Faden zieht sich durch das ganze Album: lieber ruhiger als schneller, lieber weniger als mehr und somit auf Dauer für mich nicht abwechslungsreich genug.
Lakeerein wird in - ich vermute - indisch gesungen, was mutig ist. Normalerweise packen Bands so einen Song als Bonus hinten dran, hier wird es gleich der dritte Track. Unüblich, aber nicht schlecht. Seven Symptoms kann zwar im Refrain und dem musikalischen Übergangsteil mit härteren Gitarren aufwarten, der Rest drum herum ist aber eher ruhig. PURE REASON REVOLUTION von ihrer ersten Scheibe fallen mir noch spontan ein. End of May folgt dem inzwischen bekannten Muster: ruhig anfangen, zum Refrain hin ein wenig Gas geben und dann wieder nachlassen. Red beginnt wie eine Ballade von STREET LEGAL, ohne diesen bissigen Blues zu entwickeln. Denn auch hier gilt: ruhiger Einstieg, härterer Refrain und das bis zum Ende. Ich stelle fest, je länger ich das Album durchhöre, umso mehr geht mir der durchschaubare Ablauf auf die Nerven. Auch wenn es insgesamt gut gemacht ist, nervt dieses immergleiche Schema im Liedablauf: Gitarre fängt akustisch an, dann folgen Drums und Bass, dann der Refrain mit einer härteren Gangart, in der Strophe wird alles wieder runtergefahren. Und ein richtiges Solo lässt der Herr an der Gitarre auch vermissen. Wo sind Drive, Power, Kreativität? Und das schreibe ich nicht, weil ich eigentlich sowieso lieber Metal höre, nein, ich schreibe das, weil ich auch ruhigere Musik höre, die ins Ohr geht, die hängen bleibt, die neugierig macht, wie es im nächsten Lied weitergeht. Das vermisse ich hier. So geheimnisvoll und interessant die Geschichte der Band zu lesen ist, die Musik kann damit leider nicht mithalten. Da ist noch reichlich Luft nach oben.
|