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Frozen Inside
Frozen Inside, Bullroser Records, 2008
Johanna Aaltonen Vocals
Antti Niskala Keyboards
Tuomas Mäki-Kerttula Bass
Mikko Malin Drums
Janne Karhunen Guitars
Länge: 48 Min 53 Sek Medium: CD
1. Intro (Holy One)6. Frozen Inside
2. God Has All Glory7. Years Go By
3. It Is Time8. Ambition
4. Be Aware9. Way
5. Holy Secret10. Lovesong

Die ChristmasRockNight (kurz CRN) in Ennepetal dürfte den meisten Lesern dieser Seite eher unbekannt sein [Ennepetal auch; Red.]. Dabei ist dieses kleine Metalfestival bereits 29 Mal über die Bühne gegangen und kann durchaus auch mit hochkarätigen Bands aufwarten. Da es sich dabei aber um ein christliches Festival handelt, ist auch geklärt, warum das die meisten Menschen nicht kennen. Dabei könnte man hier sehr gut erkennen, dass sich christliche Musik schon lange nicht mehr mit dem Kirchenorgelmief hinter dicken Steinmauern beschäftigt oder von entrückt grinsenden Menschen mit Wandergitarre gesungen wird. Die christliche Szene lebt und hat auch in den Charts schon so manche Platzierung einfahren können. Erwähnt seine nur mal JARS OF CLAY, delirious?, STRYPER oder P.O.D., und auch NARNIA konnten in Metalkreisen auf sich aufmerksam machen.
Die CRN hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem europäischen Publikum zum einen Bands aus Übersee zu präsentieren, dabei aber die heimische Szene nicht aus den Augen zu lassen und auch für Neuentdeckungen zu sorgen. So konnte man vor 2 Jahren mit RED einen absoluten Abräumer verpflichten und im letzten Jahr zauberten die Organisatoren eine gänzlich unbekannte Formation aus Finnland auf die Bühnenbretter, die es schaffte als Opener des zweiten Festivaltages die Halle voll zu kriegen. Das soll schon was heißen, denn normalerweise tun sich gerade die Bands schwer, die das Publikum wieder aus der Lethargie reißen müssen. HB schafften es im Handumdrehen.
Ich weiß nicht, was die meisten Besucher, die die Band schnell ins Herz schlossen, mehr faszinierte: Die Tatsache, dass im christlichen Bereich auch endlich eine femalfronted Symphonicmetalband auf der Bühne stand (die man ja doch eher in die Gothicecke oder Darkmetalszene schiebt), oder aber das stimmige musikalische Konzept der fünf Finnen inklusive einer noch recht unbeholfenen Performance, die sie aber schon wieder liebenswert machte, oder aber die blonde Sängerin? Wie auch immer, sie schafften es, neue Fans zu gewinnen und konnten ihre gesamten CDs innerhalb weniger Stunden komplett verkaufen. Und die Nachfrage blieb!

Johanna Aaltonen (voc.) war selbst überrascht, dass sie so eingeschlagen konnten und vertraute mir in einem kurzen Gespräch an, dass sie in Finnland schon lange mehr Erfolg einfahren. Und dass es eigentlich nicht richtig ist, dass es in ihrer Heimat keine fromme Szene gibt. Die wäre größer, als wir wissen würden. Letzteres kann ich nur bestätigen, denn in unseren Breitengraden geht man davon aus, dass eher Black-, Death- oder Darkmetalgruppen aus dem Land der halbjährigen Dunkelheit kommen.
"Frozen Inside" ist nicht HBs erster Longplayer, bereits drei weitere gibt es, allerdings ist es der erste englischsprachige. Musikalisch werden die fünf Finnen immer und überall mit WITHIN TEMPTATION oder NIGHTWISH verglichen, was meiner Meinung nach nicht stimmt. Denn das operettenhafte, was gerade diese Bands ausmacht, haftet der Stimme von Johanna Aaltonen nun mal gar nicht an. Auch wird bei weitem nicht so viel Bombast aufgefahren wie bei den Landsleuten oder unseren Nachbarn. Beim ersten Hören fielen mir sofort EDENBRIDGE aus Österreich ein. Die sind zwar noch mal eine Spur härter, haben aber auch keine Opernsängerin als Frontfrau.
Geboten wird dichter symphonischer Metal, der breite Keyboard- und Gitarrenwände auffährt und so ein gutes Fundament für eine Sängerin legt, die nicht zu den Besten gehört, aber doch mit einer sympathischen Stimme zu überzeugen weiß. Schon der Opener zeigt ihre warme Stimme, die sich sehr schmeichelnd ins Ohr schleicht und im Kontext mit der ganzen Band einen schönen Kontrast setzt. Schnelle Nummern wechseln sich mit balladesken ab und sorgen so für ein abwechslungsreiches Album, das schon so manchen Meter in meinem Player gedreht hat.

Da es sich bei HB um eine christliche Band handelt, drehen sich die Texte logischerweise um Gott und all das, was sie mit IHM an Erfahrungen gemacht haben. Oder aber um Alltagsbegebenheiten, die durch Gott verändert wurden. Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber wenn man "let the music do the talking" stehen lässt, bleibt alles in allem ein schlüssiges, gut produziertes Album über, das die Hoffnung weckt, dass das nicht die letzte Scheibe der Finnen ist.
Übrigens gibt es die Gelegenheit, diese Band am 04.04.09 wieder in Ennepetal zu erleben. Dann auf dem "Legends Of Rock"-Festival, zu dem sie sicherlich nicht als Legende eingeladen wurden, sondern eher um auch jüngeres Publikum zu ziehen.
Parallel zu "Frozen Inside" hat man noch "Piikki Lihassa" veröffentlicht, das die Band dann auf Finnisch zeigt und auch ein etwas weiteres Spektrum abdeckt. Hier wird doch noch mehr der Symphonic-Hammer geschwungen. Auch geil, obwohl man fast kein Wort versteht, aber die Scheibe ist um einiges härter als die englische und hat auch den für diese Szene typischen Wechselgesang zwischen Growls und Frauengesang. Ist somit auch empfehlenswert.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 21.02.2009

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