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Hellsingland Underground

Hellsingland Underground

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Hellsingland Underground
Hellsingland Underground, Killed By Records, 2008
Charlie Granberg Lead Vocals & Harmonica
Mats Olsson Lead & Rhythm Guitars, Backing Vocals
Peter Henriksson Lead & Rhythm Guitars, Backing Vocals
Martin Karlsson Bass
Patrik Jansson Drums & Percussion
Mathias Stenson Piano & Organ
Produziert von: Hellsingland Underground & Martin K Länge: 50 Min 51 Sek Medium: CD
1. Ill Wind7. Blue Mountain Blues
2. Shadow Of The Old You8. Hard Falls
3. Slipping Through The Hands Of Time9. Lost In The Woods
4. Northern Country Boy10. God Only Knows
5. Ljusnan Riverside JamBonus Video:
6. Child Of Another TimeNorthern Country Boy

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Im Jahre 2006 hatte Charlie Granberg die Nase voll vom Musik machen. Wenn er jemals wieder einen Fuß in ein Studio oder einen Tourbus setzen sollte, dann müsste er eine Band aus lauter Freunden haben, die Musik machen müsste wie die ALLMAN BROTHERS. Dazu kam es aber vorläufig nicht.
Erstmal war nämlich seine Freundin schwanger und Charlie Granberg kaufte ein Haus am Ufer des Ljusnan, in ihrer gemeinsamen Heimatstadt Ljusdal in Hellsingland, Schweden. Dort zogen sie ein.
Im Sommer schrieb Charlie 20 Lieder über seine Kindheit, lebende oder verstorbene Freunde, über Menschen in der Stadt und solche auf dem Land, über Leben, Liebe und den Tod. Im Oktober rief er seinen alten Kumpel Mats Olsson an, der Sänger und Gitarrist der Band MARYSLIM war. Er fragte ihn, ob er nicht einen begabten Bluesmusiker wüsste, der seine Texte spielen könnte. Mats war einer der ersten an die er dachte, aber er meinte, Mats wäre zu viel "Metal-Rocker". Aber Mats bat ihn, einige Stücke übers Telefon zu singen, und Mats nahm seine Gitarre und spielte wunderbare Improvisationen und Soli dazu. So taten sie sich zusammen.
Ein paar Jahre zuvor hatte Charlie Granberg schon nach einem MARYSLIM-Konzert den Schlagzeuger kennen gelernt und ihm erzählt was für Musik er einmal machen wollte. Der Drummer, Patrik Jansson, sagte ihm: "Wenn du jemals eine Band auf die Beine kriegst, bin ich dabei".
Was sie jetzt brauchten, war ein Bassist. Charlie traf Martin Karlsson auf einer Party und fragte ihn, ob er als Bassist einsteigen würde. Martin war dabei. Zu einer der ersten Proben brachte Patrik seinen Kumpel Mathias Stenson mit seinem Keyboard mit und auch er wurde vom Fleck weg engagiert.
So probten und probten sie, doch 2007 viel ihnen auf, dass sie einen zusätzlich Gitarristen brauchten. Mats erinnerte sich an einen Jugendfreund und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte die neue Band zu vervollkommnen. Er wollte, und so wurde HELLSINGLAND UNDERGROUND perfekt.

Mit ihrer ersten CD überraschten sie nicht nur die Fachzeitungen, sondern auch unseren Cheffe total. Endlich eine neue Southern Band - das ist sooo schön, sagt er. Und was sag ich dazu? Jau, isses auch! Nur warum hat der Cheffe sie mir nur überlassen? Hintergedanken? Oder einfach schiere Güte? [Die Sache ist ganz einfach. Bei dieser Band, diesen zweistimmigen Gitarrenflügen, diesem Sound fällt mir außer vollkommen euphorischen Lobhudeleien nicht ein halber objektiver Satz ein, da muss einer ran, der seine Geschmacksnerven wenigstens ansatzweise im Griff behalten kann; Fred - nix gütig, nix Cheffe!]
Egal, das muss gut werden. Also ran.

Ill Wind ["ill", wie krank; Red.] beginnt mit etwas, das sich anhört wie ein Güterzug auf freier Strecke. Der Schlagzeuger nimmt das Gepolter einfühlsam auf bevor der Güterzug in einem Schlagzeugwirbel verloren geht. Dann beginnt das Stück. Mein erster Eindruck ist, dass der Sänger eine etwas dünne Stimme hat. Ich liebe ja Shouter von der Güte eines Danny Joe Brown (falls sich noch jemand an den am 10. März 2005 verstorbenen, ehemaligen HATCHET-Sänger erinnert). Aber ich merke sehr bald, dass die Stimme sehr schön zum Inhalt der Stücke passt, und das ist ja auch was wert.
Die zweite Nummer, Shadow Of The Old You beginnt mit einer nicht ganz sauberen aber beherzt geblasenen Bluesharp. Ein sehr schönes Lied, das vermutlich schon über die Freunde aus der Kindheit berichtet. Auch das Solo kommt sehr geschmackvoll. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass Mats Olsson jemals ein Heavy-Gitarrist war.
Auch Slipping Through The Hands Of Time wartet mit gefälligem mehrstimmigem Gesang auf. Das ist überhaupt die Stärke der Band: Dass sie alles, was sie anpackt zu einem harmonischen Ganzen fügt. Große Klasse.
Auf Nummer fünf, dem Ljusnan Riverside Jam lässt Mats Olsson an der Gitarre ganz schön die Sau fliegen und ein veritables Drumsolo von Patrik Jansson gibt es auch noch. Das ist schon die höhere Schule des Jam Rock. Hörenswert ist auch, wie die Stimme des Sängers beim Blue Mountain Blues ganz weit vorn steht, und trotzdem die beiden Gitarristen sehr melodisch um den Gesang herum grooven und solieren. Das hört sich nach ganz großer Schule, nach hohem Können an. Kaum zu glauben, dass dies die erste CD ist, die die Jungs auflegen.
Der Silberling "Hellsingland Underground" ist ohnehin sehr melodisch und gitarrenbetont geworden. Das Keyboard hält sich wohltuend zurück, ist aber immer wahrnehmbar - so wie's sein soll. Mal setzt Charlie Granberg die Bluesharp ein, aber immer kommt die Musik mit kräftiger Southern-Schlagseite daher. Die meisten Stücke grooven rockig wie God Only Knows oder kommen etwas verhaltener, beinah melancholisch aus den Boxen wie Lost In The Woods.

Ja, es scheint als habe Charlie Granberg sein Ziel erreicht: Er macht gemeinsam mit guten Kumpels die Musik der 70er Jam- und Southern Bands - und beschert dem Hörer (und vermutlich auch sich und der Band selbst) eine ziemlich gute Zeit. Dass man am Ende noch einmal den Güterzug rollen hört (wie am Anfang) zeigt nur, wie gut durchdacht und ausgeführt die ganze CD ist.

[PS: Wer jemals REBEL STORM gehört oder gar live gesehen hat, wird HELLSINGLAND UNDERGROUND bedingungslos verfallen. Fred - völlig subjektiv den Freudentränen nahe]

Manfred Hörstmann, (Artikelliste), 20.11.2008


 
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