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| Madness & Grace, Killed By Records, 2010 |
| Charlie Granberg |
Lead Vocals, Harmonica |
| Mats Olsson |
Guitars, Backing Vocals |
| Peter Henriksson |
Guitars, Backing Vocals |
| Mathias Stenson |
Piano & Organ |
| Martin Karlsson |
Guitars, Backing Vocals |
| Patrik Jansson |
Drums & Percussion, Backing Vocals |
| Produziert von: Hellsingland Underground & Martin Karlegard |
Länge: 56 Min 34 Sek |
Medium: CD |
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| 1. The Spark That Never Dies | 7. Diabolic Greetings From The Woods |
| 2. Shuffle Day To Day | 8. Full Buck Moon |
| 3. Forever Damned | 9. Debauchery |
| 4. Vera | 10. A Short Time In The Sun |
| 5. Church Bells Through The Valley | 11. Poor Boy |
| 6. Stickin' With You | 12. Madness & Grace |
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Als vor gut zwei Jahren das Debut der schwedischen Provinzband HELLSINGLAND UNDERGROUND erschien, zuckte es in so manchem Classic- und Southern-Rocker erheblich und durch die Bank erfreut. Das war frisch, (vordergründig) fröhlich und alles andere als fromm, dafür aber mit so vielen messerscharfen zweistimmigen Gitarren versehen, das dem geborenen Südstaatenrocker einfach das Herz aufgehen musste. Wann hatte man seit den OUTLAWS eine so stramm solierende Gitarrenfront mitsamt hochmelodischen Gesängen und Country-Flair gehört? Eben, seit REBEL STORM nicht mehr. Auf den ersten Blick konnte man ob so viel Wohlklang gar nicht erkennen, dass Charlie Granberg, der Bandgründer und Haupt-Songschreiber, nicht nur von überdurchschnittlicher Intelligenz und Musikalität gesegnet ist, sondern auch von einer - womöglich für Schweden typischen - Hintergründigkeit, Zynismusbegabtheit und Depressionslust. Dass Granberg und seine Spießgesellen darüber hinaus selbstverständlich nicht nach Normalbürger sondern nach langhaarigem Rebell mit Hang zum Exzess aussehen, versteht sich von selbst.
Ja, "Hellsingland Underground" war 2008 eine mittlere Sensation. Aber was ist mit dem Nachfolger?
Dieser Nachfolger namens "Madness & Grace" rotierte sechs Monate in der Warteschleife, wurde gehört, beiseite gelegt, wahlweise für genial oder zu leicht befunden, bestaunt, mit Verwunderung betrachtet, bemängelt und letztendlich doch wieder hervorgeholt. Es gibt dafür zwei Gründe. Erstens wurde die kleine Club-Tour durch Deutschland im Oktober 2010 von den wenigen anwesenden Fachleuten bejubelt und zweitens gibt es demnächst vom Schlagzeuger Patrik Jansson ein Soloalbum - und zwar eines, das der Trommler als Leadgitarrist mit eigener Band eingespielt hat. Dazu mehr in ein paar Tagen, jetzt erst mal verspätet, aber nach wie vor berechtigt zu "Madness & Grace", dem zweiten Album von HELLSINGLAND UNDERGROUND.
Hat sich nun etwas verändert oder nicht, ist die Frage. Die Antwort ist schwer, denn "Madness & Grace" besitzt in erster Linie nicht den Überraschungseffekt, der "Hellsingland Underground" zum Evergreen gemacht hat - man erwartet schlichterdings von Charlie & Kollegen nun nur noch überragende Platten. Aber, menno, gleich der erste Song hat bis auf zwei bestrickende Kurzsoli eine Leichtigkeit, die beinahe leichtgewichtig erscheint, der böse Gedanke an das berühmte "fishing for a hit" setzt sich im Kopf fest, jedenfalls exakt dreieinhalb Minuten lang, denn dann fliegen plötzlich die Strats kurzzeitig im Formationsflug und alles ist gut. Hughie T. wird da oben auf seiner Wolke den Hut ziehen und mit einem Lächeln den Refrain mitsingen.
"Madness & Grace" auf die gloriose Gitarrenarbeit zu beschränken wäre aber natürlich unsinnig. Es ist eine traumhafte Band, die hier wieder am Werk ist, allerdings mögen einem manche Keyboardtupfer und Chöre einfach etwas zu gefühlig, zu eingängig erscheinen. Damit sind nicht die dem Folk oder der Countrymusik entlehnten Töne gemeint, auch nicht die Songs aus dem Niemandsland zwischen Kanada (Neil Young) und Springsteens New Jersey, es ist die Belanglosigkeit, die das eine oder andere Lied auf "Madness & Grace" prägt, auch wenn der Wind wie zufällig aus Richtung Duluth, Minnesota weht und angeblich alle Antworten kennen soll, my friend (Full Buck Moon). In den meisten Fällen wird das Ruder schlussendlich doch noch herumgerissen, sei es durch eine wundervolle Melodie oder eben ein Gitarrensolo zum Niederknien, einzig, es reicht nicht immer für überdurchschnittliche Gesamtergebnisse.
Von Langeweile zu sprechen wäre übertrieben, aber tatsächlich ist erst der flockige Country-Stomper Stickin' With You auf Startplatz 6 nach längerer Meditationsphase wieder ein Weckruf. Da passt alles, Honky-Tonk-Piano und Banjo motivieren so lange mit Melodie und Drive, bis endlich auch die Gitarren wieder richtig Feuer machen.
An wen die Diabolic Greetings From The Woods gehen, ist direkt mit der eröffnenden Orgel und den fein ziselierten Twin-Gitarren klar, die folgenden gut sechs Minuten Präzisionsjam entschädigen für wenigstens das fade Vera. Das von Mathias Stensson intonierte Piano-Intermezzo muss einen klassischen Hintergrund haben (Grieg, Mussorgski, wer auch immer), vielleicht erfährt man irgendwann wer der Ideengeber war. Diabolic Greetings From The Woods ist DER tiefgründige Song auf "Madness & Grace", viel mehr kommt nicht. Obwohl, Debauchery geht natürlich noch mal richtig nach vorne los und Poor Boy ist das Southern-Guitar-Classic des Albums. Der Song selbst ist… nun ja, aber die letzten zwei Minuten sind der feuchte Traum aller Gitarrenfreunde. In diesen aufwühlenden Momenten ist auch der Rest der Band geradezu überlebensgroß.
"Madness & Grace" ist kein Bekenntnis. Weder für den atemberaubenden Northern-Southern Rock des Debuts noch für etwaige Singer/Songwriter-Ambitionen. Und schon gar nicht für Popmusik. Das könnte Charlie Granberg überhaupt nicht glaubhaft vermitteln. Once a Rocker, always a Rocker. Leider kam diesmal nur ein halbes Meisterwerk heraus.
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