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Second Assault

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Second Assault
Second Assault, Rise Above Records, 2012
Axel Söderberg Vocals
Charles Van Loo Guitar
Kristofer Möller Guitar
Magnus Delborg Bass
Pontus Jordan Drums
Länge: 40 Min 12 Sek Medium: CD
1. Time Warrior6. Second Assault
2. Road To Cairo7. Spirit
3. Crusaders Of Death8. Thing I've Seen
4. On The Run9. Hard Bargain
5. Watch Them Die10. Thunderfight

Zwei Dinge sind den zauseligen Schweden der Band HORISONT seit ihrem ersten Album "Två Sidor Av Horisonten" aus dem Jahr 2009 abhanden gekommen: die charmant schwedisch gesungenen Texte zum hemmungslos retrograden Heavy-Bluesrock und die ein, zwei Boogies in der Tradition von FLLETWOOD MAC & Konsorten, die das Debut zur Partyscheibe für zauselige Heimhörer machten. Ansonsten, und das ist keine Überraschung, hat sich bei HORISONT bis auf die Plattenfirma wenig bis nichts geändert. Solche Bands scheren sich nicht um Zeitgeister, Trends und die maximale Coolness, denen geht es einzig um das Feeling, das sie - aus welchem Grund auch immer - beflügelt. Bei HORISONT ist es eben der harte Rock der frühen siebziger Jahre, also jene Zeit, als Rockmusik noch per se subversiv und gefährlich war, als BLACK SABBATH das Böse verkörperte und DEEP PURPLE der Inbegriff des Heavyrock war.
In den letzten 40 Jahren hat sich die Welt schneller gedreht als in vielen Jahrhunderten davor, aber für manche Menschen ist Hard Rock der Soundtrack ihres Lebens, und für die tickt die Zeit anders. Im Extremfall können manche junge Musiker sogar die Zeit umkehren und im Jahr 2012 die perfekte Illusion des Jahres 1972 hervorzaubern. Die Jungs von HORISONT gehören zu dieser Spezies und sind dabei überzeugend.

"Second Assault" heißt die zweite CD und sie hat, wie oben bereits erwähnt, weniger Blues und Boogie an Bord, dafür ein stringenteres Gesamtkonzept und bis auf wenige Ausnahmen, wie der DEEP PURPLE zitierenden Ballade Crusaders Of Death, eine etwas härtere Gangart. Die auffälligsten Nummern sind naturgemäß jene, die mit zweistimmigen Gitarrenlinien aufwarten können und dabei zwangsläufig an WISHBONE ASH erinnern. Da gehen dann beispielsweise bei On The Run ganz einfache aber umso effektivere Double-Lead-Soli über die Rampe, dass es eine Pracht ist. Nur wenige Jahre nach ASH übernahmen Bands wie JUDAS PRIEST oder SAXON derlei Effekte, berühmt wurden die jedoch erst nach der Soundmodernisierung hin zum Heavy Metal. HORISONT ist wohl kein Name, der 40 Jahre später entscheidende Berühmtheit erlangen wird, aber es gibt nicht viele Bands, die dem Geist der Gründerzeit im neuen Jahrtausend so frisch und ungekünstelt neues Leben verleihen. Die Produktion beschwört natürlich bewusst die alten Zeiten, "Second Assault" klingt aber zu keinem Moment verstaubt oder muffig, es fliegen entweder ASH-Funken oder dicke SABBATH-Gesteinbrocken - und das ist schön. Es verwundert auch nicht, dass Hard Bargain gut und gerne ein früher Hit von URIAH HEEP sein könnte.

Wenn man der Scheibe etwas vorwerfen kann, dann ist es das Fehlen eines Überfliegersongs. "Second Assault" bewegt sich songwriterisch durchgehend auf hohem Niveau, das sollte allerspätestens beim mächtigen Schlusssong Thunderfight klar sein, es fehlt nur noch der "Superhit". Gerne auch einer wie Lady In Black oder Stairway To Heaven - ZEPPELIN haben die Jungs bisher sowieso außen vor gelassen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.03.2012

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