|
|
| Två Sidor Av Horisonten, Crusher Records, 2009 |
| Axel Söderberg |
Vocals |
| Charlie Van Loo |
Guitar |
| Kristofer Möller |
Guitar |
| Magnus Delborg |
Bass |
| Pontus Jordan |
Drums |
| Gast: |
|
| Henryk Lipp |
Piano |
|
Länge: 41 Min 00 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Nighrider | 6. Horisont Boogie |
| 2. Just Ain't Right | 7. Du Röde |
| 3. High Time | 8. Visa Vägen |
| 4. The Unseen | 9. Tiggaren |
| 5. Oh, My Lord | 10. Efter Min Pipa |
 |
Fünf junge Schweden, die die letzten dreieinhalb Jahrzehnte eingefroren verbracht haben müssen und nun durch den Klimawandel ans Tageslicht gebracht wurden. Nicht ganz klar ist, ob die Band HORISONT das Album "Två Sidor Av Horisonten" noch vor der letzten Eiszeit eingespielt hat, oder ob die Jungs in den unfassbar gut erhaltenen 70er-Klamotten tatsächlich erst dieses Jahr im Studio waren, denn das Ergebnis klingt in allen Belangen wie 1970 ff., denn selbst wenn digitale Aufnahmetechnik im Spiel war, hat man das mit der Retro-Funktion perfekt getarnt.
Der so genannte Classic Rock feiert in den letzten Jahren mit einer Armee neuer Bands erfreuliche Erfolge, aber so konsequent wie HORISONT gehen ansonsten nur Coverbands ans Werk. Ein staunenswertes Debut, da fallen die auf der B-Seite schwedisch gesungenen Titel gar nicht mehr groß auf (selbstverständlich gibt es "Två Sidor Av Horisonten" auch auf Vinyl - das kennt man von Crusher Records).
Die im Info genannten Einflüsse heißen BLUE CHEER, BLACK SABBATH und NOVEMBER (man kann wirklich nicht alles kennen), dem kann man etwa 63 weitere Namen hinzufügen, wir belassen es der Einfachheit halber bei dreien und ein paar: WISHBONE ASH, SAVOY BROWN und BUDGIE, alle natürlich in ihrer frühen Phase. Tja, und so rockt und bluest "Två Sidor Av Horisonten" im Dinosaurier-Sound wie ein psychedelisches Urvieh dahin. Der Wechsel zwischen leichtfingrigen Double-Leads und drogigem Proto-Stonerrock (z. B. The Unseen) klingt für ältere Hörer nach all den Jahren nicht unbedingt spektakulär, aber auf jeden Fall authentisch und sehr lange nicht mehr gehört: die hübschen Parallel-Gitarren im eröffnenden Boogie Nightrider wecken bei den Oldies automatisch Erinnerungen an ASH, LIZZY, QUO und das Jahr, in dem die Rote Armee Fraktion gegründet wurde. Neben den beiden Gitarristen fällt besonders Axel Söderberg mit seinem weit oben angesiedelten Sirenengesang auf. Das kommt durchaus an Leute wie Burke Shelley (BUDGIE) und den jungen Ozzy heran, hat aber für junge Menschen eine ganz neue Dimension, denn heutzutage gibt es nur sehr wenige Bands, die sich derlei trauen. Ein Feldversuch in einer Disco wäre da aufschlussreich.
Just Ain't Right wäre mit seinen Percussion-Einlagen, dem flotten Bass und der leicht verfremdeten Gitarre mitsamt subtilem Boogie in eben jenem Jahr 1970, man erinnere sich an Willy Brandts Kniefall von Warschau, ein Highlight auf TEN YEARS AFTERs "Watt" gewesen, so ist es eben HORISONTs Kniefall vor einer lange vergangenen Zeit.
Wenn man kein Englisch-Fetischist ist, wird der zweite Teil der CD für viele der spannendere Teil des Albums sein. Schwedisch eignet sich hervorragend für richtige Rockmusik, das kann man unmittelbar im Horisont Boogie feststellen. Der wohl flüssigste Boogie der Platte kratzt zwar jede Menge Klischees an (welche britische Blues-Band inklusive FLEETWOOD MAC hat derlei nicht gespielt?), beweist aber gleichzeitig die Zeitlosigkeit dieser Musik, egal in welcher Sprache gesungen wird. Das Piano ist dabei das I-Tüpfelchen. An dieser Stelle darf der Name Paul Raymond fallen, denn der Piano-Dauerbrenner hat damals bei SAVOY BROWN und CHICKEN SHACK genau die gleichen toxischen Figuren geklimpert wie hier der hauptberufliche Produzent Henryk Lipp.
Noch einen Shuffle gibt es in Tiggaren. Was immer das bedeutet, das Ergebnis ist hemmungslos. Der Abschluss Efter Min Pipa ist das auch, allerdings auf der progressiv-psychedelischen Ebene.
Der Band HORISONT ist sicherlich klar, dass die Hitparaden maximal weit entfernt sind für "Två Sidor Av Horisonten", aber die fünf Typen ohne Frisur [Idee entliehen bei Maaro von Dentien, dem Zauberer und/oder Schwertkämpfer; demnächst mehr über diesen Herrn hier im HoR] sind mutig genug für einen musikalischen, aufnahmetechnischen und modischen Rückschritt, der den Alten Respekt und Resthaarschütteln abnötigt und interessierte Jungrocker begeistern wird. So aufregend kann und soll Rock & Roll auch 2009 noch sein.
|