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Jason Isbell And The 400 Unit

Jason Isbell And The 400 Unit

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Jason Isbell And The 400 Unit
Jason Isbell And The 400 Unit, Lightning Rod Records, 2009
Jason Isbell Guitar, Keyboards, Vocals
Jimbo Hart Bass, Vocals
Browan Lollar Guitar, Vocals
Derry deBorja Keyboards
Matt Pence Drums
Produziert von: Jason Isbell And The 400 Unit & Matt Pence Medium: CD
1. Seven-Mile Island7. The Blue
2. Sunstroke8. No Choice In The Matter
3. Good9. Soldiers Get Strange
4. Cigarettes And Wine10. Streetlights
5. However Long11. The Last Song I Will Write
6. Coda

Jason Isbell galt einst als der heimliche Star der DRIVE-BY TRUCKERS - als Einziger der Truppe mit nennenswerter Begabung. Als deren bester Songwriter und gefühlvollster Sänger. Aus Jasons Feder flossen solche DRIVE-BY TRUCKERS-Evergreens wie das geniale Outfit oder seine Ode an die verstorbenen THE BAND-Musiker Rick Danko und Richard Manuel mit dem zugegebener Maßen wenig phantasievollen Titel "Danko/Manuel".
Irgendwann jedoch war ihm das Engagement bei DBT zu schnöde. Also beschloss er auf eigenen Füßen zu stehen. Flugs gründete er seine Band THE 400 UNIT und veröffentlicht nun das gleichnamige Album, nämlich "Jason Isbell And The 400 Unit".
Dabei handelt es sich allerdings nicht um das Debüt. Vielmehr stellt die nun bei Lightning Rod Records erschienene Scheibe bereits das zweite Studioalbum dar. Dazu gesellt sich im Backkatalog noch der Live-Mitschnitt "Jason Isbell & The 400 Unit - Live At Twist & Shout 11.16.07". (Ein bisschen mehr Kreativität bei der Namenswahl würde die Karriereaussichten wirklich nicht behindern.)

Die spannendste Frage, die der Genuss der neuen Scheibe beantworten sollte, war, ob Jason im Studio engagierter und lustvoller zu Werke geht als bei den - retrospektiv betrachtet - teilweise unsäglich angenervten Vorstellungen während der Deutschlandtour 2008.
Soviel schon jetzt: Jason Isbells damaliges Formtief ist überwunden. Er spielt mit seinen THE 400 UNIT erwartungsgemäß coolen Americana-Sound, bei dem alle Elemente dieses Genres zur Geltung kommen. Handwerklich sind THE 400 UNIT ordentlich aufgestellt, wobei schon alleine Tastenbediener Derry deBorja alleine für 150 der 400 Units gut ist.
Trotzdem, irgendwie scheint es, als wäre parallel zu Jasons Körperumfang (seht ihn euch mal im Booklet von "Decoration Day" der DBT an) auch sein Talent ein klein wenig abgeschmolzen. Klar, alle 11 Songs rangieren auf hohem Niveau. Aber der ganz große Wurf, der Überhit, der Gänsehaut-Generierer ist diesmal nicht mit dabei. Auch ein Jason Isbell kann eben nicht wöchentlich solche Dinger wie Outfit raus hauen.
Zu den Songs, die dem am nächsten kommen, gehört das gefühlvolle Sunstroke. Er lebt von Jasons leidenschaftlichem Gesang und Derrys eindringlicher Tastenarbeit. Immer wenn die Band das Tempo raus nimmt und die Verzerrer milde stimmt, erfüllt sie die hochgesteckten Erwartungen noch am meisten. Auch The Last Song I Will Write fällt in diese Kategorie.
Was impliziert, dass gerade die flotteren Nummern die schwächeren sind. Manchmal wirken sie zu bemüht und verhaspelt. Good ist ein gutes Bespiel. Bis zum Refrain ist tatsächlich alles sehr gut, dieser selbst aber eben nur gut. Gut, andere Bands wären bereits verdammt froh, wenn sie solche Schwächen wie Good in solcher Güte überhaupt zu Stande bekommen würden, was wiederum für diesen Song spricht.

Über dem Mischpult gekauert haben JASON ISBELL AND THE 400 UNIT sowie Matt Pence, der auf der Scheibe auch die Trommeln rührt. Sie haben zusammen einen feinen Job gemacht. Die Produktion ist kristallklar und rein.
Nun noch ein Punkt, der zwar angesprochen, aber nicht überbewertet werden sollte: Dem Output fehlt es gewissermaßen an Emergenz. Die unsterblichen Rockalben waren gesamt gesehen immer weitaus magischer als alle darauf gepressten Songs für sich betrachtet. Bei "Jason Isbell And The 400 Unit" verhält es sich eher anders herum. Einzeln gehört haben die Stücke sicherlich etwas - jedes einzelne; aber dem Gesamtwerk fehlt die "große Magie". Die Scheibe zündet beim Gesamtgenus weniger als wenn man sich die Songs in homöopathischen Dosen verabreicht. Trotz aller Güte der einzelnen Lieder fragt man sich am Ende der Platte, ob denn nun noch etwas kommt.
JASON ISBELL AND THE 400 UNITs haben sich trotzdem recht viel Mühe gegeben. Von dieser Scheibe werden hoffentlich wesentlich mehr als 400 Einheiten abgesetzt. Sie wird allen Musikfreunden wärmstens empfohlen, die sich noch trauen, gepflegte Songs zu genießen und zwar ohne Rücksicht auf etwaige Sanktionen des schwer rockenden Freundeskreises.

Olli "Wahn" Wirtz, (Artikelliste), 29.03.2009

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