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| Made In China, Eigenvertrieb, 2008 |
| Yvon Serré |
Guitars, Vocals |
| Billy Ren |
Bass, Vocals |
| Mark Mcleod |
Keyboards, Vocals |
| Cris Yang & Yue Jun |
Drums |
| Gäste: |
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| Philip Fernandez |
Trumpet (Give Me Cash & Rock & Roll) |
| Li Lianjun & Tu Jingfei |
Background Vocals (Give Me Cash) |
| Uchida "Yugi" Yuuji |
Bass (Let Me Be Your King & Let's Do It) |
| Anders Christensen |
Guitar (Every Other Day & Give Me Cash) |
| Melissa Carole |
Sax (Everything You Do, Give Me Cash & Every Other Day) |
| Produziert von: Yvon Serré |
Länge: 35 Min 19 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Take A Look | 6. Give Me Cash |
| 2. Every Other Day | 7. Can't Let Go |
| 3. Rock & Roll | 8. Let Me Be Your King |
| 4. I Don't Need You | 9. Let's Do It |
| 5. Everything You Do | 10. Duai Mien De Nu Hai |
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Hat schon mal jemand Post aus China bekommen? Ein Einschreiben aus Chengdu in Westchina? Schöne Briefmarken und viele Stempel sind auf so einem Brief drauf. Lesen kann man nix, aber wenn man das Kuvert vorsichtig - es kommt immerhin aus China… - aufmacht, fällt eine CD heraus, auf der groß M.I.C. und kleiner "Made In China" auf dem schön gezeichneten Bild steht. Chinesische Musik also. Hat schon mal jemand chinesische Musik gehört? Also die klingt, nun ja, gewöhnungsbedürftig. Sehr exotisch, wie aus einer anderen Zeit. Wir müssen uns der Band M.I.C. behutsam nähern, nicht dass am Schluss jemand überfordert ist.
Zuerst: Chef der Band ist kein Chinese sondern der Kanadier Yvon Serré. Der ist mit einer Chinesin verheiratet und tritt seit 2001 mit ihr in teilweise riesigen Shows und im Fernsehen als Duo auf und hat großen Erfolg beim Publikum des "neuen" China. Davor hat er sich in vielen Bands und Projekten versucht, diverse Platten in englischer oder französischer Sprache veröffentlicht und könnte möglicherweise dem einen oder anderen Europäer in den Neunzigern als Leader und geschminkter Clown der HARRY STRAIGHT BAND über den Weg gelaufen sein. Seit etwa 2004 zockt Serré schließlich unter dem Namen M.I.C. mit den Kollegen Billy Ren, der ganz sicher nicht wirklich Billy heißt, Cris Yang, der ganz sicher nicht wirklich Cris heißt, und Mark Mcleod, der ganz sicher nicht in Chengdu sondern in den USA geboren ist. 2008 nahmen sie die CD "Made In China" auf und die kommt jetzt, offensichtlich kurz vor der angekündigten zweiten Scheibe, über ein paar Umwege hier in Deutschland an. Wie gesagt, ein Einschreiben aus Chengdu. Da staunst du.
Wie klingt nun chinesische Musik aus dem Jahr 2008 in 2009? Harsch, laut, ein bisschen wie die neue und rauere Version von BROWNSVILLE STATION. Ihr kennt Brownsville Station? Cub Koda? Der leider schon 2000 verstorbene kleine Hammergitarrist und Musikforscher spielte, wenn er Lust darauf hatte, eine ähnlich derbe Saite wie Herr Serré auf "Made In China". So klingt also chinesische Musik. Verblüffend, oder?
Einen Schönheitspreis für Nachtigallengesang bekommt Serré nicht, aber auf solche Shouter hat man als Rocker immer Lust. Genau wie auf das fette Rhythmusfundament der beiden Chinesen in der Kapelle. Was für ein starker Schlagzeuger, was für eine Wuchtbrumme von Bass. Klar, unter über 1,3 Milliarden Menschen sind sicherlich etliche ordentliche Musiker zu finden, aber dass die so rocken ist für uns unwissende Langnasen schon überraschend. An M.I.C. ist außer der Absenderadresse nichts exotisch und gewöhnungsbedürftig, aus einer anderen Zeit kommt der Hard Rock des Quartetts allerdings schon. Ein Boogie wie Rock & Roll lässt seit Jahrzehnten echte Rockfans automatisch auf die Tische hüpfen; Herkunft, Geschlecht und Alter spielen bei der tollsten aller Musiken wie immer keine Rolle.
Zwischendurch kommt "Made In China" ein wenig mainstreamiger über die Mauer (Can't Let Go oder Everything You Do; tolles Sax übrigens), dann ist es Melodic Rock, den man sich entfernt von FOREIGNER vorstellen könnte, wenn in dieser Rentnerband noch ein Funke Leben wäre. Ansonsten regiert der pure Rock & Roll in seinen Variationen Glam, Hard, Powerpop oder Boogie. Simple Säger wie I Don't Need You, der Hüpfer Give Me Cash mit seinem Pianogeklimper, zwei Mädels im Chor, wieder dem Saxophon von Melissa Carole und einem kleinen aber umso effektiveren Gitarrensolo, der schiebende Rocker Let Me Be Your King (der Bass ist extraordinär gut, wird in diesem Fall aber von einem gewissen Uchida "Yugi" Yuuji gespielt) und das kleine Riff-Monster Let's Do It sind nichts anderes als perfekte Unterhaltung. Spaßgranaten sozusagen.
Der letzte Song der CD ist für den Normaleuropäer nicht zu entziffern und verstehen, für uns Sinologen ist es natürlich ein Leichtes, die Schriftzeichen in Duai Mien De Nu Hai bzw. Girl Across The Street zu übersetzen [das hat gedauert, bis mir das Wort "Sinologie" wieder eingefallen ist]. Die Nummer stammt von Richie Ren, einem populären Schauspieler und Schlagerstar aus Taiwan. Wo Ren allerdings ziemlich schwer erträglichen Mandopop macht, haut uns die prima Truppe M.I.C. noch einen finalen Knaller vor den Latz. Und Yvon Serré beweist, dass er Mandarin kann. Akzentfrei. Möglicherweise.
Der Umgang mit China und den Chinesen ist schwer. Wir haben Vorbehalte, wir haben in vielen Dingen mit diesen Vorbehalten auch garantiert recht, und wir müssen nicht verstehen, warum eine Diktatur von unseren Politikern und Wirtschaftsbossen nicht nur akzeptiert sondern in erbärmlich anbiedernder Weise hofiert wird. Die halbchinesische Band M.I.C. hat mit alldem nichts zu tun, denn wenn eines auf dieser Welt alle Menschen friedlich einen kann, dann ist es Musik. Wenn's dazu noch Rock & Roll dieser Qualität ist, steht einem gemeinsamen Bier überhaupt nichts mehr entgegen. Das Tsingtao ist übrigens durchaus trinkbar.
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