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| UHAD2BTHERE! - Live Bootleg Vol. 1, Gonzomusic Record Co., 2008 |
| Matt Roehr |
Guitar, Vocals |
| Charlie Huhn |
Vocals, Guitar |
| Stephan Weiler |
Hammond, Rhodes, Wurlitzer, Grand Piano, Vocals |
| Gláucio Ayala |
Drums, Vocals |
| Marcelo Linhares |
Bass |
| César Garzoni |
Percussion |
| Produziert von: Matt Roehr |
Länge: 60 Min 50 Sek |
Medium: DualDisc |
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| 1. Going Down | 9. I Don't Need No Doctor |
| 2. I Ain't Around No More | 10. Wheel Of Fortune |
| 3. Made To Last | 11. Weekend Warriors |
| 4. You Had To Be There | Bonus Video Tracks: |
| 5. Barra Da Tijuca | I Ain't Around No More |
| 6. All Along The Watchtower | Made To Last |
| 7. Hasta Un Cualquier Dia | Barra Da Tijuca |
| 8. Sarcastic Gutter Blues | |
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JA, ich hab es getan und einem BMW-Fahrer sein Deutschland-Fähnchen vom Dach gehauen! Hell yeah!
Solche Gewaltexzesse passieren nicht aus einer grundsätzlichen Fähnchen-Phobie heraus, im Gegenteil, wenn zu Zeiten des Oktoberfests die Straßenbahnen rechts mit dem Münchner Kindl und links mit der gerauteten Weißblauen beflaggt durch die Stadt fahren, finde ich das seit Kindertagen nett. Es ist mehr die Abneigung gegen diesen absoluten Willen zum Zeigen von… nun ja, letztendlich irgendwas auf das man "stolz" sein will (und gegen Autofahrer, die harmlose mittelalterliche Radfahrer - ein Hollandrad übrigens - mit aller Gewalt ausbremsen müssen um als erste an der Kreuzung rechts abbiegen zu können).
Auf jeden Fall lag das von meinem kühnen Hieb in drei Teile zerborstene Wir-sind-gut-drauf-Insignium schlapp in den drei Litern Milch, die mir der Rowdy aus dem Einkaufskorb gefahren hatte, mitten auf der Kreuzung und sah plötzlich einfach nur noch bemitleidenswert schmutz-rot-milchig aus. Hah!, dachte ich mir, da fließt er hin, der Nationalstolz. Doch dann stieg ER aus seinem Boliden und stakte mit seinen gesamten 1.700 Millimetern wie weiland Clint Eastwood auf mich zu und sagte: "Hörsu Arschloch, isch falt disch und dein Arschfickradtd so was von susammen, Arschloch", woraufhin ich ihm mit der nuklearen Übermacht von 25 Zentimetern (natürlich Körpergröße, ihr Ferkel!) und geschätzten 40 Kilo meinen Standpunkt klarmachen musste.
Mein neuer Freund Günther aus Herne-München-Milbertshofen (Migrationshintergrund!), geboren 1982, hat sich dann auch entschuldigt und wollte mich noch zu einem Augustiner Edelstoff aus seinem Kofferraum einladen ("ey, habsch immer was für Paaady dabei"), aber als Weizentrinker verzichtet man gerne auf lauwarmes Zwiebelbier, vor allem vormittags um halb 10. Wir trennten uns dann einvernehmlich, nachdem die gegenseitige Schadensbilanz etwa Gleichstand ergeben hatte und Günther Sympathie für mein T-Shirt äußerte: "Pööörple… voll geil, Schmogondewater unso, kensch, aba isch steh auch auf Kylie und de Bridnee-Schlampe".
Warum erzähle ich das eigentlich, wo es doch um eine neue CD von Matthias "Gonzo" Röhr geht? Vielleicht weil ich in Röhrs Vergangenheit das heutige Herne-München-Milbertshofen in all seinen unterbelichteten Aspekten sehe. Vielleicht sogar, weil ich längst begriffen habe, dass genau jene BMW-Günthers zwar dem Genitiv keine Chance geben, aber irgendwann bei einem Konzert der BÖHSEN ONKELZ ein nie vorher erlebtes Gruppengefühl erfahren haben.
Warum nur hat man einer gesamten Generation Bildung und Spaß an Kultur einfach entzogen, Herr Kohl? Dieses historische Versagen wird der dicke alte Mann mit ins Grab nehmen, aber an der Entstehung der ONKELZ kann man ihm keine Schuld geben. Schade eigentlich.
Was wird sich wohl der neunzehnjährige Matthias gedacht haben, als er in die kontroverseste Band der deutschen Rockgeschichte einstieg? Stand er auf die polarisierenden und definitiv dumpf-deutschnationalen Hetzparolen? Die reichlich behämmerte Musik der grässlichen Kapelle kann es eigentlich nicht gewesen sein.
Zig Millionen verkaufter CDs und verdienter Euros später stellt sich die Frage nicht mehr. Herr Röhr firmiert auch nicht mehr als Gonzo sondern als Matt Roehr und ist zu einem polyglotten Weltenbürger geworden, der mit einer internationalen Band in mittelgroßen Clubs das Leben eines rechtschaffenen Rockmusikers führt. Nun, Zeiten und Leute ändern sich, in diesem Fall ist es erfreulich und man mag Röhr den Wandel zum Latin-Bluesrocker abnehmen. Da spielt keiner den Wolf im Schafspelz (oder andersrum), hier macht ein von allen materiellen Sorgen befreiter Musiker einfach das was ihm Spaß macht. Aber: Das Verhältnis zu seinen früheren Kollegen ist wohl zerrüttet, trotzdem hat man vorgesorgt und Ende 2007 die direkt nach der eigentlichen Auflösung 2005 neu eingespielte Platte "Onkelz wie wir…" von 1987 veröffentlicht, damit noch ein paar Cent aufs Rentenkonto fließen. Wirklich sympathisch ist so viel Kalkül nicht und vor allem eine weitere Provokation derer, die seinerzeit vollkommen zu Recht die Band und ihr widerwärtiges Umfeld boykottiert und bekämpft haben.
Egal jetzt, den ganz primitiven Altfans ist Röhrs heutige Musik ohnehin viel zu kompliziert, diese Kundschaft wird sich mit Sicherheit die lateinamerikanischen Percussion-Orgien eines I Ain't Around No More nicht antun.
Matt Roehr macht also heute ziemlich altmodischen Rock mit Blues- und Latin-Einflüssen. Schau an. Als Sänger hat er sich glatt Charlie Huhn geangelt, der bekanntlich heute bei FOGHAT tätig ist und in der Vergangenheit unter anderem für Ted Nugent, VICTORY und HUMBLE PIE grandios gesungen hat. Folgerichtig finden sich auf "UHAD2BTHERE!" Nugents Weekend Warriors und das von Steve Marriott so einzigartig interpretierte I Don't Need No Doctor neben drei weiteren Coversongs und Röhrs eigenem Material.
Der Einstieg ist so konservativ wie beliebt bei Bluesrockern, lässt es aber glücklicherweise anständig rauschen. Going Down hat man so oft gehört, dass wirklich nur noch handfeste Darbietungen akzeptabel sind. Prompt drückt Charlie Huhn der CD von Anfang an seinen Stempel auf und bietet eine Weltklasseleistung. Der Mann ist eben nach wie vor ein breitbeiniger Rocker und sieht außerdem auch im gehobeneren Teenageralter noch elend cool aus. Fast überhört man Roehrs anständige Gitarrenarbeit angesichts der Vocals, erst wenn er zu einem ziemlich flinken Solo ansetzt, fragt man sich, was er eigentlich bei der Frankfurter Schrottband gemacht hat. Zusammen mit Huhn an der Rhythmusgitarre gibt es im Verlauf einige lupenreine Duelle.
Trotz dem Album-Untertitel "Live Bootleg Vol. 1" ist der Sound ansprechend und wohl auch weitgehend authentisch, auf jeden Fall sehr druckvoll abgemischt. Das kommt dem famosen Bassisten Marcelo Linhares zugute, wenn er im bereits erwähnten I Ain't Around No More eindrucksvolle Licks vom Stapel lässt. Auch Drums und Percussion haben in diesem und den anderen leicht SANTANA-ähnlichen Stücken ihre Spots und wirbeln fein. Ansonsten ist die Nummer - wie auch schon auf dem Studioalbum "Barra Da Tijuca" - eher unspektakulär. Gleiches gilt für die ähnlich gestrickten Made To Last, Hasta Un Cualquier Dia und den Titelsong des ersten Albums. Roehr mag diese Musik, so richtig schmissige Kompositionen kriegt er noch nicht hin, obgleich eine gewisse Radiotauglichkeit nicht zu leugnen ist und die Band inklusive saftiger Orgel überzeugen kann.
Mainstreamambitionen konnte man auch Peter Frampton nie absprechen, ergo ist das von diesem bekannte You Had To Be There eindeutig auf Radioairplay gebürstet. Allerdings für ein bei uns leider nicht existierendes Rock-Radio. Guter Song, tadellose Sechssaiter, wobei Roehr natürlich niemals die seit Gitarristengenerationen bekannten Pfade verlässt.
Die nächste Fremdnummer ist All Along The Watchtower, das angenehm anders als die Millionen sonstigen Versionen arrangiert ist. Beinahe wüstenrockig und mit einer John-Cipollina-Wimmergitarre macht der alte Schlager durchaus Furore.
Den unbestreitbaren Höhepunkt der CD stellen die vier letzten Songs dar und dabei schneiden Roehrs Werke nicht übel ab. Der Sarcastic Gutter Blues nimmt, von Huhn und einer beinahe fliegenden Gitarre gehetzt, höllisch Fahrt auf und das funky Wheel Of Fortune besitzt eine absolut erstaunliche Leichtigkeit. Ganz stark und nur noch von I Don't Need No Doctor übertroffen. Charlie Huhn auf dem Gipfel. So nah an Marriott war noch niemand und auch die Gitarre rifft prächtig, einzig der Backgroundgesang kommt logischerweise nicht an den der legendären BLACKBERRIES heran. Man darf diese heiße Version ohne Abstriche sensationell nennen.
Weekend Warriors war und ist natürlich ebenfalls ein Klassiker, aber die Größe des kleinen Marriott hat Ted Nugent nie gehabt, demzufolge hinkt die Schlussnummer zwangsläufig leicht hinterher, dennoch wird noch mal Vollgas gegeben und prima gerockt. Charlie for President!
Auf der Rückseite dieser DualDisc finden sich drei Videos mit seltsamer Bildqualität und dem Ton der CD, obwohl es sich um andere Konzerte handelt. Nicht unbedingt notwendig, aber ein netter Bonus.
Matt Roehr hat sich von seiner Vergangenheit freigeschwommen, das muss man ihm hoch anrechnen. Es bleibt zu hoffen, dass es in der Zukunft zu keinen weiteren Verhaltensauffälligkeiten mehr kommt, dann wird er auch von den ärgsten Kritikern akzeptiert werden. Ein sehr guter Anfang ist gemacht.
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