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Lullaby For Heroes

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Lullaby For Heroes
Lullaby For Heroes, Art Performance Production, 2008
Robert I Edman Guitars, Vocals, Keyboards
Jesper Landén Lead Vocals
Jan Persson Bass
Alex Jonsson Keyboards, Backing Vocals
Thomas Nordh Drums, Glockenspiel
Länge: 64 Min 24 Sek Medium: CD
1. Heroes…5. Chemical Sleep Part I & II
2. Lullaby For Heroes6. The Great Cosmic Dream
3. Station To Station7. Do Androids?
4. Playgrounds8. Temple Of The Gods

Da liegt er, der alte Ritter, lang ausgestreckt, die Laute lehnt am Baum, während der Nebel langsam aufzieht. Gevatter Tod beobachtet den Träumer, während im rechten Baum ein weiterer Gevatter zu entdecken ist. Elfen tanzen durch die nebeldurchfluteten Auen, hinter denen sich stolz futuristische Türme erheben, trotzig gegenüber den Resten der alten Säulenhalle. Soweit das Cover des neuen Outputs von MAZE OF TIME und damit herzlich willkommen im Irrgarten der Zeit.
Der Bandname scheint irgendwas mit dem Cover zu tun zu haben, denn irgendwie passt das nicht so richtig, was man darauf sieht. Egal. CD ausgepackt und in den Player gestopft.

Heroes… fungiert als Intro, dessen Sinn sich mir nicht richtig erschließt: ein Auto hält, aussteigen, Kippe anstecken, geräuschvoll inhalieren, eine Uhr tickt, ein weiteres Auto fährt vorbei, Vögel zwitschern und im Hintergrund fährt ein Zug vorbei. Zwischendurch untermalen zarte Keyboardsounds das ganze Klangkonstrukt. Auch wenn es irgendwie keinen Sinn ergibt und nicht zum Rest der Scheibe passen will, macht es gespannt auf das, was in der nächsten Stunde folgen soll.
Direkt nach dem Intro fegen die Schweden den Titelsong aus den Boxen. Und was man da zu hören bekommt ist eine galante Mischung aus THE FLOWER KINGS, GENESIS, MARILLION und einem leichten Hang zu GROBSCHNITT. Hört sich interessant an und ist es meiner Meinung nach auch. Es ist nicht zu vertrackt, aber auch nicht glatt und poliert. Eine gesunde Mischung Retro-Prog, die sich da aus den Boxen schiebt und mit einem wunderbar harmonischen Refrain gewürzt ist. Hier und da werden leicht angemetallte Gitarren ausgepackt, was den Song aber nicht überfrachtet.
Weiter geht's mit Station To Station. Auffallend: im Hintergrund fährt wieder ein Zug durch. Ob die vergessen haben, das Fenster im Studio zu schließen? Keine Ahnung. Eine leichte Klaviermelodie mit floydiger Gitarre unterlegt folgt dem Zug, bevor der Bass mit einem Dreitonlauf das Lied auf die Reise schickt. Mit großer Leichtigkeit schwebt der Song in knapp 10 Minuten von der einen zur anderen Station. Klasse gemacht. Roine Stolt meets David Gilmour meets MARILLION. Fast schon perfekt. Im letzten Drittel wird noch etwas an der Geschwindigkeitsschraube gedreht, um zum Ende hin wieder das Thema des Songs aufzunehmen - ich bin beeindruckt. Weiter geht's mit Playground. Wenn hier Bobby Kimball jetzt den Gesang übernehmen würde, es könnte glatt ein Song von TOTO zu "Turn Back"-Zeiten.
Chemical Sleep Part I entpuppt sich als jazzigvertrackter Instrumentalsong, der so auch locker aus der Feder von Mr. Stolt hätte fließen können. In Part II geht es dann mit der inzwischen schon bekannten Mischung aus THE FLOWER KINGS und MARILLION weiter.
The Great Cosmic Dream ist feinster Retro-Prog, der auch von Fish hätte stammen können [Fish und Retro-Prog ist übrigens die Exklusivmeinung unseres FriedeProg; Red.]. Es ist interessant, inwieweit die fünf Schweden in der Lage sind, die verschiedensten Elemente anderer Bands so zusammenzupacken, dass man sie sehr wohl als Ideengeber heraushört, aber doch ein eigener Stil daraus kreiert wurde.
Do Androids? wühlt sich anfangs durch ein dichtes Gitarren-Bass-Keyboard-Geflecht, um zur Strophe hin in ruhige Gefilde abzudriften und dann zum Refrain hin wieder in das Soundgeflecht eingewoben zu werden.
Den Schlusspunkt unter ein durchweg gelungenes Album setzt der 17-Minüter Temple Of The Gods. Im Prinzip fasst dieser Song das ganze Album perfekt zusammen. Großes Kino für die Ohren. Wenn die Herren so weiter machen wie auf diesem Schlaflied für Helden, möchte ich nicht wissen, was die machen, wenn sie ausgeschlafen sind. Wahrscheinlich können sich dann die Herren der Blumenkönige (The FloKis) schon jetzt warm anziehen. Das Album ist bereits jetzt für mich einer der Anwärter für die Top Ten der Progrock-Alben 2009.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 20.02.2009

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