HoR Logo kl CD-Review:

Logo Medusa Stone

Shaking Hands

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Medusa Stone > Shaking Hands

Shaking Hands
Shaking Hands, Right Hook Records, 2008
Justin Fox Lead Vocals, Guitar
Jeremy Summers Vocals, Drums
Dave Morse Vocals, Bass
Tommy Brothers Vocals, Guitar
Gäste:
Terry Fox Vocals (Wait For Me/Excessum)
Mike Hickman Cello (Wait For Me/Excessum)
Produziert von: Tommy Brothers & Medusa Stone Länge: 39 Min 39 Sek Medium: CD
1. Ortus7. Same Old Road
2. Live Alone8. Good Time Friend
3. Loaded Gun9. Black Powder
4. Rock'n'Roll Queen10. In This Place Again
5. Mr. Grim Reaper11. H-Jam
6. Pills And Pot12. Wait For Me/Excessum

MEDUSA STONE meinen es ernst. Wer dachte, die eineinhalb Veröffentlichungen "Medusa Stone" und "Ghosts" wären Eintagsfliegen, wird mit "Shaking Hands" enttäuscht.
Früher hieß es mal, dass die zweite Platte einer Band die entscheidende für die Karriere ist, schließlich hatte man für die erste unendlich Zeit, erst die zweite erlaubte demzufolge ein echtes Urteil über die Qualitäten der Kapelle, schließlich steht man plötzlich unter Zeitdruck und muss gestiegene Erwartungen befriedigen. Heute ist das Nonsens, Indie-Bands stehen grundsätzlich mit einem Bein im luftleeren Raum und Verträge mit Major-Labels sind so wertvoll wie ein Autogramm vom Hausmeister, es wird geheuert und gefeuert wie es dem jeweils aktuellen Manager grade einfällt. Umso schöner, dass die immer noch junge Band aus North Carolina nicht aufgegeben hat und weiterhin ohne große Firma im Rücken fleißig auftritt und kreativ geblieben ist.

Auch diesmal ist das eigentliche Trio wieder mit einem zweiten Gitarristen verstärkt, praktischerweise erledigt diesen Job Produzent Tommy Brothers, der auch schon für den Sound auf "Ghosts" verantwortlich war. Sowohl Klang als auch Gitarrenarbeit sind vorzüglich gelungen, bleibt also nur noch die Frage nach den Songs. Und da muss man sagen, dass MEDUSA STONE drei Stufen auf einmal genommen haben. So begeisternd die 16 Nummern aus den Jahren 2004 und 2006 waren, so viel mehr Klasse bietet "Shaking Hands", obwohl keine Handbreit vom bisherigen Weg abgewichen wird. Es ist einfach nur die Erfahrung aus dem bisherigen Output und den vielen Club-Gigs zu hören, ohne dass routinierte Langeweile auftaucht. Die BLACK CROWES waren schneller ausgebrannt, also scheint North Carolina das gesündere Klima für langhaarige Musiker zu haben.
Dass bei MEDUSA STONE und vor allem Songwriter Justin Fox (Gesang & Gitarrist par excellence) die Ideen im Überfluss sprudeln, schlägt sich nicht nur im dezenten Einsatz eines Cellos im akustischen Schlusssong Wait For Me/Excessum nieder, sondern auch in den beiden Verbeugungen vor den Idolen ROLLING STONES und - Überraschung! - QUEEN. Anstatt einen drögen Coversong zu leiern, geht Rock'n'Roll Queen eher in Richtung BAD COMPANY, was möglicherweise dem Leasingsänger Paul Rodgers aufgrund der Intensität der Nummer nicht gefallen könnte, und Same Old Road persifliert nachgerade die hüftsteifen alten Männer um Jagger mit einem funky Boogie-Groove und den aufgezwirbelten Richards/Wood-Gitarren - allerdings in einer deutlich anderen Liga als die beiden Fossile heute spielen. So geht's, wenn man nicht aufhören will, irgendwann wird man rechts von seinen Enkeln überholt, und die halten einem mit ihrer Ehrerbietung einen entlarvenden Spiegel vor die Nase.
In This Place Again erinnert natürlich anfangs an die BEATLES, wird dann zunehmend psychedelisch und mündet im H-Jam, den man in seiner Radikalität außer Jimi Hendrix heutzutage vielleicht noch GOV'T MULE zutrauen würde.
Der überwiegende Rest der CD ist deutlich "unkomplizierter" und rockt wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Man mag die Einflüsse im Dutzend erkennen, zur Retroband verkommen M.S. nie, im Gegenteil, der frische Sound auf "Shaking Hands" vereint legendäre Musik aus längst vergangenen Zeiten mit dem Enthusiasmus von heute und den leider vergeblichen Versuchen einiger unnachgiebiger Rocker in den Neunzigern. Stichwort: BROTHER CANE. Deren Gitarrist Damon Johnson war 2004 Produzent des Debuts und ist offensichtlich auch heute noch eine Art "Musical Director" für MEDUSA STONE.
Band, Produzent Brothers und Johnson liefern einen Klopfer nach dem anderen, sei es ein klassischer Hardrocker mit Slidegitarre wie Pills And Pot (Sammy Hagar!), ein gesanglich von Bon Scott inspirierter Riese wie Loaded Gun, das tief im Sumpf slidende Mr. Grim Reaper oder das riffende Live Alone mit seinem Stadionsound und einer nicht namentlich erwähnten Synthiegitarre, die Lust auf alte Werke von Edgar Winter macht.

MEDUSA STONE bieten auf dieser CD großen Rock & Roll, wie man ihn sich als noch aufnahmefähiger "Veteran" ersehnt: Nigelnagelneu, authentisch und trotzdem mit dem maximalen Wiedererkennungswert. Perfekt.
Erwähnt sei noch der überwältigende Schlagzeugsound von Jeremy Summers. Neben dem akzentuierten Drumming besticht die druckvolle und dennoch nie die Band übertönende Aufnahmequalität. Das ist heutzutage so selten, dass man unbedingt davon begeistert sein darf.
"Shaking Hands" hat rundherum das Zeug zum Klassiker, es fehlen nur noch die Käufer. Also los!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 09.08.2008

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

Startseite > CD-Reviews > Medusa Stone > Shaking Hands

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum