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| Kettenreaktion, Def-Riff International, 2007 |
| Sandro Pace |
Vocals |
| Thomas 'Toto' Passon |
Guitar, Vocals, Keyboards |
| Gereon Böhner |
Bass |
| Sascha Figge |
Drums |
| Gast: |
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| Marc Heidermann |
Keyboards (Weltreise) |
| Produziert von: Thomas Passon |
Länge: 33 Min 21 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Kettenreaktion | 6. Interaktion |
| 2. Mentiras | 7. Individuell |
| 3. Weltreise | 8. Locomotive |
| 4. Versteckspiel | 9. König |
| 5. Flucht | |
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Uih, Wuppertaler Intellektuelle im Anmarsch. Fängt schon beim Bandnamen an, der mitnichten der Nachname des Sängers/Gitarristen whatever ist, nein, es ist eine Ableitung aus dem Lateinischen. Wir halten dagegen: Mens sana in corpore sano!
Und jetzt fahren wir allerschwerstes Geschütz auf. Im Info steht wortwörtlich: "So waren MENTE die erste deutsche Rockband, die nach der Wende für ausverkaufte Shows in Havanna auf Kuba sorgte." Hallo, was haben wir denn da versäumt? Fidel, du wirst doch nicht vor der Zeit aufgegeben haben? Du sagtest doch höchstpersönlich, "Revolutionäre gehen nie in Pension." Und dann das. Viva la revolution!
Latein unentschieden, Zeitgeschichte klarer Erfolg für den kritikós (welcher selbstredend altgriechisch parliert wie die antiken Hellenen).
Halbzeitstand: 2 zu 1 für die Heimmannschaft "Homer de la Rock".
Mit üblen Tricks bringt sich die Band MENTE dann aber doch in eine klare Vorteilsposition. Singt dieser Sandro Pace doch tatsächlich nicht nur deutsche Texte, pah, Spanisch, Baguette, Englisch und irgendwas von Cappuccino und was weiß ich noch alles muss unbedingt zwischendrin auch noch sein. Ist das nun pure Angeberei oder steckt tatsächlich ein - Achtung, Hasswort! - multikultureller Anspruch dahinter? Auf jeden Fall versteht der Schreiberling nix, gar nix, aber irgendwie klingt das trotzdem reizvoll und schlüssig. Vielleicht auch nur deshalb, weil der Sprachunkundige einige wenige Momente der Entspannung zwischen all den eminent gehaltvollen Texten findet. Man weiß es nicht, denn der Hörgenuss der 33 Minuten kann (oder muss vielleicht sogar?) aufgeteilt werden. Entweder man lauscht der Musik und lässt sich langsam aber ziemlich sicher fangen, auch und vor allem von der packenden Stimme Paces, oder man ist Wortfetischist und interpretiert und deutet vor sich hin. Beides gleichzeitig ist für dumpfbackige Rocker der Gattung "singularis porcus" kaum möglich (ein gälisch-lateinischer Ausdruck; diese Tiere sind anzutreffen bei Konzerten von beispielsweise STATUS QUO).
Was ist besser? Tja, nun, wer Musik und kein Hörbuch erwerben will, wird wohl zuerst dem Klang lauschen. Nur Frauen, bekanntlich multitaskingfähig, werden sofort kombinieren und bei Mentiras grölend einfallen: "Jaja, jaja, ja, ich weiß du bist der Größte, blablabla.".
So geht das doch nicht, meine Herren. Allerdings drückt der Soundtrack zum frauenversteherischen Wort mächtig ins Gesicht. Sprechen wir also über die Musik.
Wenn man eine CD über Wochen immer wieder hört, bilden sich Meinungen und Eindrücke, verfliegen oder widerlegen sich, manche bleiben aber von Anfang an im Kopf. Bei MENTE sind es zwei Ideen, die geblieben sind: SPLIFF und KRAFTWERK. Und jetzt aufgemerkt, Leser!
Musikalisch hat "Kettenreaktion" mit diesen beiden Pionierbands wenig bis nichts zu tun. Also keine Neue Deutsche Welle und kein Elektropop. Obwohl, eigentlich vielleicht doch? Zwar ist das hier deutlich härter und unvergleichbar moderner als die Welle, hat jedoch nichts mit der deutschen Härte gleichen Vornamens zu tun und tackert lange nicht so technoid vor sich hin wie seinerzeit der "Trans Europa Express". Aber, da sind diese einzigartigen Töne, Loops, Soundexperimente, Hooks und abseitigen Einfälle, die immer wieder an die vielleicht wichtigsten - auf jeden Fall kommerziell erfolgreichsten - Innovatoren deutscher Musik der letzten 30 Jahre gemahnen. Verblüffend, denn, wie gesagt, das Ergebnis hat letztendlich mit diesen Bands nicht besonders viel gemein.
Hat man es am Schluss tatsächlich mit einer expressionistischen Novität zu tun? Machen MENTE etwas völlig Neues? Nein, tun sie nicht. Nur die Mischung aus heftigem Rock, elektronischen Spielerchen (in ein paar Fällen auch übertrieben; siehe Titelsong), Pop-kompatiblen Harmonien, einem sehr guten Sänger und eben diesen schlussendlich gar nicht so überkandidelten Texten machen aus dem gehirnschwangeren Gebräu eine verdammt heiße CD. Und zwar richtig und durchschlagend.
Schwer zu sagen, ob die Zielgruppe bei den Fans von RAMMSTEIN oder den HÉROES DEL SILENCIO zu suchen ist, oder ob sich vielleicht gar niemand außer dem Goethe Institut für diese Typen interessiert, "Kettenreaktion" ist für den lernwilligen Crétin zweifelsohne ein rockmusikalisches Highlight. Mögen die vier Kerle noch so hirnverbrämt sein. alea jacta est.
Endergebnis: 2 zu Viel für MENTE.
P.S.: Bei MySpace steht "Songs für die Generation Konsum" als Stilbeschreibung. Das ist so pervers wie global, denn wer möchte den negativ belegten Begriff "Konsum" schon auf sich personifizieren. Andererseits sind wir natürlich alle Konsumenten. Und das seit etlichen Generationen. Nicht schlecht, nicht blöd, clever und ziemlich erfolgsorientiert, für Wuppertaler.
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