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| Live At Montreux 1982, Eagle Vision, 2008 |
| Willy DeVille |
Vocals, Rhythm Slide Guitar |
| Louis Cortelezzi |
Sax |
| Kenny Margolis |
Keyboards, Vibes, Accordion |
| Paul James |
Lead & Rhythm Guitar, Vocals |
| Joey Vasta |
Bass |
| Tommy Price |
Drums |
| Produziert von: Claude Nobbs |
Länge: ca. 68 Min |
Medium: DVD |
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| 1. Harlem Nocturne (Instrumental) | 9. Maybe Tomorrow |
| 2. Slow Drain | 10. This Must Be The Night |
| 3. Savoir Faire | 11. Teardrops Must Fall |
| 4. Cadillac Walk | 12. Love Me Like You Did Before |
| 5. She's So Tough | 13. Spanish Stroll |
| 6. Mixed up, Shook Up Girl | 14. Lipstick Traces |
| 7. Just Your Friends | 15. Oyeah |
| 8. Love And Emotion | 16. Stand By Me |
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Als die Band MINK DeVILLE im Herbst 1981 in einer der bis dahin schwächsten Rockpalast-Nächte auftrat, war mit "Coup De Grace" soeben die vierte LP erschienen und erstmals hatte man das Gefühl, dass es sich um eine echte Band, nicht um einen Hype des amerikanischen "Rolling Stone" handelt. Die zwei oder drei relevanten deutschen Magazine waren Jahre vorher anlässlich der Platten "Cabretta", "Return To Magenta" und "Le Chat Bleu" bereitwillig auf den Zug aufgesprungen - und fielen beim Arena-Rock-Publikum mit ihren Anpreisungen auf den Bauch. Peter Rüchel vom Rockpalast erntete für seine Verpflichtung ebenfalls viel Kopfschütteln, schließlich wurde die Kapelle gleichermaßen falsch wie oft in die Punk- und Wave-Ecke gestellt, konnte aber mit den bisherigen LPs bestenfalls mittelalte Trendscouts und -hopper befriedigen. Diese Musikervögel aus New York waren einfach viel zu jung für diesen viel zu alten Sound, der trotz der Nähe zu Springsteen, Cajun, Rhythm & Blues und Sumpf durch seine gepflegte Dilettanz und die standhafte Weigerung zum bedingungslosen Rocken und Rollen für vom Hardrock gestählte Kerle quasi ungenießbar war.
Der Rockpalast machte nichts besser, im Gegenteil. Ein öliger und spindeldürrer Typ nölte sich dauerqualmend durch einen soundtechnisch flachen und inhaltlich zweifelhaften Gig, der weder das vorhergehende Gelärme der UNDERTONES um Feargal Sharkey vergessen ließ, noch die Wartezeit auf Roger Chapman verkürzen konnte.
Ein gutes Vierteljahrhundert später sieht die Sache anders aus. Willy DeVille ist der König der Coolness, stylisch wie kaum ein anderer, seine frühen Platten sind für viele der damaligen Ignoranten zu Meisterwerken mutiert, die Tourneen finden gerne in edlen Kulturtempeln zu noch edleren Kultur-Preisen statt und Mister William Borsey ist längst DER Inbegriff von New Orleans, bzw. dem was davon übrig geblieben ist, wo er seit inzwischen beinahe 20 Jahren lebt. Für Fans und Musikjournalisten ist er eine Ikone, wobei kaum jemals vergessen wird zu erwähnen, durch welche unappetitlichen Suchthöllen er gegangen ist.
Ein Überlebender, ein Rock-Survivor, von denen es nicht mehr so viele gibt, speziell wenn es um die Frage der Kreativität geht. Willy hat mit "Pistola" erst vor wenigen Monaten nachgelegt und bewiesen, dass manche Künstler auch nach massiven Exzessen noch ernst zu nehmen sind.
Doch nun zurück zu MINK DeVILLE.
Acht Monate nach dem Auftritt im Rockpalast spielten MINK DeVILLE in Montreux beim dortigen Jazz Festival. Mit dem Kanadier Paul James war inzwischen ein neuer Gitarrist dabei, ansonsten war die Band unverändert, jedoch das audiovisuelle Ergebnis ist aus heutiger (und wohl auch damaliger) Sicht ein anderes. In den nur knapp 70 Minuten des Auftritts findet man trotz sehr ähnlicher Setlist deutlich mehr Soul und Groove als im Rockpalast, und die Soundqualität auf der jetzt veröffentlichten Montreux-DVD ist sowieso ungleich besser als der Hallensound aus Essen.
Beim bedächtigen Auftakt Harlem Nocturne/Slow Drain setzen Louis Cortelezzi und Kenny Margolis (heute u. a. für Elliott Murphy tätig) an Sax und Keyboards die Akzente. Der Chef selbst kommt erst langsam in Schwung, nörgelt auch direkt am Sound herum und beginnt nach zehn Minuten Furcht erregend zu schwitzen. Aber da ist man selbst bereits so erhitzt, dass etwaige Gedanken an böse Substanzen sicherlich purer Humbug wären. Das trocken rockende Savoir Faire vom Album "Le Chat Bleu" mitsamt einem Wundersolo von James, der bis heute als Bluesrocker durch Kanada tingelt und leider auf keiner Platte von MINK DeVILLE zu finden ist, startet den Flächenbrand, der mit dem Cadillac Walk zur Feuersbrunst wird. Nachträglich betrachtet gab es 1982 wohl keine zweite (junge) Band, die so knietief im Swamp-Blues stand.
Die Band ist ohnehin bemerkenswert, denn sie stand immer im Schatten des Meisters, der musikalisch das schwächste Glied war. MINK DeVILLE brillierten und rockten, Willy DeVille charismatisierte. Seine Persönlichkeit und die Fähigkeit große Songs zu schreiben haben ihn zur Legende gemacht, seine schon immer uralte Stimme war nur das perfekte Vehikel.
Die Kreise schließen sich immer wieder. DeVille wurde in seinen frühen Tagen maßgeblich von seinem Produzenten Jack Nitzsche gefördert. Der wiederum hat nicht nur mit den STONES, dem jungen Neil Young und hunderten anderen Musikern gearbeitet, sondern auch mit Phil Spector. Und den haben wir dieser Tage in Verbindung mit der CD "Rockferry" der betörenden Sängerin Duffy genannt. Nitzsche hat auch Songs für Petula Clark geschrieben, die mit Frau Duffy deutliche Berührungspunkte hat. Ebenfalls von Jack Nitzsche: Gone Dead Train und Needles & Pins, die von unzähligen Bands zu Hits gemacht und gecovert wurden.
Unser Freund Willy verwendete Songs von Spector (Little Girl auf "Cabretta") und Nitzsche (Just Your Friends auf "Return To Magenta" und auch auf dieser DVD zu finden), machte sie überzeugend zu seinen eigenen und lieferte im Sommer 1982 ein muskelbepacktes Konzert mit MINK DeVILLE beim Jazz Festival in Montreux ab.
Auch wenn das mit den Muskeln bei Willy keiner glaubt, MINK DeVILLE haben richtig gefetzt. Es gibt keine vergleichbar kraftvolle Dokumentation dieser Band. Man höre beispielhaft den Rausschmeißer Stand By Me. Ben E. King kennt die Version hoffentlich - und dürfte darüber glücklich sein. Wir sind es einstweilen mit diesem formidablen Konzert.
Keine Extras, kein Interview, keine Bildergalerie, kein Schnickschnack. Warum ist man als Musikfan darüber gar nicht traurig?
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