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Natalie Chandra

SinEater

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SinEater
SinEater, Eigenvertrieb, 2008
Natalie Chandra Wiedmer Vocals
Matteo Canonaco Guitar, E-Bow Guitars (Mother)
Drago Dujak Bass, Programming (Mother & Save Me)
Lorenzo Barenco Guitar
Lorenzo Milan Drums
Gäste:
Andrea Ruggeri Keyboards Programming (Save Me)
Produziert von: Drago Dujak Länge: 38 Min 14 Sek Medium: CD
1. Masochistic You6. Save Me
2. Involuntary Apathy7. Stupid Boy
3. Daisies8. Mother
4. Awkward9. Bitch In Fur
5. Jaded10. Violent Thoughts

Ausnahmsweise, wirklich nur ausnahmsweise, beginnt diese Besprechung mit einigen Worten zum Cover, schließlich verschweigen wir sonst gerne ganz andere Scheußlichkeiten (vgl. mit FIVE FIFTEEN).
Natalie Chandra aus der Schweiz hat ihr erstes Album "SinEater" benannt und vom Coverbild schmachtet eine schwarzhaarige Schönheit nach links oben über die nackte Schulter ins Auge des Betrachters. Eine Seite weiter stellt man fest, dass es sich bei dem Dessousmodel um Frau Chandra höchstselbst handelt. Ohne jeden Zweifel ein erfreulicher Anblick, die junge Künstlerin, aber dann dreht sich das Messer im Kopf und man stellt sich die Frage: Warum macht diese Frau das?
Man muss weder Frauenversteher noch -rechtler sein, man muss auch nicht Bruce Darnell sein und lebendige Handtaschen fordern, um den Unfug dieses Covers zu erkennen. Diese Frau will man rocken sehen und nicht strippen! Herr im Himmel, was mussten wir uns schon für dämliche Bilder von wenigstens halbnackten Frauen auf Schallplatten und CDs gefallen lassen, man denke nur an die gruseligen Achtziger und die hüllenlosen Plattenhüllen. Allerdings wusste man da oftmals nicht, ob Sänger oder Covergirl weiblicher ist…
Im Jahr 2008 erscheint diese Art von Verkaufsförderung endgültig anachronistisch, wer immer Natalie Chandra beraten hat, hat den Schuss nicht gehört. Und schon gar nicht hat er oder sie die Musik der Lady gehört, denn wenn es eine Zielgruppe für "SinEater" gibt, besteht sie nicht aus spießigen Erotikbilderguckern.

Natalie Chandra macht mit ihrer Band eine Art Alternative-Poprock, der möglicherweise an Hörer von KORN und Konsorten geht. Aufgrund der weiblichen Stimme könnten auch Fans von Anouk Gefallen finden. Eingängig ist "SinEater" allemal, auch wenn sich bei ein paar Songs leichte Müdigkeit einstellt. Leider fehlt der EINE Überflieger, der eine solche CD aus dem Veröffentlichungsdschungel herausheben könnte. Es ist eine Menge Melodie zu hören, auch viele nachdenkliche Töne, dann wieder Rotzigkeiten wie "Yo, you stupid ho'", bei denen man nicht genau weiß, ob sie nun Kalkül oder grundsätzlicher Einstellung entsprungen sind. Und wenn man schon einen Song Stupid Boy nennt, sollte man dem Dummbatz auch richtig Zunder geben, anstatt in einem radiokompatiblen Chorus zu versinken.

Gefällig ist das alles, aber es fehlen die Kanten, die "SinEater" die für ein Rockpublikum nötige Sünde verleihen - essen könnte man dann die Ferkelei zusammen. Irgendwie kommt man nicht um den Eindruck herum, dass Natalie Chandra bei ihrem Debut zu sehr produziert und zu wenig von der Leine gelassen wurde. Für die Pop-Ecke ist sie nämlich eindeutig zu schade und für die Rocker trotz ihrer tollen Stimme momentan noch zu nett. Siehe Cover.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.03.2008

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