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| 20 Years Later, Brennus Music, 2008 |
| Thierry Aeschbach |
Vocals, Guitars |
| Emmanuel Aeschbach |
Guitars, Backing Vocals |
| André Dufour |
Bass |
| Benjamin Proy |
Drums |
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Länge: ca. 150 Min |
Medium: DVD |
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| 1. Tais-toi | 9. Rentrer à la maison |
| 2. Coude sur le bar | 10. Trop tard |
| 3. Street fightin' man | 11. Limousine |
| 4. Bacchus te protège | 12. We're gone |
| 5. Have A Good Time | 13. Bad boy |
| 6. Faudrait que je t'appelle | 14. Pas facile |
| 7. Chaman | 15. Railroad man |
| 8. Canicule boogie | 16. Paradis avec toi |
| Extras: | |
| Quiz | Making-of |
| On the road | Interview Fans |
| Studio | Street fightin' man (Video) |
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Es gibt noch etwa 5.000 Natchez - und vier in Frankreich. Dem Indianervolk vom Mississippi spielten die Franzosen vor Jahrhunderten übel mit, die vier Herrschaften aus der Champagne sind auf Wiedergutmachung gepolt und rocken den Kriegspfad lieber mit Gitarren. Und sie machen in der Tat so ziemlich alles wieder gut, sogar den historischen Denkfehler von uns Deutschen, dass nämlich Southern Rock unmöglich von außerhalb des Kernlandes kommen kann. Es ist ja nun wirklich ein Trauerspiel mit den Hardcore-Südstaatenmännern aus dem vereinigten Allemagne, schließlich hat man die Band NATCHEZ seit Jahren angepriesen wie Sauerbier, aber die Reaktionen gingen kaum über ein verächtliches "die singen ja französisch" hinaus. Als kürzlich endlich ein Konzert in Deutschland stattfand, hörte man anschließend ausschließlich Jubel und den Ruf nach sofortiger Einbürgerung der Männer mit den angemessen langen Haaren ins Southern-Rock'n'Roll-Land (von eigenen Gnaden). Gut so, dann muss man den Fans die DVD "20 Years Later" nicht wieder gewaltsam auf den Bauch binden, wie es bei den vielen bisherigen Veröffentlichungen leider nötig war.
20 Jahre machen die Brüder Thierry und Emmanuel Aeschbach nun schon ihre Musik, unbeirrt und furchtlos, weit weg von anständigen CD-Verkäufen und verdammt gut. So gut, dass die meisten Saloon-Rocker aus den U.S.A. einpacken können, ja, sogar so gut, dass NATCHEZ eine europäische Sturm-Viererkette mit LIZARD, W.I.N.D. und beispielsweise VOODOO LAKE (bzw. was davon übrig ist) bilden könnten. Das will man schließlich sehen: Highspeed-Sport mit rasanten Flankenläufen und Zaubertricks, dass es dem gegnerischen Traditions(tor)wächter die Saiten verbiegt. Viele Gegner fänden sich für so eine Länderauswahl weltweit nicht - vielleicht denkt mal ein Veranstalter über ein solches Heart & Soul Rock & Roll Paket nach.
"20 Years Later" ist die Aufzeichnung des Jubiläumskonzerts vom Oktober 2007, verzichtet auf unnötigen Schnickschnack wie Surround-Sound, bietet dafür hervorragenden Stereoklang und eine beeindruckende Bildqualität. Da wurde mit vielen Kameras gearbeitet, präzise gefilmt und die glänzende Stimmung der Veranstaltung prima eingefangen. Und wie bekommt man als hoffnungslos anachronistische Band glänzende Stimmung ins Publikum? Erstens hat man gut auszuschauen. Haare, Klamotten, Gitarren und Backline haben eine Einheit zu bilden. Zweitens muss man nur noch saftigen Rock mit zwei Gitarren im Formationsflug abfeuern, dann wird jede Menschenmenge vor der Bühne wach. Kriegen die Darsteller schließlich noch eine klassische Rock'n'Roll-Choreographie zustande und verbreiten gute Laune, steht der Party nichts mehr im Weg. Apropos gute Laune. Eine so freundliche Band wie NATCHEZ sieht man selten, da wird gegrinst, gepost, gescherzt, dass sich so manche abgehalfterte Muffel-Legende mitsamt ihren abgelutschten Publikumsanmachen ("we love you and the next song is for our troops") in den Keller zurückziehen kann. Freunde, Southern Rock geht auch ohne dumpfnationale Klischees und once-a-rebel-always-a-rebel Attitüde.
Man muss für "20 Years Later" wahrlich nicht die französische Sprache beherrschen, die Botschaft kommt auch so in aller Deutlichkeit an: Have a good time (gibt es sogar als Song), nehmt euch ein paar Bier und lasst den Alltag draußen, für die nächsten zwei Stunden zählt nur kollektiver Spaß.
NATCHEZ machen Classic Rock mit Bezug zu Blues und dem Esprit des Southern Rock. Thierry Aeschbach hat die passende Stimme, sein Bruder spielt die entsprechende Leadgitarre und die beiden Rhythmiker sorgen für viel Dampf. So kommen feine Riff-Rocker, Stampfer, sonnige Double-Lead Flitzer und eine schöne Ballade zustande, die natürlich ihre Einflüsse nicht verbergen, aber bis auf Railroad Man von BLACKFOOT allesamt auf eigenem Mist gewachsen sind. Auch das macht eine gute Band aus, nämlich die Eigenständigkeit zu bewahren, auch wenn man ein lebenslanger Fan seiner Vorbilder ist. Fans sind NATCHEZ ohne Zweifel, tragen sie doch auch gleich noch die T-Shirts ihrer Freunde Marc Ford, W.I.N.D. oder POINT BLANK. Andere haben nur Bilder ihrer toten Brüder auf dem Rücken…
Zwischen den Songs sind immer mal wieder kleine Interviewparts eingefügt, was vielleicht nicht die ganz gute Idee ist, vor allem weil es keine Übersetzung dazu gibt, aber aufgrund der Kürze auch nicht wirklich stört. Außerdem sind die Songs zu gut, als dass sie sich von ein paar gesprochenen Sätzen aus dem Rhythmus bringen ließen. Davon abgesehen zeigen die Einspielungen auch die Geisteshaltung der Sympathen: Lieber in der Sonne sitzen als blind durchs Leben hetzen. Sehr angenehm, Messieurs.
Man mag eigentlich keinen Song herausheben, zu stimmig läuft das gesamte Konzert ab, aber Melodie-Großtaten wie Have a good time, subtile Boogies wie Coude sur le bar, das treibende Slide-Teil Canicule boogie (Canicule bedeutet etwa Schweinehitze) oder das wunderbare Paradis avec toi laden zum Luftgitarreschwenken ein und machen größte Lust auf eine Konzertreise dieser Band.
Bands wie NATCHEZ halten den Southern Rock am Leben, weil sie entgegen vielen noch halbwegs aktiven Erfindern frisch sind, niemals peinlich und ein Publikum jeden Alters mitreißen. Mit dieser DVD sind sie ganz vorne dabei im derzeitigen Südstaatenklub.
P.S.: Es gibt einen kleinen Fehler im technischen Menü. Nicht alle Songs lassen sich einzeln anwählen, allerdings wird man den Gig sowieso immer komplett hören wollen. Nicht weiter schlimm also.
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