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| Bluestar, Renaissance Records/It'sAboutMusic.com, 2009 (1980) |
| Nick Gravenites |
Lead & Rhythm Guitar, Vocals |
| Pete Sears |
Bass, Piano, Organ |
| Joey Covington |
Drums |
| Huey Lewis |
Harmonica |
| Greg Douglas |
Slide Guitar |
| Willy Toast |
Rhythm & Slide Guitar |
| John Cipollina |
Rhythm Guitar |
| Roger Troy |
Bass, Vocals |
| Marla Hunt & Diane Hursh |
Vocals |
| Produziert von: Nick Gravenites |
Länge: 58 Min 57 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Junkyard In Malibu | 9. The Sister Song |
| 2. Bye Bye | 10. My Party |
| 3. I'm A Bluesman | 11. Southside |
| 4. Dekalb Blues | Bonus Tracks: |
| 5. Blues Back Off | 12. Nobody's Fault But Mine |
| 6. Who's Out There | 13. Rattlecan Man |
| 7. Down In The Bottom | 14. Hollywood Woman |
| 8. I'm A Dancing Fool | |
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Vor einem halben Jahr konnten wir über die erfreuliche Veröffentlichung eines Rockpalast-Konzerts der John Cipollina / Nick Gravenites Band berichten, jetzt gibt es vom Historiker-Label Renaissance Records die 30 Jahre alte Gravenites-LP "Bluestar". Die LP erschien ursprünglich 1980 beim dahingeschiedenen Hamburger Label Line Records (weißes Vinyl!), wurde zwischenzeitlich wohl auch schon auf CD gehandelt (illegal, halblegal oder von Line Records, ich weiß es nicht) und kommt jetzt erstmals mit drei, davon zwei live aufgenommenen Bonus Tracks.
Die wesentlichen musikalischen Stationen von Nick Gravenites, immerhin Gründungsmitglied von ELECTRIC FLAG, sind in besagtem Rockpalast-Review nachzulesen, der Sohn griechischer Amerika-Einwanderer war ab der Mitte der 1960er ein wichtiger Mann in der vom Psychedelic Rock aufgemischten Blues-Szene San Franciscos, schrieb Songs für Janis Joplin und zig andere, zum großen Star wurde er trotzdem nie. Das mag an seiner zurückhaltenden Art gelegen haben, vielleicht auch an seinem nicht sehr Rockstar-mäßigen Auftreten und Aussehen, möglicherweise an seinem Festhalten am Blues, als den nun wirklich kein Mensch mehr hören wollte, keinesfalls aber an mangelnden Fähigkeiten als Songwriter. Und sicherlich auch nicht an fehlender Unterstützung von großartigen Musikern auf seinen - insgesamt über die Jahre - wenigen Soloalben. Auf "Bluestar" sind neben Gravenites' Langzeitbegleiter John Cipollina Cracks wie Huey Lewis, Greg Douglas (u. a. STEVE MILLER BAND, TERRY & THE PIRATES, Eddie Money, Greg Kihn, KINGFISH, Gene Clark), Pete Sears (Rod Stewart, JEFFERSON STARSHIP, TERRY & THE PIRATES, HOT TUNA u. v. a. m.) oder Roger Troy (ELECTRIC FLAG, Michael Bloomfield) zu hören. Dieses Aufgebot liegt nicht nur an der stark vernetzten Szene San Franciscos (inzestuös behalten wir uns für die Country-Mafia Nashvilles vor), für Gravenites spielten alle immer gerne, auch wenn es wohl nie Reichtümer zu verdienen gab. Speziell in den späten 70ern und beginnenden Achtzigern war Gravenites' Form des Bluesrock in den Staaten obsolet, folgerichtig zog es ihn oft nach Europa, wo er nicht nur Publikum fand, sondern auch eine Plattenfirma, die sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten kümmerte. Uwe Tessnow, der Mann hinter Line Records, brachte uns seinerzeit eine große Zahl beinahe vergessener Bands nahe und nutzte unter anderem seine offensichtlich guten Kontakte zum Rockpalast-Macher Peter Rüchel. Eine ganze Reihe Line-Acts erlebte durch den Rockpalast erstmals oder wieder Aufmerksamkeit, die bekanntesten sind natürlich SPIRIT, Mitch Ryder, Eric Burdon und Roger Chapman, aber Line hatte auch Spezialitäten wie die SIEGEL-SCHWALL BAND, B. SHARP, BAD NEWS REUNION und Massen von Lizenz-Wiederveröffentlichungen im Programm. Tessnow ist es sicherlich zu verdanken, dass viele dieser alten Namen bis heute noch eine gewisse Publikumswirksamkeit haben. Nick Gravenites gehört dazu.
"Bluestar" war und ist eine Blues-Scheibe, die weniger auf Tradition denn auf Groove setzt. Zufällig gibt es ganz aktuell von der DAVE MORETTI BLUES REVUE aus Italien eine sehr ähnliche CD, denn sowohl Nick Gravenites als auch Dave Moretti nutzen den Blues als Transportmittel für ihre Texte, Gefühle und die Ideen an Gitarre und Mundharmonika, und nicht um den alten Herrn zum zweihundertfünfzigtausendsten Mal im Mississippi zu ertränken oder in der Southside von Chicago bei Rot über die Ampel zu schicken. Das artikuliert sich bei Gravenites zum Beispiel im überwältigenden Opener Junkyard In Malibu. Ein genialer Refrain, aufs Allerwesentlichste beschränkte Gitarren inklusive Riffing für Keith-Richards-Fans (obwohl das hier authentischer ist als 'Keef' jemals war) und sogar ein satter Hänger an der Rhythmusgitarre irgendwo zwischendrin, dafür aber auch eine wunderschöne Sologitarre.
Junkyard In Malibu war für mich damals der Grund die LP zu kaufen. So lässigen California-Blues hat man selten gehört. Verblüffend und irgendwie auch nett inmitten all dem heutigen Neuerungswahn ist, dass auf der CD exakt die gleichen minimalen Lautstärkeschwankungen auf dem linken Kanal wie auf der alten LP zu vernehmen sind. Wenn der Remaster-Meister Dean Sciarra (Chef von It'sAboutMusic.com und auch schon ein gestandener Sechziger) die Originalbänder zur Verfügung hatte, haben die bei seiner Bearbeitung jedenfalls keinen Schaden genommen ;-)
"Bluestar" war keine Hochglanzproduktion, hier wurden Fehler nicht behoben, hier wurde nach Gefühl gespielt und wohl meist der berühmte "First Take" verwendet, weil eben das Feeling stimmte, und das Budget womöglich nicht mehr Studiozeit hergab. Aber das spielt alles keine Rolle, wenn man Huey Lewis beseelt wie selten die Harmonika spielen hört.
Die erste Seite der LP groovt sich nach dem 'Hit' Junkyard In Malibu zwar wenig spektakulär, dafür umso entspannender für den Hörer durch Gravenites' Songs. Huddie Ledbetters (aka Leadbelly) nicht zu oft gehörter Klassiker Dekalb Blues ragt nicht heraus, was angesichts der Größe dieser Nummer ein gewaltiges Kompliment für den Songwriter Nick Gravenites darstellt. Das Zeug hier ist so lässig und bar jeder Egomanie eingespielt, dass man einfach nicht umhin kann es zu mögen.
Auch die zweite Seite eröffnet mit einem Knaller. Who's Out There?, eine Nummer vom 1970 leider schon mit 40 Jahren an Krebs verstorbenen Pianisten Otis Spann (bis 1969 auf vielen LPs von Muddy Waters dabei), drückt sich gnadenlos ins Ohr. Der beinahe manisch getriebene Rhythm & Blues schiebt und schiebt und schiebt. Wenn Gravenites "Tell me who's out there" singt und die gesamte Band inklusive Huey Lewis rockt wie von dem da draußen verfolgt, hat man das Maximum im Bluesrock erreicht. Genau so verliefen viele Konzerte der verschiedenen Bands um Nick Gravenites, genau so wurde "stinknormaler" Blues für mich nach Jahren des Hardrockerdaseins wieder interessant (der andere Grund war die Zusammenarbeit von Muddy Waters mit Johnny Winter).
Die dezidiert gesetzten Orgeltupfer, Greg Douglas' Slidegitarre und das exzellente Gitarrensolo in der Mitte von Down In The Bottom geben dem alten Schlager von Willie Dixon einen bis heute nicht mehr gehörten Charme. I'm A Dancing Fool swingt bezaubernd und rockt gleichzeitig, der Südstaatenblues The Sister Song berührt mit seinem Gospeltouch und einer Gitarre wie von Dickey Betts persönlich gespielt und My Party sowie Southside shuffelen nicht unähnlich zu CANNED HEAT in diesen bluesfeindlichen Jahren dahin. Man kann das reguläre Ende von "Bluestar" gut mit den beiden letzten wirklich nennenswerten HEAT-LPs "Human Condition" (1977) und "Kings Of The Boogie" (1981) vergleichen. Knackig frischer Bluesrock ohne Firlefanz eben.
Beinahe 20 Minuten Zugabe gibt es mit den drei Songs Nobody's Fault But Mine von Blind Willie Johnson und natürlich nicht von LED ZEPPELIN, wohl ein Studio-Outtake, und den beiden live eingespielten Gravenites-Bluesnummern Rattlecan Man und Hollywood Woman, die m. W. nirgends anders zu hören sind. Anständige Soundqualität, anständige Nummern, allerdings nicht lebenswichtig. Bezeichnend ist, dass der Gig offenbar vor ca. 35 Leuten stattgefunden hat. Über die Live-Band und das Aufnahmedatum schweigt sich das dürftige Booklet aus, was übrigens bei fast allen Renaissance/It's About Music Releases ein Kritikpunkt ist. Wer solche Musik kauft, liest auch gerne ein bisschen über sein neu erworbenes Schätzchen und guckt historische Bilder. It'sAboutMusic.com setzt zwar stark auf die - kostengünstige - Download-Schiene, aber es ist möglicherweise anzunehmen, dass der mittelalte europäische Bluesrockfan lieber Hardware in den Händen hält. Und dem könnte man gerne ein paar Seiten Information spendieren. Außerdem ist gut vorstellbar, dass einer wie Nick Gravenites eine Menge zu erzählen hätte, warum also nicht den Künstlern ein wenig Raum für die Darstellung ihrer Sicht einräumen. Unbezahlbar sind acht statt vier Seiten Booklet nicht und uns Sammler würde es freuen.
Abschließend ist zu sagen, dass "Bluestar" neben dem traumhaften, weil Cipollina mehr Platz einräumenden "Monkey Medicine" von 1982 das wichtigste Album von Nick Gravenites ist. Der alte Herr ist inzwischen nicht mehr besonders aktiv, hatte diverse Operationen an Knie und Hüfte zu überstehen und tritt noch ab und an mit einer All Star Band namens CHICAGO BLUES REUNION auf. Dort treffen sich Leute wie Harvey Mandel (CANNED HEAT, John Mayall etc.), Gary Mallaber (u. a. STEVE MILLER BAND) und Corky Siegel von der oben erwähnten SIEGEL-SCHWALL BAND. Es sei den Veteranen vergönnt, schließlich sind ihre Meisterwerke immer noch oder wieder zu bekommen, da kann man sich als zu spät Geborener einen prima Überblick verschaffen, welch tolle Musik die Opas mal gemacht haben.
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