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Mojo Hand

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Mojo Hand
Mojo Hand, Brennus Music, 2008
François Berry Lead & Backing Vocals, Bass
Janeck Dzugan Guitars
Dennis Sarrazin Drums, Percussions, Backing Vocals
Gäste:
Pascal Chamoulaud Keyboards
Sophie Roux Backing Vocals
Länge: 39 Min 52 Sek Medium: CD
1. Never Gonna Change6. Mystery Tune
2. Mojo Hand7. Let It Flow
3. Catch Your Own Wave8. How Could I Hide?
4. Trash Can Town9. One Night Stand
5. Misty Morning10. Mirage

Der Bandname PILEDRIVER sagt im Grunde alles. Jedenfalls wenn man etwas älter ist und die eben so heißende Platte von STATUS QUO aus dem Jahr 1972 kennt. Aber eben nur im Grunde, denn diese PILEDRIVER sind ein Spezialfall, und damit ist gar nicht gemeint, dass wir es mit Franzosen zu tun haben, obwohl das an sich schon eine erfreuliche Extravaganz ist. Dieses Trio hat sich über die 17 Jahre seiner Existenz von einer QUO- & sonstiger Classic Rock Coverband zu einem korrekt rockenden eigenständigen Unternehmen entwickelt. Schauen gut aus, lassen die Sau raus, beherrschen ihr Handwerk, singen tadelloses Englisch (was letztlich aber egal ist, Hauptsache der Sänger hat ne anständige Stimme), machen Spaß. Was will man mehr?

Die französische (Hard) Rock- und Boogie-Szene ist wahrlich nicht die berühmteste dieser Erde, aber immer wenn eine Band von westlich des Rheins kommt, darf man gute Qualität erwarten. Ob das nun eine der feinen Southern-Bands oder eine Metal-Kapelle wie die seligen TRUST ist, Blödsinn hört man kaum. In Frankreich kommen nur die härtesten (Spinner) durch, die Enthusiasten und Nonkonformisten, denen Kommerz und Massenerfolg egal ist. Ein paar Leute werden ja doch erreicht, die sind dafür umso besser drauf. Das gilt übrigens auch für Italien und seine tollen Bands - und leider für den Rest der Welt in zunehmendem Maße ebenso. In den Sixties wurde jeder der mal an der Kunstakademie oder an einem Schallplattenladen vorbeilief Profimusiker, heute müssen Rocker ihre Auftritte auf die Tage ohne Nachtschicht in der Firma legen. Bedauerlich.
Welche Jobs wohl Janeck, François und Denis haben? Den auf "Mojo Hand" erledigen sie auf jeden Fall bestens.

Sofort beim Opener Never Gonna Change wird klar, dass sich PILEDRIVER keinesfalls auf eine QUO-Kopie beschränken, obgleich durchaus Boogie ins Ohr rauscht. Im Gegenteil, es sind insgesamt sogar auffallend wenige Reminiszenzen an die britischen Viertakter zu finden, selbst ein Beinespreitzer wie How Could I Hide? hat mit der Big Fat Mama nur am Rande zu tun. Dafür gibt's eine Masse freundlicher Melodien zu - zugegeben - klassischen Rockrhythmen. Das ist Hard Rock, bluesy Stoff, der eine und andere Querverweis auf alte Bands wie WHITESNAKE oder UFO (Catch Your Own Wave ist ein cooler Hybrid aus UFO und QUO), kein Diebstahl, dafür flotter Rock & Roll für den Abend im Club - oder zuhause vor den lauten Boxen.
Einmal mehr wird man an das vergessene holländische Trio NEW ADVENTURES mit Carl Carlton erinnert, das in den Achtzigern ähnlich unspektakulär aber treffsicher ein paar Platten veröffentlichte. Auf "Mojo Hand" findet sich keinerlei Effekthascherei, es gibt nur pure Musik, man könnte es auch Pub Rock nennen (siehe auch Dave Edmunds und DR. FEELGOOD), die bei Mystery Tune schon mal auf Herman Brood oder Alex Harvey zeigt. Da lässt Janeck Dzugan seine Gitarre gewaltig abheben. Sehr stark.
Im Kopf-runter-Rocker Trash Can Town erklärt Sänger und Bassist François Berry ein paar Wahrheiten, was wieder einmal beweist, dass sympathische Bands zur denkenden Minderheit der Menschheit gehören. So ist das eben: Lange Haare wachsen nur, wenn im Hirn ausreichend Nährstoffe vorhanden sind.

Auch wenn in der Ballade Let It Flow ausschließlich ein winziges Teilchen weiblicher Stimme aufhorchen lässt, weil der Rest des Songs aber auch so was von langweilt, ist "Mojo Hand" ein klasse Album und keinesfalls ein One Night Stand (toller Rocker übrigens). Und der "Hidden Track" mit dem HATCHET-Schnipsel ist witzig.
Applaudissement!

P.S.: Ganz besonders nett ist das kleine Sponsorenlogo im Booklet. Das Restaurant La Plage in Aytré (irgendwo zwischen Bordeaux und Nantes) bietet nicht nur eine ansehnliche Speisekarte zu menschlichen Preisen, es gibt auch regelmäßig Konzerte und einen dauerhaften Ausblick aufs Meer. Das Leben hat hässlichere Seiten…

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 03.07.2008

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