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| something good, Eigenvertrieb, 2009 |
| Arne Dieckmann |
Guitar, Vocals |
| Tim Schwarz |
Guitar, Vocals |
| Tobey Nikorowitsch |
Bass, Vocals |
| Marcin Axel Kuziel |
Drums |
| Produziert von: Eike Freese & Railroad |
Länge: 47 Min 25 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Bootle Of Beer | 7. The Hunter |
| 2. Got No Way Out | 8. I Have To Go |
| 3. Ready To Rock (2 Blokes) | 9. Crazy |
| 4. Something Good | 10. I Can't Handle You |
| 5. Thinkin' | 11. Let's Talk About |
| 6. Under Construction | |
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Der folgende Absatz muss nicht gelesen werden. Falls man ausschließlich an der Besprechung der CD "something good" von RAILROAD aus Hamburg interessiert ist, scrollt man bitte direkt nach unten. Außerdem besteht die Band auf der Kleinschreibung von "something good".
Es gibt in Deutschland gefühlte 50.000 Menschen, die im Internet über Musik referieren. Von denen sind gefühlte 90% Fans von EINEM Musikstil oder EINER Band, die nichts neben ihrer Leidenschaft gelten lassen. Das ist okay, taugt aber nur zur Befriedigung der paar Gleichgesinnten, und der eigenen natürlich. Die restlichen Internetpublizisten sind - hoffentlich - auch Fans von irgendetwas oder irgendwem, gucken aber beizeiten über den Tellerrand und akzeptieren, dass es neben dem Rock auch den Roll und den Prog und den Pop und und und gibt. Manche von denen fassen ihre Eindrücke in ganz eindrucksvolle Worte, glänzen mit Fachwissen und machen dem Leser Spaß, andere beschränken sich auf sehr rudimentäre Sprach- und Rechtschreibkenntnisse, was manchmal sehr peinsam für den Deutschlehrer ist, aber womöglich auch Kundschaft findet. RTL2 hat schließlich auch Zuseher.
Früher gab es den ehrenwerten Beruf des Musikjournalisten, der meist von Menschen mit Musik- und Sprachwissen ausgeübt wurde und in manchen Fällen besonders gewitzte Schreiber zu regelrechten Kultfiguren werden ließ. Hunderttausende kauften sich monatlich Musikzeitschriften, lasen, analysierten und archivierten sie, griffen bei Gelegenheit darauf zurück und freuten oder ärgerten sich immer wieder über die Ergüsse bestimmter Autoren. Das hat sich längst geändert, denn der Zeitschriftenmarkt krankt, die Qualität vieler Magazine hat sich zwecks Geldmangel dem Onlinegeschreibe angepasst und man liest oftmals in fünf Zeitschriften annähernd identische Artikel, weil die redaktionelle Arbeit sich auf das Abtippen von Promozetteln beschränkt.
Ein paar wenige Großmeister des Rockmusikjournalismus gibt es noch, aber von denen sind leider etliche zu hoffnungslosen Misanthropen, andere zu gierigen Trendbejublern geworden.
Was den alten und den neuen Musikjournalismus eint ist die traditionelle Negierung oder sogar Ablehnung so genannter Trivialmusik, also der Musik, die zwar Millionen Menschen in gute Laune versetzt, aber nicht den intellektuellen Ansprüchen der Autoren genügt. Erst wenn ein Künstler oder eine Band so großen wirtschaftlichen Erfolg hat, dass man sie aus werbetechnischen Gründen nicht mehr ignorieren kann, erbarmen sich die spartenübergreifenden Musikmedien inklusive der Feuilletons der Tageszeitungen und gehen auf Schmusekurs. Das geht dann so weit, dass Kritik an Superstars wie Springsteen, AC/DC oder den STONES nicht mehr stattfindet, ganz egal wie dröge und kreativ unwichtig ihre Ergüsse sind. In der Ebene unterhalb der wenigen Superstars verhält es sich ähnlich. Bands wie URIAH HEEP oder STATUS QUO werden heute nur noch unter mehrmaliger Nennung ihres Alters erwähnt, wahlweise werden frühere Ausschweifungen und Erfolge dargestellt, aber die aktuelle Qualität solcher Veteranen spielt keine Rolle, wichtig ist einzig, dass der 40. Bandgeburtstag, das 35. Album oder die 280. Welttournee abgefeiert wird.
Ab der dritten Liga wird es dann ganz finster. Wenn überhaupt, wird in Szenemagazinen, Fanzines oder eben Onlinemagazinen mehr oder weniger fundiert über die Partytiere, Banalrocker und Gaudiburschen des Rock & Roll berichtet, die Hardcorefans bleiben unter sich. Die Ghettoisierung der Rockmusik hat ihren Höhepunkt gefunden, dafür findet man Amy Whinehouse neben Clapton und Robbie Williams mitsamt ihren Süchten, Phobien und Millionärsproblemen im Kulturteil jeder Bildungsbürgerzeitung.
Home of Rock ist ein banales Onlinemagazin von (gelernten) Musikfans und (gelernten oder bestens geübten) Schreibern für lese- und hörwillige Musikfans gehobener Intelligenz, das seit beinahe neun Jahren keinen Unterschied zwischen Superstarerguss und mühsam zusammengesparter Eigenproduktion macht, denn es zählt nur das Ergebnis. Wenn das Ergebnis vergnüglicher Party-Rock'n'Roll ist, soll das uns und hoffentlich auch Euch recht sein, denn wer nicht mehr feiert ist tot.
Im verlässlichen Zweijahresschritt kommen seit 2003 die CDs von RAILROAD, nach "Where To Go", der bislang besten Scheibe der Hamburger, steht nun "something good" zur Veröffentlichung an. Eine neuerliche Umbesetzung an Bass und Schlagzeug sowie viel zu wenige Gigs in den beiden letzten Jahren gaben Anlass zur Sorge, aber Arne Dieckmann, der Chef, gibt nicht auf. 20 Jahre existiert der Name RAILROAD nun schon, da steckt also eine Menge Herzblut drin, solche Typen machen weiter, immer weiter, bis irgendwann keiner mehr zuhören will, oder der "Final Countdown" durchgezählt ist.
Mit Tim Schwarz hat Dieckmann seit 2006 einen adäquaten Gitarrenpartner neben sich und die neue Rhythmusabteilung erledigt ihre Aufgabe mindestens gleich gut wie die alte. Es bleibt also nur noch zu Qualität der neuen Songs zu "kritisieren".
"something good" ist anders als "Where To Go", das fällt auf. Doch was hat sich geändert? Die Musik nicht, es ist immer noch Rock'n'Boogie mit Wurzeln tief in den Siebzigern, aber der Spannungsbogen des Albums ist ein anderer.
Natürlich eröffnet ein Boogie, natürlich hat der den plakativen Namen Bottle Of Beer, natürlich gehen die Gitarren im Gleichschritt voran und wechseln sich bei den zwei hübschen Soloeinlagen ab, Bottle Of Beer und das folgende Got No Way Out und alle weiteren neun Nummern haben auch nichts mit dem gerne gebrauchten Klischeeausdruck "Gebremster Schaum" zu tun, aber doch ist etwas anders als früher. Was ist es nun?
Ja, der Sound ist wärmer und besser als bisher, fast schon analog (ist er nicht, kommt aber nahe ran). Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. "something good" hat schlicht differenziertere Songs und vor allem Texte als alles was bisher von RAILROAD zu hören war. Der Wechsel zwischen Tönen aus der QUO-Phase "Dog Of Two Head" bis "On The Level" und den Anfängen von AC/DC ist fließend, es wird in Crazy zuerst mit wahrlich legendären Solozitaten britisch gerockt, anschließend in I Can't Handle You ein Schlagzeug-Bass-Rhythmusgitarren-Brett vorgelegt, das auch den letzten Australier zum Kopfnicken bringt. Aber da sind wir schon fast am Ende der CD, vorher kommen noch ganz viele andere Lieder mit der gleichen frohen Botschaft: Head down and boogie - und denk noch mal drüber nach!
Ready To Rock (2 Blokes) ist eine am Ende bittere Geschichte mit sehr dominantem Bass und klingt irgendwie autobiografisch. Der Titelsong lässt den Boogie fliegen, hat nach knapp drei Minuten einen wundervollen Harmoniewechsel, und dennoch einen nachdenklichen Text. Thinkin', die Beinaheballade des Albums, geht in die gleiche Richtung, man macht sich spätestens jetzt Gedanken um den Gemütszustand des Herrn Dieckmann. Muss man aber bestimmt nicht, der Typ hat einfach den Kopf nicht nur zum Haareschütteln auf dem Hals sitzen.
Under Construction sind wir alle, aber wenige reflektieren das so wie Dieckmann. Auf diesem Album wird nicht penetrant auf gute Laune gemacht, das tut einer Boogie-CD gut. Ebenfalls gut tut ein gesangstechnisch randständiges Lied wie I Have To Go von Basser Tobey Nikorowitsch. Prima Boogie und prima Harp, was will man mehr. Ach ja, den Rest der CD will man. Also dann: Play it again and again and again. Irgendwann wird hoffentlich/vielleicht auch den naserümpfenden Intelligenzrockern klar, dass Boogie keine Primatenmusik ist.
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