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| Get Up, Frontiers Records, 2004 |
| Richie Kotzen |
Vocals, Guitars & all other instruments |
| Produziert von: Richie Kotzen |
Länge: 39 Min 45 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Losin' My Mind | 7. Made For Tonight |
| 2. Fantasy | 8. Still |
| 3. Remember | 9. Never Be The Same |
| 4. Get Up | 10. Special |
| 5. So Cold | 11. Blame On Me |
| 6. Such A Shame | |
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So richtig die Kurve gekratzt hat Richie Kotzen mit seiner Karriere nicht. Das liegt wahrscheinlich weniger an seinem Namen als an der Tatsache, dass er von Mike Varney als einer von vielen Gitarrenflitzefingern in den haargesprayten Achtzigern präsentiert wurde und damit von vornherein in eine nur halb offene Schublade geschoben wurde. Ein hübscher Kerl war der junge Herr Richie auch und deswegen hat ihn Oberfriseuse Bret Michaels als Nachfolger des Simpel-Gitarristen C.C. Deville in seine abstiegsgefährdete POISON Kapelle geholt. Die hatten ihre beste Zeit 1993 deutlich hinter sich (schlagt mich, aber Every Rose Has Its Thorn vom 88er "Open Up..."-Album ist nach wie vor eine herzerweichend schöne Ballade) und das mit Kotzen produzierte "Native Tongue" war ein lauwarmes Getue zwischen Posing und Grunge. Lange musste unser junger Held nicht leiden, angeblich ließ er sich mit der Freundin seines Vorsängers ein, wurde in flagranti erwischt, erhielt einen Tritt a tergo, und widmete sich fürderhin wieder seiner Solokarriere.
Zwischendurch zollte er dem Tribut, was junge Varney-Speeddudler für Blues halten, machte anschließend ein Fusion Album, damit auch ja jeder seine Fähigkeiten erkennen kann - was nicht viele getan haben, denn so was verkauft sich erbärmlich - und letztendlich mimte er auch noch bei MR. BIG den Stuntman für den ausgestiegenen Paul Gilbert. Den Japanern gefiel es, alle verdienten ganz gut Asche, Richie wurde vom italienischen Melodic-Label Frontiers unter Vertrag genommen und jetzt ist er (wieder) dort angekommen, wo er auch mir gefällt. Beim Hardrock klassischer Prägung nämlich.
Es ist durchaus verblüffend, dass viele Gitarristen aus dem Shrapnel Records-Stall irgendwann beim guten alten Rock'n'Roll landen. Die können doch viel mehr!?! Klassik, Jazz, Metal, Ethno, 6 Saiten, 9 Saiten, Gitarren-Kamasutra, alles kein Problem für diese Wunderkinder. Und doch endet für viele die Reise dort, wo alles begann. Mit DEEP PURPLE oder AEROSMITH, MONTROSE und VAN HALEN. Ist eventuell doch mehr dran an diesem Sound, als die hyperintelligenten Plattenfirmenmanager seit knapp 1 1/2 Dekaden bzw. dem Ende des GUNS N'ROSES-Hype erkennen können und deswegen diese Musik schmählich vernachlässigen? Sind gute Songs, kernige Gitarren und klar erkennbare Strukturen doch besser als immer spektakulärer um sich schlagende, Verdammnis predigende Außerirdische a la Manson? Ich weiß das, viele unserer Leser wissen das auch, vielleicht sollten wir einfach mal ein paar Hörproben guter Musik an einige Majorlabels schicken, damit die Herren dort es auch kapieren.
Richie Kotzen hat sein neues Album "Get Up" komplett im Alleingang eingespielt. ProTools und seiner Multiinstrumentalität sei Dank. Und ihm ist in 9 von 11 Fällen sogar gelungen, diesem Egotrip echtes Leben zu verleihen. Richtig gut abgehender, grooviger Hardrock, Richie als guter, (fast) nicht nervender Gitarrist und außerdem kann er richtig anständig singen! Nicht besonders variabel, dafür aber in diesem äußerst angenehmen Bereich zwischen Ian Gillan, Glenn Hughes und David Coverdale.
Es geht nicht nur hart rockend voran, auch zwei oder drei Balladen hat er eingestreut. Auf den ersten Blick wirken die etwas schmierig, auf den zweiten entpuppen sich allerdings zwei davon als hübsch-soulige Black Music-R&B Adaptionen mit White-Boy-Gitarre. Glenn Hughes lässt also grüßen.
Zwischen all den straight und/oder funky knackenden Rockern machen die Weichspüler durchaus Sinn.
Eine schöne wenngleich völlig unzeitgemäße Schallplatte. Und wenn der gute Junge jetzt auf den Promofotos noch ein wenig weniger drogensüchtig aussehen würde...
Oder einfach Kajal und Eyeliner etwas dezenter verwenden würde...
Und beim nächsten Album was anderes als die scheppernde Fender spielen würde...
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