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Richie Kotzen

Into The Black

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Into The Black
Into The Black, Frontiers Records, 2006
Richie Kotzen Vocals, Guitars & all other instruments
Produziert von: Richie Kotzen Länge: 39 Min 45 Sek Medium: CD
1. You Can't Save Me6. Till You Put Me Down
2. Misunderstood7. Sacred Ground
3. Fear8. Your Lies
4. The Shadow9. Livin' In Bliss
5. Doin' What The Devil Says To Do10. My Angel

Man darf sich Sorgen machen, um den jungen Richard. Sein bemitleidenswerter Heroin-Look war schon vor zwei Jahren auf "Get Up" bedenklich, aber inzwischen macht er optisch wirklich erschütternde Eindrücke. Erst kürzlich starb wieder ein brasilianisches Model-Mädel an Unterernährung...
Nimmt man dann noch den Titel seiner neuen CD, "Into The Black" nämlich, und einige Songs davon (You Can't Save Me, Doin' What The Devil Says To Do, Fear etc.), bekommt man es tatsächlich mit der Angst zu tun. Ist Richie Kotzen nur ein guter Showman oder ein potentielles Opfer? Man möchte ihm einen zünftigen Schweinebraten mit Semmelknödeln zukommen lassen.

Seiner musikalischen Begabung tut momentan noch nichts erkennenswerten Schaden an. Auch sein neues Werk hat er wieder komplett alleine geschrieben, eingespielt und produziert (für einen Alleingang außerordentlich organisch), und das Ergebnis ist wohl noch bemerkenswerter als "Get Up". Wobei 'bemerkenswerter' das falsche Wort ist, 'eindrucksvoller' wäre richtig, denn "Into The Black" hat Ausdruck und macht Eindruck.
Der schöne Blauäugige ist gut Mitte 30 und hat dennoch schon beinahe 20 Jahre Musikbusiness auf dem Buckel, seine wichtigsten Stationen POISON und MR. BIG sind bekannt, die Versuche im Pseudo-Blues und -Jazz festigten seinen im Teeniealter bei Mike Varney erworbenen Ruf als Gitarrenheld, seine vielfältigen Gastspiele bei den unterschiedlichsten Projekten bezeugen die Reputation unseres Sorgenkinds bei den Kollegen. Bloß seine Soloaktivitäten scheinen an einer großen Masse potentieller Hard- und Melodic Rock Konsumenten vorbeizugehen. Ob das nun ausgerechnet von "Into The Black" geändert wird? Fraglich, denn dafür kommt die CD sicherlich zu zwiespältig für den Massengeschmack daher.

Was auch immer dahinterstecken mag, mit dem Opener You Can't Save Me ist Kotzen ein Überflieger gelungen. Zwischen all den "fuck dies, fuck das, fuck everything" kommt eine spartanische, leicht tiefergelegte Ego-Powerballade zum Vorschein, wie man sie nur ganz selten hört. Der Gesang erzeugt Schauer, die Gitarrenlinie Gänsehaut und die Aussage... s.o. Ein Glenn Hughes ist in seinen allerbesten Momenten zu ähnlichen Taten fähig. Die Nummer ist aus den Top 10 dieses ausgehenden Jahres nicht mehr zu vertreiben.
Der dumme Begriff 'Powerballade' zieht sich durch das gesamte Album. Kotzen hat das Tempo zugunsten der erzeugten Melodien deutlich gedrosselt. Klare Ohrwürmer weit jenseits jeder Schnulzenpeinlichkeit, der exorbitant starke Gesang (so hat man ihn tatsächlich noch nicht gehört), die mehrheitlich einfachen aber absolut wirksamen Gitarren und ein beängstigender Tribal-Kracher wie Sacred Ground machen "Into The Black" im Grunde zu einer rockigen Singer/Songwriter-CD.
Natürlich ist da noch viel Melodic Rock drin, auch Mainstream, aber mit den entsprechenden Acts dieses Genres (auch und vor allem die seines Plattenlabels) hat Kotzen nichts mehr zu tun. Zu konsequent und beinahe progressiv geht er seinen Weg und stößt garantiert ein paar Leute vor den A.O.R.-Kopf. Dafür bekommt man einige Schmankerl am Bass zu hören, einige (erfreulich wenige) Gitarrenkunststückchen und etliche Songs, die manchmal die Knochen erschüttern und öfter die Seele berühren. Testet mal Doin' What The Devil Says To Do unter dem Kopfhörer!
Wenn dann mit Your Lies gar an Paul Rodgers' ganz große Zeiten erinnert wird, ist "Into The Black" endgültig zu einem Winner geworden.

Wie geht's Dir, Richie? My Angel klingt ja eigentlich ganz positiv, aber trotzdem: be careful!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.11.2006

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