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| Nothing To Say, Trip In Time, 2008 |
| Aldo Castillejos |
Drums |
| Felix Dextre |
Bass, Vocals |
| Flavio Castillejos |
Voices, Poetry |
| Dolmo |
Lead & Rhythm Guitar |
| Renato Gomez |
Rhythm & Lead Guitar, Vocals |
| Produziert von: Serpentina Satelite |
Länge: 48 Min 08 Sek |
Medium: EP |
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| 1. Nueva Ola | 4. Madripoor |
| 2. Nothing To Say | 5. Kommune 1 |
| 3. The Last Drop | |
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Doch, ja, man konnte es vermuten, aber fix ist nix, trotzdem wir es schon immer geahnt haben, dass nicht alle Peruaner in hiesigen Fußgängerzonen mit Panflöten und El Cóndor Pasa wehrlose Passanten traktieren. Jetzt müssen wir auch unser Vorurteil revidieren, dass Peruaner ausschließlich als in folkloristische Teppiche gehüllte Inka-Großgruppen auftreten und in den Nachtstunden mit eben jenem Instrument und Lied durch Restaurants - und zwar ungeachtet des Migrationshintergrundes des Lokalinhabers - streifen und grausame Rache für die Jahrhunderte lange Kolonialherrschaft der Spanier nehmen. Davon abgesehen ist Gheorghe Zamfir, der Großmeister der Panflötenpein, sowieso Rumäne.
SERPENTINA SATELITE ist eine Band aus Perus Hauptstadt Lima und es geht um Psychedelic Rock. Hah, logisch, werden jetzt viele sagen, schließlich ist Peru der weltweit zweitgrößte Kokainproduzent, aber auch das ist wieder zu kurz gehüpft, denn SERPENTINA SATELITE mit Kokain in Verbindung zu bringen ist so abwegig wie Ben Beckers Bibel-Gezappel als Kunst zu betrachten. Nein, die Herrschaften mit den wunderschönen Namen sind viel mehr nach historischen Vorbildern wie HAWKWIND, GURU GURU, PINK FLOYD unter der Ägide von Syd Barrett oder AMON DÜÜL geraten. Damit ist der Konsum von Nasenpuder ausgeschlossen. Nach dem Genuss der 48 Minuten langen so genannten EP "Nothing To Say" denkt sowieso niemand mehr an Nasaldoping, die vier Musiker plus der Texter/Redner sind aus ganz anderem Heu gerollt.
"Nothing To Say" ist eine EP/CD, die sich nicht beschränkt. Alles ist weit angelegt, die Trommelpercussion im eröffnenden Nueva Ola hört und hört neun Minuten lang nicht auf, die sexy gehauchte Frauenstimme (sie ist sexy, nicht mystisch!) verlangt nach mehr, der flirrende Sound geht erstmals an die Grenzen eines Radiohörers. Man erkennt, dass SERPENTINA SATELITE keine Gaudikapelle ist, hier wird sich mehr oder minder entrückt in einen Klangkosmos verbissen. Es ist kein ganz einfacher aber begreifbarer Kosmos, der aufnahmetechnisch auch im Jahr 1974 oder früher hätte entdeckt werden können, der Groove ist ohnehin in diesen Jahren angesiedelt.
Obwohl, Sound. Der Mix von "Nothing To Say" strahlt eine gewisse Kälte aus, die vordergründig nicht zur Band passt. Gearbeitet wurde zwar analog, aber beim Mastering in Deutschland wurde - möglicherweise absichtlich - eine Menge der von früheren LPs bekannten Wärme entzogen. So klingt die CD zwar reichlich abgedreht, aber letztendlich doch strukturiert und fast schon bürokratisch deutsch. Zum Glück sind die Textkaskaden von Flavio Castillejos natürlich spanisch bzw. in The Last Drop englisch und nicht hochdeutsch, damit erhöht sich der psychedelische Faktor wieder deutlich.
Der Titelsong gemahnt in seiner Härte deutlich an HAWKWIND und lässt erstmals die beiden Gitarristen Dolmo und Renato Gomez glänzen. Während der eine verwegen soliert riffmeistert sich der andere beinahe wie ein Stoner mit dem Rest der Band durch mächtige Geröllhalden und die mutmaßlich nicht ganz simplen Lyrics. Besonders auffällig ist wiederum der Schlagzeuger mit seinen Rolls. Obwohl danach die Länge der Songs bis auf singletaugliche 3 ½ Minuten zurückgefahren wird, hat man nie das Gefühl, dass nicht alles notwendige gesagt und gespielt ist. SERPENTINA SATELITE ist trotz allem Jam eine Band mit Kalkül. Live dürfte es interessant sein zu hören, ob die Selbstbeherrschung beibehalten wird, oder ob nicht doch der Gaul mit dem einen oder anderen durchgeht.
Das Kernstück des Albums ist das monumentale Kommune 1. Geschlagene 23 ½ Minuten ist man auf dem Space-Trip und sieht vor dem inneren Auge eine schwer bekiffte Uschi Obermeier tanzen. Natürlich geht es um die legendäre Berliner "Wohngemeinschaft" um Dieter Kunzelmann, Fritz Teufel und später Rainer Langhans, die in nur knapp drei Jahren zum Sinnbild eines neuen Lebensgefühls in Deutschland wurde. Die K1 ist längst zu einer heillos verklärten Legende geworden, die Wahrheit dürfte weit weniger ausgeflippt gewesen sein als man sie sich vorstellt, aber die absurden Aktionen der Kommunarden und die naive Weltverbesserermoral der beteiligten APO-Sozialisten reichen für mehr als einen abendfüllenden Film. SERPENTINA SATELITE machen ein Hörspiel daraus, das sehr genau die chaotischen Zustände und die geistigen Verirrungen innerhalb der K1 widerspiegelt. Durchgedrehte Exzesse, wirre Phantasien, Revolution und Krawall kommen darin vor, die Energie jener Tage wird lautmalerisch dargestellt, aber auch das schleichende Siechtum etlicher Kommunarden breitet sich zum Ende hin aus. Kommune 1 ist ein großartiges Schauspiel und ein manchmal beängstigender Jam durch die Abgründe der späten Sechziger. Warum ausgerechnet eine peruanische Band auf eine solche Idee kommt ist unbekannt, aber besser kann man Zeitgeschichte kaum in Musik fassen.
"Nothing To Say" ist klare Minderheiten- und Zielgruppenmusik, auf keinen Fall für den Mainstream geeignet, aber wer sich in eine psychedelische Kraut-Orgie stürzen will, kann das hiermit so gut wie ansonsten nur selten.
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