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Famous 4 Madness

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Famous 4 Madness
Famous 4 Madness, Team F/RSR Music, 2007
Steve Summers, John Corabi, Phil Lewis, Stevie Rachelle Vocals
B.C., Michael Thomas, Keri Kelli Guitars, Back Up Vocals
Alexx Michael Bass, Back Up Vocals
Kari Kane, T Burr, Eric Singer, Mike Fasano Drums
Mike Warren Keyboards
Lauren Brenn, Jani Lane Back Up Vocals
Produziert von: Keri Kelli & Alexx Michael Länge: 41 Min 55 Sek Medium: CD
1. Crashdown7. Magical Misery
2. Famous 4 Madness8. Web Junkie
3. She's Watchin' U9. Complications
4. Better Off Without U10. Dirty Shirt
5. We Won't Take It Anymore11. Party Tonight
6. No Regrets

Nein, mangelnden Größenwahn kann man dem Alexx Michael nicht vorwerfen. Liest man die History seiner Band SHAMELESS, glaubt man hinterher durchaus, dass München direkt neben West Hollywood, L.A. liegt - vom zweiten x im Vornamen mal abgesehen. Freunde, lasst euch gesagt sein, dies ist mitnichten so! Die haben dort keine Isar, ich bin in drei Minuten dort, das Deutsche Museum hat mit dem Sunset Strip nichts zu tun und von Biergärten ist dem Besucher des Whisky A Go-Go ebenfalls nichts bekannt.
Warum eigentlich München? Weil unser Freund Alexx und sein Kumpel B.C. von eben daher kommen. Und warum Hollywood? Weil in der Bandgeschichte ungefähr jeder dritte jemals halbwegs über die Grenzen Kaliforniens bekannt gewordene Sleaze-, Glam- und Poser-Mucker auftaucht. Wie kommt das zustande und wie verträgt sich das beschauliche Schwabing/Haidhausen/Neuhausen/Nymphenburg etc. mit all dem vermeintlichen Glamour?

Nach der hierorts mäßig bekannten Band SHAMELESS krähen nicht besonders viele Menschen. Vor zig Jahren (und damit sind mehr als 15 gemeint) waren mal ein paar mächtig gehypte Clubkonzerte zu vermelden - wobei man das Wort Hype damals noch nicht kannte, aber recht viel mehr als den kleinen inneren Zirkel der ortsansässigen Spandexfraktion hat das nicht interessiert. Also ging unser Alexx in die weite Welt und penetrierte gegen Ende der Neunziger einige seiner Helden, die aufgrund der musikalischen und sozialen Entwicklung seit Cobain zu dieser Zeit schon ziemlich auf Grundeis gingen. Aber, und das muss man dem Kerl wirklich anrechnen, er blieb hartnäckig und hatte zumindest was den Punkt Selbstverwirklichung betrifft Erfolg. 4 CDs sind seitdem entstanden, alle mit wirklich bekannten Pseudonymen auf dem Cover.
Als Münchner Lokalpatriot - mit Betonung auf Lokal - kennt man die Scheiben und darf über den musikalischen Wert des darauf enthaltenen Glam-Pop-Metal ohne weiteres geteilter Meinung sein, allerdings auch mindestens genau so beeindruckt von den mitwirkenden, produzierenden oder sonst wie involvierten Gestalten. Die Namen und Bands lassen wir an dieser Stelle weg, ihr könnt sie euch problemlos auf der schamlosen Homepage anschauen. Beeindruckend!
Hat Alexx es also geschafft? Großes Rocktier? Klar. Genau so groß wie all die anderen übrig gebliebenen Glamster, die nicht die CRÜE-Kurve gekriegt haben.

Nachdem selbst der allerletzte Pasinger Vokuhila SHAMELESS inzwischen wohl vergessen hat, kommt nun mehr oder weniger aus dem Nichts eine fünfte CD dieser Kapelle.
[Pasing ist übrigens ein Stadtteil von München, liegt im Westen und hat nach wie vor einen gehobenen Vokuhila-Anteil]
Und an dieser Stelle können wir mit dem Name-dropping beginnen. John Corabi (MÖTLEY CRÜE, UNION, ESP), Jani Lane (WARRANT), Eric Singer (KISS), Phil Lewis (L.A. GUNS) und Mike Fasano (Gilby Clarke, WARRANT, Clapton etc.) sind wohl die bekanntesten Vögel.
Keri Kelli (u.a. PRETTY BOY FLOYD, jetzt ALICE COOPER) klampft auch wieder mit und hat das Scheibchen zusammen mit Alexx produziert. Dazu kommt die restliche "Stammbesetzung" mit B.C. an der Gitarre, Steve Summers (PRETTY BOY FLOYD) und Stevie Rachelle (TUFF) als Kreischen. Falls wer vergessen wurde, sorry, aber die schauen alle so gleich aus.

Endlich zur Musik.
Die beiden Münchner Alexx und B.C. bevorzugen Coke Light bzw. Pepsi Diet. Ja. Da bleibt einem der Mund offen. Rock & Roll. Wenn man nun böse wäre, würde man sagen, dass "Famous 4 Madness" auch irgendwie Diät wäre. Wir sind ja doch aber nicht böse und fragen nur nach, ob Sushi für 4/5 der Band wohl ein vernünftiges Lieblingsessen ist. Männer! Das macht doch nicht satt und führt zu diesem eigenartigen Aussehen auf Werbebildern. Mal von den, hmmm, interessanten Klamotten abgesehen. So möchte ich euch neulich im Biergarten treffen.
Es hat vieler Durchgänge bedurft, um "Famous 4 Madness" zu mögen, aber jetzt hat's geklappt. Da mag einen der völlig überzogene Gesang von Steve Summers zu Anfang noch so sehr nerven, irgendwann erliegt man diesem albernen Getue. Spätestens mit der von Phil Lewis gesungenen Ballade Better Off Without U fließt man dahin. Die andauernden grammatikalischen Perversionen a la 4, U, 2 (for, you, to) kann und darf man ignorieren, hinten kommt Spaß raus, auch wenn auf dem rückseitigen Cover schon mal ein Schreibfehler zu bewundern ist.
Highlight: Stevie Rachelles richtig dreckig hingerocktes No Regrets.
Dass auch komplette Banalitäten wie Web Junkie und Dirty Shirt bei so einem Band- und Albumkonzept passieren können. wir wissen es. UuuuhUuhuh, das haben andere schon vor 20 Jahren mit ähnlich schiefen Chören glorios versiebt.
Wenn allerdings John Corabi Complications zu einem ziemlich bösen Rocker und zweiten Highlight der CD macht, dann steigt auch des Hörers Adrenalinspiegel wieder. Ohne den konstruierten Mittelteil mitsamt bravem Gitarrensolo wäre das ein Metal-Song für den Jahreswettbewerb geworden. Richtig geil.

Unterm Strich bleibt. was eigentlich? Eine gute Schminktopf-CD, die ganz zum Schluss mit Party Tonight an POISON herankommt.
Und wir sind trotzdem immer noch in München-Untergiesing und nicht in Hollywood.
Bei der gerade angelaufenen Europatour ist übrigens Andy Brings (SODOM, TRACEELORDS) als zweiter Gitarrist dabei.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.04.2007

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