|
|
| A Good Stuff To Rock'n'Roll, RHR Records, 2009 |
| Rainer 'Cowboy' Nasahl |
Vocals |
| Stefan Kramert |
Guitar |
| Björn Hodler |
Keyboards |
| Hans Bogenschütz |
Bass |
| Werner Gulde |
Drums |
| Produziert von: Werner Gulde |
Länge: 59 Min 53 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Womans Eye | 8. In Your Own Hands |
| 2. Is This The Right Time | 9. Why |
| 3. Rainbow In The Night | 10. Make My Day |
| 4. Angel | 11. Under Your Fire |
| 5. Fly On The Wall | 12. !!! |
| 6. Life Ain't Easy | 13. Death In My Veins |
| 7. Fortuneteller Man | 14. Think About You (Radio Mix) |
 |
Drei Leute sitzen in einem Büro, zwei vor einem Schreibtisch, der andere dahinter. Folgende Unterhaltung konnte der emsige HoR-Spion mithören:
"Weißt Du, wir suchen eine Band, oder Musiker, die wir richtig groß rausbringen wollen; muss aber so irgendwie deutsch und echt sein, also…"
"Ey hörma, wir könnten doch ein DS-die Band…"
"Nene, lassma, Dieter - also, hast Du was?"
"Tja, ich weiß nicht - sag mal ein bisschen mehr."
"Also, ich stelle mit eine Rockband vor. Der Sänger muss so eine richtig gute, tragende Stimme haben, aber kein Rumbrüller, Shouter oder so. Er soll singen! Aber nicht knödeln. Und - Englisch natürlich, aber ohne dass man es hört, dass er Deutscher ist!"
"Du, hörma, der Mark…" - "Nene, lass ma, Dieter, er soll ja singen können - in einer Rockband!"
"Ja, ich hätte da einen - hier."
"Cowboy - hmm. Und - wie heißt der - na, hoffentlich ist da Name nicht Programm!"
"Haha! - Ey, hörma, bei mir is' ja der Name auch Programm - hart wie die…"
"Ich wusste gar nicht, dass Du Dieter Schwätzma heißt? Also, pass auf, dann will ich eine Orgel - eine FETTE Orgel, so fett wie Keith und Ken und - wie hieß der in den 70ern? - also, wie all zusammen."
"Ja, ich hätte da einen - hier."
"Björn - na, das klingt mehr nach Tennis."
"Hörma, ey, Tennis is so geil, ich hab' da neulich mit Estefania… ne, wie heißt die denn jetzt…?"
"Ne, der ist gut - fetter Sound."
"Und dann einen Gitarristen, der muss sowohl klassischen Rock als auch modern… oder - mal so: alle, der Gitarrist, der Orgler und der Drummer müssen alles können - so modern, klassisch, rockig - es aber nicht so richtig rauslassen, eher so verdeckt, aber so, dass man's merkt."
"Ey, hörma, weißte wonach das klingt? Nach Modern…"
"Ne , lass ma Dieter, das nun nich schon wieder. Guck ma', soll doch Musik sein."
"Also, ich habe alles was Du brauchst, und ich spiele sogar die Drums."
"Gut, gebongt. Wir nennen die Band 'Bratz', ich produziere, Dieter managet…"
"Nein! Wir nennen die Band 'Shout', ich produziere, und ihr seid draußen."
Hach, wäre das schön? Dass einer den Bohlen so abserviert, und sein eigenes Ding macht? Naja, das mit dem Bohlen-Sägen bleibt wohl ein Traum, aber das mit der Band - das gibt es. Und die Jungs heißen wirklich SHOUT. Und die können wirklich alles, glaubt man nach dem Anhören der CD - aber lassen nicht alles raus. Understatement.
Dritte CD (eine CD und eine EP gab's davor) der Jungs aus dem Nichts. Und wer aus dem Nichts auftaucht, und so ein feines Plättchen hinlegt bekommt den großen 'LAKE'.
Und zu Recht, denn nicht mehr und nicht weniger ist das hier - eine 100% ausgereifte, rockige CD mit melodischen Songs, ohne ins Tralala abzugleiten; mit herausragenden instrumentalen Beiträgen, ohne allerdings den musikalischen Overkill einzuleiten - ein rundherum Wohlfühl-Paket.
Deutet Woman's Eye, der obligatorisch schnelle Opener, noch an wo die Reise hingeht (und erinnert zugleich dezent an Venus - She's Got It), kommt dann nach einem We Are An American Band von GRAND FUNK zitierenden Drum-Intro die fettigste Orgel diesseits der Currywurstbude am Prenzlauer Berg in Is This The Right Time zum Tragen. Ken Hensley, hörst Du das? Und die trägt dann unisono mit den Gitarren den Song nach vorne, und die Drums, ach ja, so sollen Drums sein. Treibend, aber kontrolliert, und ab und zu ein kleines Break-chen reinschießen. Tja, Moon the Loon, das macht Dir doch auch Spaß, da oben?
Und dann rockt es weiter, dass es nur so eine Freude ist. Kein - ich wiederhole - kein Aussetzer. Es gibt natürlich die obligatorischen Balladen (Angel etwa, mit einer leichten Geschmacksverirrung beim Refrain, wo 'heart' doch etwas geknödelt wird) und ab und zu hört man doch ganz leicht, dass Rainer 'Cowboy' Nasahl nicht aus Texas kommt, aber das sind Marginalien.
Wenn es in Fortuneteller Man mal gitarrenmäßig leicht modern-rockig wird, ist das auch sehr geschmackvoll gemacht - und der sauberst produzierte Sound fängt das auf. Kein Loudness War hier. Etwas southern-rockig kommt In Your Own Hands daher, mit wirklich schönem Piano. !!! inszeniert die Wirkung einer Linie Koks bis zum Aus und Death In My Veins thematisiert das dann. Why ist riffmäßig eine kleine Verbeugung vor Finsterrockern wie BLACK SABBATH, aber im SHOUT-Stil.
Natürlich erinnert das alles ein bisschen an LAKE - dieselbe gute Qualität und klasse Songs. Und vielleicht auch an BIRTH CONTROL oder andere Krautrocker, aber eben auch an DEEP PURPLE und URIAH HEEP, WISHBONE ASH zu "Front Page" Zeiten. Alles ehrenwerte Namen und SHOUT braucht sich definitiv nicht vor denen zu verstecken.
Nur der Bass, der geht etwas unter, da hätte es etwas mehr sein dürfen. Trotzdem: Jodeldiplom grandios bestanden, die Band hat was Eigenes. Und man hört endlich mal, wie Classic Rock klingt, wenn Double Bass eingesetzt wird - gut!
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|