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| Cherry Red, Eigenvertrieb/Hang Loose Records, 2008 |
| Roland Pierrehumbert |
Lead & Backing Vocals, Harp, Slide Guitar (Lipstick Lady & Wild Boy) |
| Fred Gudit |
Rhythm Guitar, Backing Vocals |
| Boris |
Lead Guitar, Backing Vocals |
| Michel Demierre |
Bass, Backing Vocals |
| Lionel Blanc |
Drums, Backing Vocals |
| Gäste: |
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| Nicholas Maeder, Sebastian V. Maeder, Kit Riley, Travis Dragani, Eric Larpin |
Backing Vocals |
| Produziert von: Sideburn & Juerg Naegeli |
Länge: 45 Min 29 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Gimme The Way | 8. Bring The Hammer Down |
| 2. Hurricane Race | 9. Ghost Of 1980 (to Bon Scott) |
| 3. Six Feet Under | 10. Lipstick Lady |
| 4. Cherry Red | 11. Wild Boy |
| 5. Lane | 12. Stand Your Ground |
| 6. Rock And Roll Queen | Bonus Video: |
| 7. Down And Dirty | Gimme The Way |
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Los Wochos im Hard Rock? "Black Ice" verkauft in der ersten Woche nach Veröffentlichung alleine in Deutschland 170.000 Exemplare, OHRENFEINDT legen einen Gig für die Ewigkeit hin, KROKUS melden eine Reunion in einer - welcher auch immer - Originalbesetzung, auf jeden Fall mit von Arb, von Rohr, Freddy Steady und Marc Storace an, Newcomer wie VOODOO SIX oder SNEW mischen mindestens den Untergrund auf, das ist in der Tat bemerkenswert. Und nun kommen SIDEBURN aus Lausanne - über die unser anwaltlicher Kollege Schimpff vor zwei Jahren schrieb, dass sie "optisch teilweise den Zenit schon deutlich überschritten" hätten - mit einer neuen Scheibe, die auch noch vom Alt-KROKUS Juerg Naegeli produziert wurde. The hard rock empire strikes back.
SIDEBURN gibt es seit Unzeiten, erst als GENOCIDE (sicherlich völlig unbeleckt von JUDAS PRIEST…), ab 1997 mit dem jetzigen Namen, die Besetzungen haben öfter mal gewechselt, die Stile in der Vergangenheit offenbar auch, inzwischen ist eine gute Dekade im Hauruck-Stil (O-Ton Schimpff) vergangen und "Cherry Red" hauruckt nach ein paar Anlaufschwierigkeiten prächtig ins Bein, auch wenn der direkte Vergleich mit den ganz großen Größen sicherlich vermessen wäre.
Warum? Weil bisweilen der allerletzte Punch fehlt, weil Roland Pierrehumbert weder Bon Scott noch Angry Anderson ist, weil ein paar Songs zu leichtgewichtig für den finalen Knockout sind, aber, und das ist jetzt wichtig, "Cherry Red" hat aus dem Stand einen Platz in den ganz und gar nicht übel besetzten Alltime-Top-10 der Schweiz ergattert, was automatisch ein ähnlich hohes Ranking in D-Land bedeutet, denn in der Disziplin "International Hard Rock & Boogie inspired by AC/DC & Sons" waren die Schweizer schon immer ganz weit vorne. Es gab TOAD, Vic Vergat, der eigentlich Vittorio Vergeat heißt, die STEVE WITHNEY BAND, natürlich KROKUS und die frühen GOTTHARD, KILLER, KAKTUS, nicht zu vergessen all die jungen Bands wie beispielsweise BACKWASH und die nicht mehr ganz jungen aber agilen Kapellen wie THE FORCE und und und.
Naturgemäß gibt es diverse inzestuöse Verquickungen innerhalb der Szene und es ist beileibe nicht leicht sich in so einem kleinen und grundsätzlich konservativen Land als Hardcore-Rocker zu etablieren, aber die Hartnäckigkeit mancher Protagonisten ist bewundernswert. Deswegen bekommen SIDEBURN schon per se einen Bonus gutgeschrieben, auch wenn Sänger Roland einen fürchterlichen Fauxpas begangen hat: Levis-Jeansjacken schneidet man schon mindestens 25 Jahre nicht mehr die Ärmel ab!
Auch wenn wir gesteigerten Wert auf ein gepflegtes Äußeres legen, bewerten wir ausschließlich die Musik auf "Cherry Red".
So abgegriffen wie der Albumname sind auch die Songtitel: Rock And Roll Queen, Down And Dirty, Bring The Hammer Down, Wild Boy, alles schon gelesen und, welch Überraschung, auch schon gehört, aber, das ist jetzt wieder wichtig, wir sehen alle paar Wochen die Wiederholungen von James Bond im Fernsehen und finden "Goldfinger", "Octopussy" und all die schönen Frauen (ganz vorne: Halle Berry) immer wieder vergnüglich. Also dürfen wir auch olle Klischeemusik toll finden.
Es fängt mit einem schönen Rhythmusgitarrengemüsegemetzel in Gimme The Way an. Jenes lässt der Leadgitarre Platz für ein fein geschnittenes Solo aus der Angus-Hochrippe (eine tolle Rinderrasse), worüber der Gesang den Parmesan raspelt und Hunger auf mehr macht. Das ist Rock & Roll.
Ein paar Songs außer Acht gelassen (nicht weil schlecht, sondern weil im gehabten Stil), fällt als nächstes Lane auf, das im mittleren Tempo eine wirklich schöne Ohrwurmmelodie und ein klasse Gitarrensolo zu bieten hat. Fast jede Hardrockband probiert so etwas irgendwann aus, bei den wenigsten klappt es. Ebenso schwierig sind nervöse Songs wie Rock And Roll Queen, bei denen der Hörer allzu oft in den Wahnsinn getrieben wird. Die Australier THE ANGELS konnten derlei in ihren besten Momenten, doch auch SIDEBURN sterben nicht den Hyperaktivitätstod (verblüffend übrigens, welche Spuren die ANGELS hinterlassen haben, denn selbst in ihrer Hochzeit kamen sie hierzulande nicht aus dem Knick). Dafür ist der Text wohl eher für Lernschwache gedacht. Aber egal, es rockt. Es funktioniert auch bluesiger, sogar mit Harmonica, theoretisch sogar richtig tiefgehend, Down And Dirty nämlich, praktisch kommt sleaziger Slide-Sound dabei heraus, also auch kein Grund zum meckern.
Ghost Of 1980 ist die Verbeugung vor Bon Scott, textlich angemessen morbide, gesanglich natürlich weit von Bon entfernt, trotzdem angenehm und mit der üblichen satten Rhythmusgitarre plus anständigem Solo verziert.
Boogie dann mit dem fröhlichen Lipstick Lady, selbstverständlich wieder kein lyrisches Highlight, aber die Jungs sind ja nur "looking for a good time one night stand", da muss das Mädel nicht Schach spielen können. Wiederum eine gelungene Slide, die fast an ROSE TATTOOs verstorbenen Pete Wells heranreicht. Überhaupt kommt die CD in der zweiten Hälfte noch besser in Schwung, der Band geht mitnichten wie so vielen anderen die Luft aus, es wird von Anfang bis Ende gerockt und das auch noch qualitativ hochwertig. Nur die letzte Nummer fällt aus dem Rahmen, Stand Your Ground klingt zwar durchaus auch australisch, aber eher nach den Frühsiebzigern, als Bands wie BLACKFEATHER, CARSON oder BUSTER BROWN (mit Angry Anderson) spätpsychedelischen Blues- und Hard Rock durch die Wüste dröhnten.
Gute Band, gute Platte, guter Sound, that's all we wanna hear. SIDEBURN sind über die Jahre zu echten Beißern geworden, also wird "Cherry Red" auch nicht das letzte Lebenszeichen bleiben. Mit ein bisschen Glück wird es diesmal auch zu mehr als Anerkennung reichen, denn, siehe oben, es sind grade die Hard Rock Los Wochos im Gange.
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