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Spanking Charlene

Dismissed With A Kiss

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Dismissed With A Kiss
Dismissed With A Kiss, Slacker Music, 2007
Charlene McPherson Vocals, Sigh
Mo Goldner Electric & Acoustic Guitars, Vocals, Whistle
Keith Christopher & Catherine Popper Bass
Phil Cimino Drums, Shaker
Eric Ambel Guitars, Dulcitar
Rob Arthur Piano & Hammond Organ
NAME Triangel
NAME Triangel
Produziert von: Eric "Roscoe" Ambel Länge: 38 Min 36 Sek Medium: CD
1. I Hate Girls7. Groundhogs Day
2. Pussy Is Pussy8. Red Rolling Papers
3. Fidgety9. Leavin'
4. When I'm Skinny10. When Things Were New
5. Easy To Be Sad11. We're All Gonna Die
6. Field Trip12. Behind

Da erreicht uns eine CD von 2007 doch tatsächlich erst jetzt, dabei wurde sie von unserem Langzeitbekannten Eric 'Roscoe' Ambel produziert. Sachen gibt's. Allerdings ist die Scheibe auch wirklich schwer zu kriegen, am sichersten noch über die Homepage von SPANKING CHARLENE. Das ist keine Ferkelseite! Charlene McPherson hat ihre Band so genannt, was trübe Geister vielleicht auf eine falsche Fährte locken könnte, aber angesichts einer gestandenen Frau mit ziemlich feministischen Texten (und zugegebenermaßen irrsinnig tollen Beinen) sollte auch der letzte Aushilfsmacho schnell wieder nüchtern im Kopf sein.
Wo Ambel seine Finger im Spiel hat, steckt in aller Regel kein Unsinn dahinter, das ist schon mal klar, auch wenn man beispielsweise die zweite CD der YAYHOOS nicht sooo prickelnd fand. Nun will uns also Frau Charlene den Allerwertesten versohlen - sie macht das auf Wunsch in einem etwas strengeren Ton und live oft in Ambels Club "Lakeside Lounge" (der im übrigen die in Amerika üblichen unfreundlichen Konditionen für die auftretenden Bands bietet).

Die New Yorker sammeln auf "Dismissed With A Kiss" Songs aus den Jahren 2004 bis 2006, das impliziert die Möglichkeit, dass die eine oder andere Nummer heute nicht mehr unbedingt für die Band repräsentativ ist, erklärt gleichzeitig vermutlich auch den stilistischen Schlingerkurs der CD. Mittlerweile hat die Band einen Contest bei Steven Van Zandts Plattenfirma Wicked Cool Records gewonnen und wird dort wohl über kurz oder lang mit einer neuen CD reüssieren. Spannende Frage, wohin der Weg führt. Die bei MySpace anzuhörenden Liveaufnahmen neueren Datums deuten eine kernige Zukunft an.
Gitarren satt gibt es selbstverständlich auch auf "Dismissed…", allerdings hat wenigstens der Einstieg mit Ambel-typischer Rootsmusik wenig zu tun. I Hate Girls könnte durchaus aus den 70ern stammen, als in New York Bands wie BLONDIE oder die TALKING HEADS Furore machten. Die Hass-Ouvertüre hat also einen gehörigen Wave-Einschlag, auch eine prima Hookline, vor allem einen starken Text.
Die großstädtische Herkunft schlägt auch in den beiden folgenden Songs durch, wobei #3, Fidgety, etwas einfältig-punkig kommt und vom Gitarristen Mo Goldner co-gesungen wird. Pussy Is Pussy ("that's what my friend told me") lebt von der schleppenden Gitarre und dem Wah-Wah-Solo Eric Ambels. Sehr coole Nummer. Noch cooler ist When I'm Skinny, das nicht nur die magersüchtigen It-Girls auf die Kimme nimmt, sondern auch ein mächtiger Groover ist. Wem es bisher noch nicht aufgefallen ist: Am Bass ist Keith Christopher tätig. Der GEORGIA SATELLITES-Veteran trinkt nicht nur gern mal einen, er ist auch ein grandioser Basser.
Der nächste Schwenk folgt im nächsten Song. Easy To Be Sad ist eine leicht countryfizierte Ballade mit einem traumhaft schönen Refrain, der ernsthaft an die Wahl-Münchnerin Claudia Koreck erinnert. Verblüffend.
Kehrtmarsch, Rock'n'Roll, der Field Trip steht an und wurstelt sich durchs knackige Unterholz. Weiter, immer weiter, vorwärts in eine steinige Vergangenheit. Zu Groundhogs Day standen alle Gitarrenbands seit den STONES inklusive Dan Baird Pate. Das ist konventionell, aber sehr unterhaltsam. Charlene McPherson ist keine neue Janis Joplin, sie singt einfach sympathisch und angenehm ihre teilweise herrlich zynischen und immer interessanten Texte.
Ambel liefert zu Leavin' ein klassisches Ambel-Quietschesolo, Christopher spielt in When Things Were New den "Runaway Bass" (muss man hören, stimmt aber), We're All Gonna Die marschiert noch mal richtig rockig und am Schluss hört man in der schönen akustischen Ballade Behind die einzige Hammondorgel dieser CD.

"Dismissed With A Kiss" ist kein in sich geschlossenes Werk, wie auch, aber astreine Rockmusik allemal. Keine Ahnung, ob die Band jemals aus dem New Yorker Clubzirkus herauskommt (oder herauskommen will), diese CD ist auf jeden Fall zu gut um sang- und klanglos unterzugehen. Und auf das Ergebnis des Deals mit Little Steven darf man gespannt sein.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.06.2009

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