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Everyday Demons

(Special Edition)
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Everyday Demons
Everyday Demons
Everyday Demons, Steamhammer/SPV, 2009
Cormac Neeson Lead Vocals, Harmonica
Paul Mahon Guitars, Vocals
Michael Waters Bass, Vocals
James Heatley Drums, Vocals
Gast:
Jamie Muhoberac Keyboards
Produziert von: John Travis; James Cassidy & Guillermo 'Will' Maya Länge: 116 Min 50 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Demon Eyes7. Walkin' Mat
2. Too Far Gone8. Tonight
3. On And On9. Dead Of The Night
4. Cry Out10. Comfort Zone
5. Why'd You Change Your Mind11. Evil Man
6. Pride
CD 2 - Live Concert From Shibuya-AX, Tokyo:
1. Come Follow Me8. Under The Sky
2. No Questions Asked9. Preachin'
3. Doctor10. Into The Gutter
4. Never Too Late11. Sweet Emotion
5. Keep Believin'12. Memphis Water
6. Always13. Be What You Want
7. Sometimes Your Love14. Moment/Jam

Die Meinung zur im Mai 2009 veröffentlichten "Special Edition" folgt unter der ursprünglichen CD-Besprechung vom Februar dieses Jahres.

Nach dem ersten Durchlauf der CD sollte dieser Artikel in etwa so beginnen: "Wenn die Antwort auf die Frage 'Die Antwort' lautet, ist die Frage zu beantworten, wie die Frage zu der Antwort 'Die Antwort' lautet."
Ein derartiges Geseiere wird wohl von jedem zweiten Wahnsinnigen abgelassen werden, der sich Rezensent schimpft. [Ganz ehrlich: Für diesen Satz muss man dich lieben. Red.]
Nach dem zweiten Durchgang stand diese Einleitung zur Diskussion: "Stellt euch vor, jemand mixt alle positiven Eigenschaften von LED ZEPPELIN, WHITESNAKE und THE BLACK CROWES wild zusammen, nennt sich THE ANSWER und spielt alles an die Wand, was derzeit so durch die Hallen schleicht." Auch solche profanen Vergleiche werden bestimmt landauf, landab angestellt.
Beide Intros werden dem Produkt allerdings in keinster Weise gerecht. Um es frei heraus und vorneweg sagen: "Everyday Demons" von THE ANSWER ist der absolute Wahnsinn, ein echter Hammer, ein Juwel unter den Neuveröffentlichungen dieses Jahres. Soviel ist gewiss!

Mittlerweile weigert sich der CD-Spieler die Platte wieder auszuspucken. Deshalb lassen wir den Artikel nun so beginnen:
Die zweite CD der irischen Band THE ANSWER mit dem Namen "Everyday Demons" beginnt wie eine Detonation und steigert sich dann langsam und gewaltig.
THE ANSWER rocken ungestüm und rotzfrech drauflos. Die gesamte Produktion stellt sich so kantig und rau dar wie die Burren-Landschaft Irlands. Die Band klingt so ungeschliffen und energisch, als hätte sie "Everyday Demons" live eingespielt. Die Gitarre schrabbt kräftige Hardrock-Riffs ins Ohr und pfeift, jault und kreischt bei der vorzüglichen Soliarbeit.
Axtschwinger Paul Mahon hat seit dem Debüt "Rise" die wohl größten Fortschritte erzielt. Schon auf dem Erstlingswerk zeigte er sein Können, aber nun feuert er wieder und wieder eruptive Gitarrensalven und kernige Rockriffs ab. Sein Melodiefeeling ist ebenso famos wie seine Spieltechnik.
Auch die Rhythmustruppe, bestehend aus Trommler James Heatley und Tieffrequenzer Mickey Waters, versteht ihr Handwerk. Egal ob die Stücke eher bluesig daherkommen oder so rüde wie der Opener Demon Eyes. Gemeinsam bauen sie ein Soundgerüst, so solide und unverwüstlich wie das Steinfort Dun Aengus auf den Aran-Inseln im Westen der grünen Insel.

Kommen wir nun zum Superlativ schlechthin. Mit Cormac Neeson haben THE ANSWER den wohl derzeit besten Hard Rock-Shouter in ihren Reihen. Ungezähmt wie der schäumende Atlantik vor den Cliffs of Moher, singt, kreischt und donnert er seine Parts über die Riffs. Seine Stimme birst förmlich vor Leidenschaft. Immer wenn man denkt, es geht nicht mehr, setzt dieser Kerl noch einen drauf. Dabei bewegt er sich immer am Limit, aber niemals darüber. Beherzt und mit unglaublichem Volumen schraubt er sich von einem Höhepunkt zum nächsten. Echt krass! Die kontrastreichen Wechsel zwischen den lauten, kraftvollen Abschnitten und den sanfter gesungenen Parts geben Stücken wie Comfort Zone ein ganz besonderes Prädikat.
Das Songwriting ist ebenso gelungen wie die gesamte Produktion. Mal geben THE ANSWER richtig Gas (Dead Of The Night), mal lassen sie es ruhiger angehen (Cry Out). Aber immer kommen Songs heraus, die hängen bleiben ohne ins Banale abzudriften. Wo wir gerade bei Cry Out sind: Mit diesem Lied liefern THE ANSWER ein eindrucksvolles Beispiel dafür ab, was man mit dem Blues im Rock denn so alles anfangen kann. Cormacs eindringlicher Gesang harmoniert perfekt zu Pauls Gitarrenarbeit, ob er nun slidet, swingt oder Soli runter sägt.
Als so schneidig wie eine Attacke der Óglaigh na hÉireann entpuppt sich On And On. Das mit viel Kraft durchgezogene Riff zieht sich durch den gesamten Song. Dazu singt Cormac Neeson einen adhäsiven Refrain [dies scheint ein Begriff aus der Zahnmedizin zu sein. Red.], der nach seinem zweiten Einsatz genial in eines der gefürchteten Soli Paul Mahons übergeht.
Sogar ein bisschen so südlich wie der Ring of Kerry geht es bei Pride zu. Mit flockiger Gitarre brennen THE ANSWER eine der Hymnen ab, wie sie in den südlichen Breiten der USA zu Recht so geliebt werden. Und nicht nur dort.
The Comfort Zone hingegen startet seinen Eroberungsfeldzug in die Seele des Musikfans so samtig wie der Schaum auf einem frisch gezapften Pint of Guinness. Sanft steigert sich dieser "Song of the Decade" zu einem brillanten Höhepunkt der gesamten CD. Schade, dass er nur auf 4:43 Minuten kommt. Live besitzt er durchaus das Potential zu ausgedehnten Jam-Expeditionen.

Einige Gestörte werden vielleicht auf die Idee kommen, diese Scheibe mit "Retro" oder ähnlichem Mist zu diskreditieren. Scheucht sie aus eurem Dorf - gnadenlos!
Musik, wie sie von THE ANSWER auf "Everyday Demons" zelebriert wird, ist ähnlich zeitlos wie das berühmte Newgrange in der Grafschaft Meath. Solche Platten werden sich immer gegen die Konkurrenz durchsetzen. Einfach, weil sie besser sind. Ebenso wie heute von Klassikern wie "Toys In The Attic" oder "Fireball" geschwärmt wird, werden die Fans in 20 Jahren von "Everyday Demons" schwärmen, wenn sie denn noch ganz gescheit sind.
Mit Tränen der Begeisterung in den Augen danken wir allen Göttern von Kobol, dass heutzutage noch solche Platten aufgenommen werden. THE ANSWER in dieser Form - wer soll sie noch aufhalten?
[Niemand, Bruder, bis auf die unfassbaren irischen Begriffe verstehen wir dich vollkommen und schwelgen mit dir in diesem Rock-Meilenstein. Red.]

Olli "Wahn" Wirtz, (Artikelliste), 24.02.2009

Zugegeben, den Ur-Fan wird die Veröffentlichungspolitik von "Everyday Demons" befremden (CD, Doppel-LP, CD plus DVD, nun eine Doppel-CD), andererseits erreichen THE ANSWER momentan durch die Tournee mit AC/DC ein so riesengroßes Publikum wie nie zuvor (und aller Wahrscheinlichkeit nach nie mehr wieder), da möchte man den Hunderttausenden in den Arenen gerne noch ein Schmankerl mit auf den Heimweg geben. Im Gegensatz zur ziemlich unnötigen Ausgabe mit der DVD ist die Doppel-CD mit einem Konzert aus dem Jahr 2007 ein absolut wertiges Produkt, auf das man letztendlich nur schwer verzichten kann, auch wenn Teile davon bereits auf der Bonus-CD von "Rise" vertreten waren. Also nicht ärgern, einfach bei voller Lautstärke genießen!

Wer schon das Vergnügen hatte, THE ANSWER live - am besten in einem kleineren Club - zu sehen, wird als anderer Mensch nachhause gegangen sein, außer er hat aufgrund der Gnade der frühen Geburt vor vielen Jahren bereits Steve Marriott in Höchstform erlebt, anders ist ein Auftritt des kleinen Wahnsinnssängers Cormac Neeson nicht zu beschreiben. Minuten vorher noch der freundliche Langhaardackel von nebenan, steht Neeson mit Betreten der Bühne so unter Starkstrom, dass man schier die Funken fliegen sieht, von dem Gesangs-Tsunami abgesehen. Der Mann geht dermaßen über die Grenzen, dass man Angst um ihn bekommen könnte, gleichzeitig aber mit sich und seiner Gänsehaut zu kämpfen hat. Neeson und THE ANSWER sind zusammen mit ein paar anderen "Newcomern" wie THE CASANOVAS der Rock & Roll des 3. Jahrtausends. Sie werden ihn nicht nur retten, sie werden ihn für viele weitere Jahrzehnte unsterblich machen, einige Veteranen in den verdienten Ruhestand schicken und den Nachahmern zeigen, wie man mit Herzblut und Ehrlichkeit klingen kann, anstatt auf den nächsten vorbeirollenden Trend-Zug zu warten.

Auftritt THE ANSWER am 27. März 2007 in Tokyo. Der Club Shibuya-AX ist für unsere Verhältnisse groß, für japanische eher nicht, es passiert was immer bei dieser Band passiert, außer sie wird gerade vom AC/DC-Stadionpublikum höflich ignoriert: Die Menge tobt, Neeson legt schon in die Ansage "We are The Answer" mehr Soul als man eigentlich verträgt und dann tropft binnen Sekunden der Schweiß von der Hallen/Wohnzimmerdecke. Herr Doktor Gastrock beschrieb dieses seltene Gefühl von Ergriffenheit ab Sekunde 1 kürzlich punktgenau anhand der tollen CD "Grand Union" von FIREBIRD.
Die Setlist beschränkt sich naturgemäß schwerpunktmäßig auf die beiden ersten EPs "Keep Believin'" und "Never To Late" (beide 2007) sowie die CD "Rise" von 2007, aber das reicht auch zwei Jahre später noch locker für einen Sturm der Liebe, ach was, für einen Jubelsturm. THE ANSWER ist eine der wenigen Bands, die auf Live-Konserve 98% des echten Konzerterlebnisses reproduzieren können - und das ohne großartige Schönheitsoperationen im Studio. Zwei bombastische Rocker am Anfang, der Blues Doctor als Verbeugung vor den längst verblichenen oder vergreisten Prä-Hardrockern der späten 60er und frühen 70er, dann das vertrackte Never Too Late. Allerspätestens jetzt hat man alle eventuellen Einflüsse und Vorbilder durch, es sind sämtliche seit 2005 im Home of Rock genannten Namen richtig, man kann sich eine neue Aufzählung ersparen. Nur Cormac Neeson, der ist unvergleichlich - wenn da nicht die offensichtliche Seelenverwandtschaft mit Saint Steve wäre, dem größten kleinen Sänger aller Zeiten. Es geht einem durch und durch, wenn der rothaarige Zappelphilipp Sometimes Your Love röhrt, wenn sich seine Stimme vermeintlich überschlägt, in Wahrheit aber mit einem gewaltigen Soul-Vibrato den Druck noch erhöht, während hinter ihm die Band wütet. Göttlich.
Wer THE ANSWER nur von dem vom WDR soundtechnisch nicht optimal betreuten Auftritt bei der Rockpalast Classic Rocknacht aus dem Sommer 2007 kennt, wird angehörs dieser CD seine Meinung ändern müssen. Ich persönlich krieche schon seit dem Münchner Konzert Anfang dieses Jahres vor dem Schlagzeuger James Heatley zu Kreuze, der Typ ist ein Tier (höre Under The Sky) und litt seinerzeit in Köln eindeutig unter dem schlechten Monitorsound. Paul Mahon und Micky Waters waren sowieso immer außerhalb jeder Kritik, wachsen trotzdem bei Konzerten mit gutem Feedback aus dem Publikum schier über sich hinaus. Das in München war so eins, das auf der Bonus-CD von "Everyday Demons" noch mehr. Weiter oben sagt Kollege Wahnwirtz, dass man THE ANSWER unter Androhung der Verbannung nicht als Retro-Band bezeichnen darf. Recht hat er, denn: This is Rock and Roll! Und zwar so geiler, dass er zu jedem Moment der letzten 40 Jahre ein Klassiker geworden wäre. Punktum.
Bitte gebt euren Kids Songs wie Into The Gutter zur musikalischen Früherziehung, damit haben sie einen Brückenschlag von 1970 bis heute und werden garantiert niemals aus Protest gegen euch Erziehungsberechtigte sprachverblödete Rapper hören. Vielleicht werden sie fragen, warum der Sänger mittendrin "Juhu" schreit, dann könnt ihr ihnen erklären, dass dies nur ein souliges "you" ist. Oder ihr singt gemeinsam "Juhu!".

Wer bei einem so überragenden Konzert ausgerechnet eine Coverversion als absoluten Höhepunkt ausmacht, hat gemeinhin einen an der Waffel. Nicht so in diesem Fall. Sweet Emotion von AEROSMITHs epochaler LP "Toys In The Attic" war noch nie, noch nie!, so brennend heiß wie hier. Das meinte ich übrigens oben mit "einige Veteranen in den verdienten Ruhestand schicken".
Die Japaner intonieren "I got the Blues" und die Band schiebt das Memphis Water zu einem beträchtlichen Stausee auf. Wenn der Damm bricht… Und, verdammt, er bricht mit den Worten Be What You Want. Was für ein Song, was für ein Sänger, was für eine Euphorie.

I don't need no doctor, nur Musik wie diese, dann ist alles gut. Als ich als Kind von HUMBLE PIE geimpft wurde, war die Welt noch eine andere. Vielleicht ermöglicht die heutige Welt einer Band wie THE ANSWER eine schönere Karriere als die der unglücklichen PIE.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 26.04.2009

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