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The Last Straw

Brought To Life

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Brought To Life
Brought To Life, Eigenvertrieb, 2009
Kyle Daniel Guitar & Vocals
Quincey Meeks Slide Guitar & Harmonica
Adam Botner Hammond B3 & Electric Pianos
Marc Williams Bass
Pearce Harrison Drums & Percussion
Gäste:
Jason "Kidd" Petersen Percussion (Down The Line & You Betta' Believe)
Michael Sharp Grand Piano (Good To Be Alive & Be Here Tonight)
Produziert von: The Last Straw & Mike Bridges Länge: 46 Min 05 Sek Medium: CD
1. She Don't Love You7. Find Your Way Home
2. Which Way To Go8. Down The Line
3. Good To Be Alive9. You Betta' Believe
4. Rock N' Roll Queen10. Be Here Tonight
5. Soul On Fire11. Take A Ride
6. Everything But You

Nein, weder Bruce Brookshire noch Warren Haynes singen She Don't Love You, das gleich mal vorab. Und die Gitarren und das Keyboard, ihr lieben Leser, die mögen zwar nach DOC HOLLIDAY klingen, hier ist aber trotzdem eine junge Band namens THE LAST STRAW tätig, keine Veteranencombo der 1. bis 4. Southern-Rock-Generation - also Obacht!

THE LAST STRAW aus Tennessee, genauer gesagt aus dem Umfeld von Nashville, ist wieder eine jener jungen Bands, die sehr genau den Plattenschrank von Daddy studiert und dann für sich beschlossen hat, dass es geniale Musik in den fernen Siebzigern gab, die Achtziger nur für Friseure und durchgeknallte Produzenten ertragreich waren, in den Neunzigern jeder Ansatz von Können von gruseligen Industrieentscheidungen im Keim erstickt wurde und es sich erst im dritten Jahrtausend wieder lohnt Songs zu komponieren und nicht hinzuschludern. "Lohnen" ist dabei selbstverständlich nicht im monetären Sinn zu verstehen, aber es hat sich in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts eine so schöne neue Indie-Szene in einem inzwischen völlig desolaten Businessumfeld entwickelt, dass man als etwas älterer Rockfan unwillkürlich an die künstlerischen Freiheiten von vor 30 und mehr Jahren erinnert wird. Bitte nicht falsch verstehen, auch 1995 und 1986 gab es feine Bands, nur hingen die bis auf wenige Ausnahmen (z. B. WIDESPREAD PANIC oder eben GOV'T MULE) fast alle am Tropf der selbstverschuldet in Not geratenen Musikindustrie und wurden willkürlich totproduziert oder weggeschubst, weil irgend ein schnöseliger Jungmanager just den allerneuesten Trend entdeckt hatte. Das ist längst vorbei, es werden für Rocker keine wahnwitzigen Vorschüsse mehr bezahlt, es gibt keinen künstlichen Hype mehr, traditionelle Rockmusik ist von der verbliebenen Restindustrie weitgehend befreit und darf wieder ihre eigenen Erfahrungen sammeln und bei MySpace & Co. Wildwüchse erleben. Wie zu allen Zeiten gibt es viel schlechtes, unnötiges oder mies produziertes Zeug zu erdulden, aber es kommen speziell im jahrelang als hoffnungslos altmodisch verschrienen Southern-Jam- und Heart-and-Soul-Rock'n'Roll-Bereich beachtlich viele tolle Bands zum Vorschein, die auf die globale Wirtschaftskrise pfeifen und einfach losrocken. THE LAST STRAW ist eine dieser Bands.

Grade mal zwei Jahre existiert die Band, alle fünf Mitglieder sind unter 25, und doch gibt es bereits eine tragische Geschichte. Der dreijährige Sohn des Keyboarders Adam Botner kam 2007 bei einem Unfall ums Leben. Das berührt einen mehr als das lang erwartete Ableben eines Berufsdrogisten. "Brought To Life" ist jedoch keinesfalls schwermütig, man wundert sich nur über die Abgeklärtheit und Reife der Songs, über die beeindruckende Stimme von Kyle Daniel, die in manchen Teilen wie schwerelos flirrenden Gitarren und den Orgelsound des besagten Adam Botner, der einen manchmal wie weiland Gregg Allman schier an die Wand drückt.
Erst beim fünften Song des Albums kommt man zum Nachdenken, denn Soul On Fire ist ein Reggae, den Warren Haynes auch hätte machen können. Allerdings wohl nicht mit dem grandios rockenden Schlussteil, der zwischen den ALLMAN BROTHERS und der EARTH BAND changiert. Vielleicht nicht genial, großartig allemal. Davor wird rechtschaffen gerockt, gebluest, im Sumpf gegründelt und in der Wüste gegraben.
Eigentlich mag man nicht glauben, dass es sich um ein Debut handelt. Vor allem der Mann an der Slidegitarre, Quincey Meeks, wird neben Gesang und Hammond ständig verhaltensauffällig und liefert staunenswerte Soli. Überhaupt, der erste Teil der Scheibe ist unheimlich eingängig, schön, jammig, rockig, ausgefeilt. Da fehlt wenig bis nichts. Außer…

Die "B-Seite" der CD hat ebenso keine echten Schwächen. Eine schöne Ballade in Everything But You mit Rhodes- oder Wurlitzer-Piano, knackiger Groove-Rock (You Betta' Believe), klassische SKYNYRD-Triple-Leads von Gitarre, Slideguitar und Hammond in Down The Line, der mehr als beeindruckende Gesang, die satte Rhythmusabteilung, es ist alles da, außer…
… dem echten "Monster-Song".
Den bekommt man im Rausschmeißer Take A Ride dann aber beinahe. Eine hart rockende Nummer mit famosem Gitarrensolo, wieder nahe an DOC HOLLIDAY dran, schwer schuftend, bedeutungsschwanger und perfekt für das nächste BBQ mit Gleichgesinnten.

Mit "Brought To Life" haben die fünf Hinterwäldler ein tolles Baby für Kenner des Genres zur Welt gebracht, anderen Kunden könnte eventuell das eine oder andere Highlight fehlen. Aber diese Band ist noch so jung, da kommen die Ohrwürmer in der Zukunft von ganz alleine. Und wenn nicht, steht der potentielle Nachfolger für GOV'T MULE bereit.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.06.2009

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