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The Lizards

4.2.11

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4.2.11
4.2.11, Hyperspace Records, 2008
Mike DiMeo Vocals & Keyboards
Bobby Rondinelli Drums
Patrick Klein Guitars & Vocals
Randy Pratt Bass & Harp
Produziert von: Randy Pratt & Patrick Klein Länge: ca. 155 Min Medium: DVD
1. I'm No Good11. The Rodeo
2. It's Alright12. Hyperspace
3. Down13. The Opal Crest Of Zed
4. On A Wire14. Drum Solo (Sweden Rock)
5. Planck Time15. We Are Dinosaurs
6. Drum Solo (B.B. King Blues Club)16. Ariel / My Dark Angel
7. Revelation No. 917. I'm Mad
8. Grip Of Love18. Can't Fool Myself
9. TrampBonus Video:
10. Something HigherTour Slide Show

Bereits die dritte DVD von THE LIZARDS und die bisher musikalisch interessanteste. Aufgenommen bei vier Konzerten 2005 und 2006, davon zwei in den USA, ein Teil des 2005er Auftritts beim Sweden Rock Festival und ein wenig aus Wilhelmshaven, insgesamt fast zwei Stunden harter Bluesrock, wie er zwar niemals totzukriegen sein wird, aber vom modernen Business knallhart zurück in den Untergrund gedrängt wurde. Wenn man ehrlich ist, hat das Business sogar recht, denn wenn man sich das lethargisch vor sich hin sitzende Publikum im angeblich so großartigen B.B. King Blues Club in New York anschaut, ist jedes Leben aus der vorgeblichen Zielgruppe längst gewichen. Da schafft sich eine härtest arbeitende Band auf der Bühne ab, und das Pack unten bewegt kaum den großen Zeh. Es hilft auch kein Ausnahmesänger wie Mike DeMeo und keine Schlagzeuglegende wie Bobby Rondinelli, die Atmosphäre ist etwa so hitzig wie beim Jahrestreffen des Buchhalterverbandes. DeMeo guckt des Öfteren entsprechend ratlos aus der Wäsche und gibt letztendlich auf, als er nach einer gewaltigen Gesangseinlage mal wieder nur drei laue Klatscher bekommt. Über Schlagzeugsoli mag man denken wie man will, eines von Rondinelli ist auf jeden Fall hörenswert, die New Yorker brabbeln munter zwischenrein, vermutlich über Börsenkurse. Entsetzlich.
Auf die Musik des archetypischen Vierers hatte dieses "Pathologische Bluesinstitut" keine Auswirkung, vielleicht sogar im Gegenteil, denn anstatt von enthusiastischen Fans angespornt zu werden, konnten die LIZARDS sich auf eine hochwertige Live-im-Übungsraum Session konzentrieren. Hauptband des Abends im B.B. King waren CACTUS, für die eine solche Situation sicherlich auch kein gesteigertes Vergnügen darstellt.
Dummerweise entpuppt sich auch der Auftritt auf einer Nebenbühne des Sweden Rock Festivals als ziemlich öde Angelegenheit. Immerhin wird auf Aufnahmen aus dem offensichtlich spärlichen Publikum verzichtet, aber die drei einsamen "Yeah"-Schreier sprechen Bände (im Verlauf des Auftritts kamen doch noch ein paar Leute aus den Schlafsäcken gekrochen, wie man bei I'm Mad sehen kann). Beim prächtigen Funkrocker The Rodeo wird bildtechnisch sogar nach Farmingdale, New York umgeschnitten, vielleicht um das schwedische Elend nicht zeigen zu müssen. Diese Trickserei kommt öfter vor, man muss sich aber wohl um die Authentizität der Tonaufnahmen keine Sorgen machen, einige kleine Unsauberkeiten wurden nämlich nicht nachbearbeitet.
Sei's wie's ist, "4.2.11" ist eine DVD, die die musikalische Größe dieser Band sehr gut vermitteln kann, auch wenn die Bildqualität ganz sicher nicht Hollywoodstandard hat und die lausige Publikums"begeisterung" eine Veröffentlichung eigentlich nicht rechtfertigt. Zugegeben, THE LIZARDS ist keine Band, bei der man wie bei AC/DC herumhüpft, aber ein wenig mehr Resonanz möchte man schon erwarten.

"4.2.11" ist auf den ersten Blick ein seltsamer Name, aber mit ein wenig Nachdenken und einem Blick aufs Cover klappt es dann: Vier Typen, die ihre Verstärker auf 11 drehen. Eigentlich ist das platt, denn THE LIZARDS lassen sich und ihren Songs jede Menge Platz für Zwischentöne, die auch gerne mal leiser sind. Aber letztendlich stimmt es schon, die Band dampft in aller Regel auf höchster Stufe. Man höre sich nur den unglaublichen Plant-Gedächtnisschrei DiMeos im Opener I'm No Good oder die fundamentale Bassarbeit von Randy Pratt im Stoner-Funk It's Alright an. Rondinellis Dauerfeuer versteht sich von selbst und Patrick Klein sieht in seinen farbenfrohen Hippieklamotten so cool aus wie er ununterbrochen ein großartiges Solo nach der nächsten Rifflawine lostritt.
Die Setlist besteht aus einem Querschnitt der ersten vier Studioalben plus Tramp und I'm Mad vom gleichzeitig mit dieser DVD erscheinenden Album "är·chē·ol·´ō·gy" und hat nicht nur harten Rock zu bieten, sondern auch die funkigen Ausflüge, für die THE LIZARDS von Anfang an bekannt waren. Ein funky Instrumental wie Planck Time lockert die Stimmung auf und befreit zwischendurch Randy Pratt von seinem schweren Sechssaiterbass, damit er mit ein paar Harmonicas Zaubertricks vorführen kann.
Im Hauptberuf ist Pratt der klassische Bassistenrocker: sparsame Bühnenshow mit exakt getimtem Posing, spitze wilde Lederschuhe zum langen Haar und immer den mystisch umwölkten Blick, von dem man nie genau weiß, ob er nun einem Tütchen oder der Konzentration entspringt. Hört man ihm in den kurzen Interviewsequenzen zu, wird man schnell erkennen, dass Pratt bei klarstem Verstand ist, aber den Rock & Roll zu 110% im Körper hat. Mit ihm, Rondinelli und Klein hat die Band drei Leader, die vor vier Jahrzehnten ohne Umschweife den Status einer Supergroup eingebracht hätten, aber bekanntlich haben sich die Zeiten geändert.
Eher nicht der Typ eines Anführers ist wohl Mike DeMeo. Das war er in seiner früheren Band RIOT ebenfalls nicht (oder existieren die aktuell mal wieder?) und er scheint damit auch jetzt kein Problem zu haben. Offensichtlich sorgt er lieber für gute Laune und überzeugt ansonsten mit seiner Weltklassestimme und seinem niemals übertriebenen und trotzdem extrem effektiven Keyboardspiel. Als Band sind die vier Männer in der derzeitigen Heavy-Blues-Rock-Szene unbestreitbar die kreativste und wohl auch stärkste Kraft.

Um es noch einmal zu sagen: "4.2.11" ist musikalisch ein riesiges Vergnügen und in den besten Momenten durchaus monumental zu nennen, auch wenn es nur den "einfachen" Stereosound zu hören gibt. Einzig die ziemlich betrüblichen Aufnahmelocations passen nicht zum Big Rock von THE LIZARDS, die zwar selbstironisch den Song We Are Dinosaurs herausprügeln, aber als solche viel zu groß sind für ein Dasein als Vorgruppe in Clubs mit Sitzriesen im Publikum.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.09.2008

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