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The Muggs

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The Muggs
The Muggs, Times Beach Records, 2005
Danny Methric Vocals, Guitars
Tony DeNardo Rhodes Bass, Background Vocals
Matt Rost Drums
Länge: 48 Min 04 Sek Medium: CD
1. Need Ya Baby7. Hard Love
2. Gonna Need My Help8. Said & Done
3. Rollin' B-Side Blues9. Underway
4. "Monster"10. If You Please
5. Should've Learned My Lesson11. Doc Mode
6. White Boy Blues

Crosscheck bedeutet, dass sich die Redaktion auf eine Veröffentlichung stürzt, um sie nach bestem Wissen und Gewissen so subjektiv wie nur irgend möglich und nach persönlichem Geschmack zu bewerten. Die Bewertungsskala ist hierbei selbstverständlich so ernst gemeint wie die gesamte Idee des Crosschecks:
Note 1: Genial
Note 2: Optimal
Note 3: Neutral
Note 4: Banal
Note 5: Egal
Note 6: Katastrophal

Der Zweitling "On With The Show" führte sogar beim seriösen Kollegen Manfred 'das hatten wir doch alles schon' Hörstmann zu gelinder Begeisterung ("besonderer Platz im Plattenregal"), mich hat der Powersound der Detroiter Vorwärts-in-die-Vergangenheit-Heavyblueser direkt vom wackligen Stühlchen geblasen und zu verschärftem Headbanging und Biergenuss animiert. THE MUGGS nennen sich selbst "the ugliest band in the world", aber das ist wohl die einzige Übertreibung der drei Typen, die mit ihrer Musik heutzutage mehr Underground darstellen als all die Krachmaten, die sich an den nächst besten Trendzug anhängen und trotzdem nichts können. Dieses Trio kann nicht nur, es hat auch den Willen zum Überleben, deswegen spielt der ehemalige Bassist Tony DeNardo nach einem Schlaganfall im Jahr 2001 nicht mehr Bass sondern eine Rhodes für den Tieftondruck - menschlich ein feiner Zug der Kollegen, musikalisch das I-Tüpfelchen, denn konventionelle Trios gibt es mehr als genug, so eines wie THE MUGGS ist meines Wissens im Hard Rock aktuell nicht auf dem Markt.
Grund genug für einen Crosscheck mit dem bereits vier Jahre alten selbstbetitelten Debut. Mal schauen, was die Kollegen über diesen Kracher sagen werden.

Klar ist, dass so gut wie jeder Hörer die frühen LED ZEPPELIN als Referenz heranziehen wird. Das passt beim Opener Need Ya Baby (Page-Gitarre, Bonham-Drumming, beinahe Plant-Gesang) und dem folgenden Gonna Need My Help (dto., Zep-Blues eben) ganz gut, aber dann wird's doch kritisch mit dem Vergleich, denn der Rollin' B-Side Blues ist eher der amerikanischen Schule zuzurechnen. Stadionrock der frühen Siebziger, sehr Detroit, heavy pumping.
Songs namens "Monster" (allerdings ohne Anführungszeichen) gab es schon viele, das Muggs-Monster erinnert an etliche frühere, kulminiert aber nach variablen drei Minuten in ein sehr freundliches Ungetüm, schwerst rockend natürlich, formidables Gitarrensolo dabei, aber ohne Menschenfresserattitüde. Spätestens jetzt sind wir im U.S.-Rock angekommen, von VANILLA FUDGE über CACTUS über MONTROSE bis hin zu Mitch Ryder ist alles vertreten, allerdings derart frisch und kompositorisch eigenständig, dass man THE MUGGS auf keinen Fall als banale Retro-Band abtun darf, auch wenn mit dem White Boy Blues ein Shuffle vorkommt, der CACTUS seinerzeit nicht eingefallen ist. Big Rock allerorten, eine perfekt nach oben quietschende Gitarre in Said & Done, schwere Keyboards über Hard Love, jammige Atmosphäre und fliegende Gitarre bei Underway, das hypnotische Rhodes-Piano zu If You Please, das ist der Stoff für ganz große Alben. Manche große Alben werden von großen Songs wie Doc Mode abgeschlossen, dieses hier zum Beispiel. In sieben Minuten zusammengefasst gibt es noch mal alle Vorzüge von THE MUGGS, die technischen sowieso, aber eben auch das enorme Gefühl für Groove und vor allem die maximale Spielfreude. Das IST eine große Band, auch wenn sie viel zu kleine Brötchen backen muss.

Uns allen ist wohl klar, dass Rockmusik niemals verschwinden wird, Beethoven wird ebenfalls nie vergessen sein, gleichzeitig ist den meisten bewusst, dass Rockmusik wie jedes andere Kulturgut dem Wandel der Zeiten unterliegt und entsprechend manche Stile zwischenzeitlich nicht mehr up to date sind. THE MUGGS haben sich einem Genre verschrieben, das mindestens 3 ½ Jahrzehnte über seinen kommerziellen Zenit hinaus ist, wenn das Detroiter Trio jedoch durchhält und weiter so überwältigende Alben produziert, wird möglicherweise irgendwann auch für diese Band die Kasse klingeln.
Die Bewertung "genial" kann ich dem ersten Album von THE MUGGS nur verwehren, weil der Nachfolger "On With The Show" ganz genauso gut ist und man der Band noch Platz nach oben lassen möchte. Deswegen gibt es in diesem Fall "nur" die 2 und den ganz speziellen Platz im Plattenschrank.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 11.01.2009

Auf dem Weg nach München fand er die Muße, sich einen Schlag aus dem Muggseintopf zu gönnen, und war nicht unbedingt amused. Here goes:

Chop-chop wird im Flanellhemd im Bluesrockwald ein Kahlschlag vorgenommen, was an und für sich nicht schlimm ist, da das ja alles an ein und derselben Stelle genauso wieder nachwächst. Der Weihnachtsbaum des nächsten Jahres sieht ja auch nur marginal anders aus als der vom Vorjahr.
Dabei geht diesem Trio das Selbstmitleid und die Weinerlichkeit von GOV'T MULE gottseidank ab, aber auch deren Brillianz und Einfallsreichtum. Und wo MULE die Powerriffs wohl aus Angst vor musikalischem Ausverkauf scheut wie Mr. D. das Weihwasser, werden sie dir hier nur so um die Ohren gehauen - wenn's Solo mal nicht so richtig weitergeht, ballern wir einen dazwischen. Und wenn das Introriff schon mal Abwechslung vermuten lässt, macht der einsetzende Riffmischmasch alles wieder zunichte, etwa in Said & Done.
Auf der anderen Seite hat das Flanellhemd Tragespuren von Herrn Fogerty, aber der hat die wundervollen Hooklines mitgenommen als er das Hemd liegen ließ.
Übrig bleibt ein veritables Bluesrockgewitter der gut gespielten, wohl die verschiedenen Spielarten des Bluesrock beherrschenden, aber leider nicht sehr differenzierten Sorte. Kick-ass Bluesrock. Wertung: Egal.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 20.01.2009

Puh, das ist das erste Mal, dass ich mich zu einer Musikrichtung äußere, von der ich absolut keine Ahnung habe. Ich will mich allerdings auch nicht lumpen lassen, da die lieben Kollegen beim letzten Crosscheck von PENDRAGON mit ihrem Album "Pure" ja auch fremdes Gebiet betreten haben.
So lausche ich nun Musik von THE MUGGS, und zwar ihrem Debütalbum, das 2005 das Licht der Welt erblickte und zwar laut Band-Bio 5 Jahre nach Gründung der Band. Warum so lange Zeit verstrichen ist bis zur ersten CD? Auch da gibt die Biographie die Antwort, denn durch eine schwere Krankheit des Bassisten Tony DeNardo, die zu einer halbseitigen Lähmung führte und man ihn nicht einfach ersetzen wollte, wurden sämtliche Aktivitäten der Band erst einmal eingestellt. Ein Freund der Band kam dann mit der Idee, dass Tony DeNardo die Basslinien auf Tasten spielen könnte. So kaufte Tony sich eine Fender Rhodes Mark I und fing an zu üben.
Das Ergebnis ist auf diesem selbst betiteltem Debüt "The Muggs" zu hören, denn es gibt keinen Tieftöner, stattdessen die Fender Rhodes Mark I. Schon mit dem ersten Track Need Ya Baby zeigen die Jungs wo's lang geht, beginnt dieser mit rhythmischem Schlagzeug und Bass (der ja eigentlich keiner ist), dann setzt die Gitarre ein und der Gesang. Musikalisch bewegt man sich in den 70zigern und als Einfluss gebende Band höre ich LED ZEPPELIN heraus.
Mittlerweile bin ich bei Gonna Need My Help, auch das ertönt als bluesige Hardrocknummer und begeistert mich, ich ertappe mich dabei, wie ich mich zu dem geilen Rhythmus bewege. Danny Methrics Stimme ist hell gefärbt und passt sehr gut zur gebotenen Musik, auch habe ich keine Probleme damit, seinen gesungenen Texten zu folgen. Mit Gitarrenklängen, wie sie auch in der Country-Musik vorkommen, beginnt Should've Learned My Lesson und mit denselben Klängen wird auch aus dem Song ausgeleitet. Überhaupt macht es richtig Spaß, dem Herrn Methric und Gitarre zuzuhören, da er sein Instrument aus dem Effeff beherrscht. Na ja, nicht umsonst hat er bei den Detroit Music Awards 2008 einen Preis abgesahnt.
Für Abwechslung, obwohl man hier wahrlich nicht von langweiliger Mucke sprechen kann, haben sie mit dem Einsatz einer Hammond Orgel bei Hard Love gesorgt. Wer die Tasten hier bedient weiß ich nicht, aber es ist faszinierend wie sich hier die Tasten und Gitarre duellieren. Underway ist eine instrumentale Nummer und hat irgendwie einen psychedelischen Touch, zumindest für meine Ohren.

"Tell you baby, you've got me on my knees", heißt es so schön in If You Please, ich bin auch auf meinen Knien und bitte um mehr Musik wie diese hier, denn die ist total GEIL, wie die Kids heutzutage zu sagen pflegen. Ein dickes Dankeschön geht somit auch an den Freund der Band, der den Tipp mit der Fender Rhodes Mark I gegeben hat und wir dadurch überhaupt erst in der Lage sind, solche tolle Musik nun zu hören.
Tja, da im Rahmen des Crosschecks immer Noten vergeben werden, zücke ich die Note 1, da die gebotene Musik so was von begeisternd ist!

Michelle Karayilan, (Artikelliste), 23.01.2009

So, ich geh mal davon aus, dass das Line-up nach der 1. CD nicht gewechselt hat. Ob damals schon Bobby Emmett III die Keyboards betätigt hat oder ob er ausschließlich Pianist ist, entzieht sich meiner Kenntnis und ist mir auch egal. Interessanter ist da schon, dass man die Stücke von CD 1 straffrei mit den Stücken auf CD 2 verschieben könnte und umgekehrt. Niemand würde sich darüber aufregen. Beide Scheiben sind gleich spritzig und gleich bluesrockig.
Fragt sich also, weshalb 3 Jahre dazwischen ins Land gehen mussten. Wahrscheinlich, weil die Band immer noch auf der Suche nach einem Plattendeal ist. Man versteht, dass die Band nicht immer selbst dafür zahlen will, wenn sie ihre Musik unters Volk bringt. Und man versteht auch, dass sich kein Major Deal findet für diese Art von Musik: Zu alt und zu oft gehört; Blues, war das nicht im 19. Jahrhundert?
Ja, meine Herren, aber wie der Bluesrock hier zelebriert wird, das müssen sie sich mal anhören. Schon bei Need Ya Baby. Wie das Schlagzeug das Tempo vorgibt, der Bass einfällt, die Gitarre darüber klingt und schließlich der Gesang einsetzt, die Band dabei zu einhundert Prozent das Bluesschema einhält und das in diesem irren Tempo, das ist wirklich unerhört. Ach, dafür haben sie kein Gehör, meine Herren? Na dann…

Vielleicht ist es auch gut, dass es keinen Plattendeal für Bands wie THE MUGGS gibt. Damit sie sich austoben können und nicht in irgendwelche Regeln gepresst werden. Damit sie Dinge machen können wie Gonna Need My Help. Rau, dreckig und bluesig. Oder Rollin' B-Side Blues. Musik die nicht für eine Plattenfirma gebügelt ist.
Eine Nummer wie Should've Learned My Lesson ist, wenn schon kein klangliches Wunderwerk, dann doch ein klangliches Sonderwerk. Es beginnt mit leisem Gitarrengezirpe, das für die MUGGS ganz untypisch ist, verbreitet sich dann zu einem MUGGS-typischen Bluespunk und endet wieder mit leisem Gitarrengezirpe. Und das so gekonnt, als wären nicht unsere bekannten Bluesrocker an den Instrumenten, sondern das FRANKFURTER GITARREN DUO mit seinen klassischen Gitarren.
Bei Hard Love höre ich dagegen ein uraltes Keyboard (oder ist es eine Orgel, vielleicht eine B3?) so grob in die Musik fahren, dass mir der Vergleich mit Punk (wo man dieses Instrument nie eingesetzt hätte) wieder in den Kopf kommt. Auch bei Sad & Done ist die Musik mit drei Instrumenten so dicht, dass keine Löcher entstehen, selbst wenn die Musik zurückfährt. Das ist große Klasse!
Auch wie bei If You Please mit zwei sattsam bekannten Riffs gleichzeitig gearbeitet wird und wie beide aufeinander passen, wenn der Bass das eine durchspielt, während die Gitarre das andere darüber legt, das ist große Klasse und echte Kunst, ohne jeden Zweifel. Da mag man noch so oft sagen, das hat man schon gehört, so zusammen in einem Stück halt noch nicht. Und das ist eben das Neue im Alten.

Schade, dass wir diesmal beim Crosscheck so wenige sind. Jogi, der beim letzten Mal noch hilfreich mit einer zweiten Meinung und einer helfenden Hand dabei sein wollte, kann diesmal gar nicht dabei sein, Friedemanns PC ist kaputt, so dass er sich auch die Chance entgehen lies, das erste Mal über Blues zu schreiben. Nur Michelle hat sich noch bereit erklärt zu den Blues Brothers Fred, Deedge und mir zu stoßen und uns zu unterstützen. So wird es wohl nichts mit der von Deedge geforderten Sonderkategorie "United Lobhudelei" und dem Icon eines sich umarmenden Pärchens.
Schade drum, von mir gibt's diesmal nämlich eine 2+. Die 1 ist bei mir nämlich für die ganz außergewöhnlichen Scheiben wie HELLSINGLAND UNDERGROUND aufgehoben. Aber die MUGGS kommen gleich dahinter!

Manfred Hörstmann, (Artikelliste), 12.01.2009

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