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| Live Revelations, Sony Music, 2009 |
| Mac Powell |
Vocals |
| Mark Lee |
Guitars |
| Tai Anderson |
Bass |
| David Carr |
Drums |
| Scotty Wilbanks |
Keyboards, Vocals |
| Gäste: |
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| Lacey Mosley & Robert Randolph |
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| Produziert von: Third Day (CD); Dan Atchison, Jonatham Erwin & Andrew Erwin (DVD) |
Länge: 35 Min 35 Sek (CD) & ca. 75 Min (DVD) |
Medium: CD & DVD |
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| CD: | |
| 1. Run To You | 6. Call My Name |
| 2. This Is Who I Am | 7. Otherside |
| 3. Slow Down | 8. When Love Comes To Town |
| 4. I Will Always Be True | 9. Revelation/Honeysuckle Blue |
| 5. Cry Out To Jesus | |
| DVD: | |
| 1. I Got A Feeling | 13. Cry Out To Jesus |
| 2. Otherside | 14. Revelation/Honeysuckle Blue |
| 3. This Is Who I Am | 15. Slow Down |
| 4. Caught Up In Yourself | 16. Tunnel |
| 5. Born Again | 17. When Love Comes To Town |
| 6. I Will Always Be True | Bonus Features: |
| 7. Run To You | Revelation (Video) |
| 8. Thief | Slow Down (feat. Michael Barnes) |
| 9. Ready | Tunnel |
| 10. Take It All | Outtakes |
| 11. Rockstar | HD Content (2 Songs & Video) |
| 12. Call My Name | |
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Die meisten Christenrocker haben dazugelernt: sie werfen ihre Botschaft nicht mehr in Form von Hardware (STRYPER, die bienenfleißigen Bibelwerfer; früher) oder verbalem Kreuzzug (Charlie Daniels, der Betonkopf; heute) unters Volk, nein, es wird textlich moderat und immer öfter sogar musikalisch ansprechend die Kunde vom Glauben und der heil(ig)en Welt verkündet. In Amerika, dem Land der Darwin-Verleugner und sonstiger unbegrenzten Möglichkeiten, passiert dies sogar auf einer kommerziell höchst erfolgreichen Ebene, dort sind CCM-Bands (Contemporary Christian Music) Dauergast in den Hitparaden und spielen live vor verflucht, ups, vielen Leuten. THIRD DAY ist so eine Band, die niemandem weh tut, grundsätzlich allerfeinste Rockmusik macht, aber trotzdem den Grundgedanken des Rock & Roll irgendwie ad absurdum führt. Von Protest, Rebellion, Aufruhr und rockin' and rollin', also Kopulation, ist weit und breit nichts zu sehen und hören. Dennoch, diesen Herrschaften aus Georgia darf man gerne Aufmerksamkeit schenken, sie machen zwar klinisch reine, aber zweifellos gute Musik.
"Live Revelations" ist die ungefähr 12. CD von THIRD DAY (darunter ein paar Compilations und natürlich ein Weihnachtsalbum) und das 2 ½ Livealbum. Die Band hat zwei Grammys gewonnen, war mit der letzten Studio-CD "Revelation" in den Top 10 der Billboard Charts und tritt in der Tat ausschließlich in großen Hallen auf. Die sind also richtig groß da drüben.
Zuerst muss man ein paar typisch amerikanische Anwandlungen ignorieren (oder sie mögen; was einem deutschen Gesinnungslinken und Agnostiker eher schwer fällt). Es wird den Truppen gedankt und mit den eigenen Auftritten im Irak und Kuwait kokettiert, es werden ein paar salbungsvolle Reden geschwungen und (v. a. auf der DVD) peinlich auf "political correctness" geachtet. Noch nicht mal das kleinste F-Wort kommt diesen Gutmenschen aus. Freilich, man kann damit leben, wer braucht schließlich Dauergefluche à la Axl Rose, aber irgendwann schleicht sich doch eine gewisse Unglaubwürdigkeit ein, vor allem, wenn man den einen oder anderen oberbayrischen Landpfarrer und die zugehörigen Kraftausdrücke kennt. Ein Dasein ganz ohne "Sacklzement" (bayrisch für "Sakrament") und "ja mi leckst am…" (bayrisch für "leck mich doch am…") ist bei denen nicht vorstellbar. Bei THIRD DAY wird ausschließlich Cry Out To Jesus gesäuselt. Nun ja, sei's drum.
Die CD ist nur 35 Minuten lang und deutlich "Revelation"-lastig. Schade eigentlich, denn der Katalog hätte mehr zu bieten. Allerdings gilt für die meisten Songs von "Revelation", dass sie live deutlich kantiger und knackiger als auf der Studiokonserve sind. Einen dicken Bonuspunkt gibt es für When Love Comes To Town. Diese Leihgabe von U2 macht großen Spaß und lässt das Original verblassen, obwohl darauf B.B. King den Iren den Blues lehrte. Dave Evans, The Edge, erblödete sich seinerzeit gar, zu bekennen, dass er vor der Erfahrung mit King noch nie Blues gehört habe. Das erklärt zwar seine Unfähigkeit an der Gitarre, lässt aber auch auf einen schlimmen Bildungsnotstand in Irland schließen. Und so einer ist Multimillionär. THIRD DAYs Version ist eine dampfende, Orgel-lastige, von Robert Randolph geprägte Rock-Abfahrt erster Güte.
Danach kommt noch das besinnlich dröge Revelation, aber davor sind ein paar Schmankerl zu bewundern.
Schon Manfred Hörstmann fand Run To You in seiner Besprechung von "Revelation" 'bestrickend', live klingt es noch organischer und schöner. Man ist irgendwie an die OUTLAWS erinnert, und der Eindruck verstärkt sich in den folgenden Titeln noch. Speziell Mac Powells Gesang erinnert an Hughie Thomasson, auch die Chöre und manche Gitarrenlinie gehen in die Richtung der Southern Rocker aus Florida. Verdammt schön ist das, sogar die Ballade I Will Always Be True geht runter wie Wein. Dass es in diesem Fall eher Messwein ist…, ach Gottchen.
Der NICKELBACK-Touch, den Manni seinerzeit zurecht attestierte, ist auf der Bühne übrigens nicht zu vernehmen. "Live Revelations" begibt sich vollständig auf die "sichere" Seite und bedient ein sehr erwachsenes Stadionpublikum, das mit den Hitparaden-Grungern nichts anfangen kann und eher zu Bob Seger pilgert (dem Sänger Mac Powell übrigens entfernt ähnlich sieht). Man höre Otherside, den puren Southern-Stampfer, der regelrecht explodiert - falls Explosionen zum Repertoire einer Christenkapelle gehören dürfen. Auch hier lässt Robert Randolph seine Gitarre fulminant krachen. Von diesem Stoff möchte man noch viel mehr hören, also legen wir die DVD ein.
Da gibt es dann so viel heile Welt und Duziduzi zu sehen, dass es manchmal schwer erträglich wird. Frauen, Kinder, ehemalige Bandmitglieder - alle very happy together, sogar beim karitativen Einsatz als Hausbauer. Die Konzerteinspielungen sind hingegen eindrucksvoll, zeigen sie doch eine gestandene Band, die mit ihrem Superstardasein (in der christlichen Szene) ganz gut umgehen kann. Wie viel tatsächlich Livesound ist bleibt dahingestellt, das Ergebnis ist auf jeden Fall ein Hochglanzprodukt. Platz für klassischen Rock'n'Roll-Dreck ist selbstverständlich nicht, aber das sind wir seit Jahren auch von der säkularen Fraktion gewohnt, in Amerika ist nur noch sauberer Familienspaß erlaubt, sonst kommt die große Zensurschere. Den entrückten Gesichtern im tobenden Publikum kann man jedenfalls bestens entnehmen, dass hier eine perfekte Illusionsmaschine punktgenau die Bedürfnisse erfüllt, auch wenn es für unsereins teilweise mehr als bizarr wirkt.
Ein Paket tadelloser AOR-Hits entschädigt für den Überschuss an Gefühlsduselei, und genau wie auf der CD kommt im letzten Drittel der Aufführung kein Zweifel mehr an der Lust und Liebe der Band am Rock-Vergnügen auf. Otherside, natürlich mit Robert Randolph, ist audiovisuell noch schärfer als zuvor, die Gitarrenduelle sehen nicht nach einstudierter Choreographie aus, hier wird mit aller Wucht gerockt. Die Absurdität eines Cry Out To Jesus sei hintangestellt, denn ausgerechnet den geplagten Opfern des Hurrikan "Ike" die Vorzüge des Glaubens (an was?) darzulegen birgt Diskussionsstoff. Für die anwesenden Texaner war das aber kein Thema, die jubelten dankbar.
Aller glaubensbedingten Skepsis zum Trotz ist THIRD DAY eine großartige Band mit überwiegend packenden Songs. Kreuz, Kirche und persönliche Überzeugung sollten angehörs guter Musik keine Rolle spielen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Toleranz auf Gegenseitigkeit beruht, dann dürfen die Gottesrocker ihr Wort und Gitarrensolo auch liebend gerne unter den Ungläubigen verbreiten. Spaß macht das nämlich.
PS: Schwach ist, dass die CD nicht am Computer abspielbar ist und dass die DVD einen vollkommen falschen Track-Index aufweist, es wird eine DVD von Eric Clapton angezeigt. Aber daran ist weder Gott noch Teufel schuld, die zuständige Plattenfirma heißt Sony Music.
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