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| Ashes And Diamonds, Repertoire Records, 2009 |
| Roy Robinson |
Vocals |
| Janne Loseth |
Guitar, Vocals |
| Phil Wilton |
Sax, Vocals |
| Mick Walker |
Bass, Background Vocals |
| Didier Blum |
Drums, Percusion, Background Vocals |
| Gäste: |
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| Lesley-Ann Reynolds, Samantha Cato, Azania, Antonia Chapman Nyaho, Nancy Lopembe |
Background Vocals |
| Produziert von: Titanic |
Länge: 53 Min 01 Sek |
Medium: CD |
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| 1. I'm The Law | 7. Sultana |
| 2. Rivers Run Dry | 8. Howlin' Wind |
| 3. Blame It On The Moon | 9. Rain |
| 4. Looking Into The Sun | 10. Wake Me Up When I Get There |
| 5. Moonshine Machine | 11. I See No Reason |
| 6. Heart Of Rock | 12. Tear Me Up |
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Auf dem Tiefpunkt ihrer Karriere gab es TITANIC nicht, auf dem Höhepunkt gab die Band 1984 ihren letzten Auftritt in Chile auf dem Festival "Vina del Mar" vor 80.000 Fans und 400.000.000 Fernsehzuschauern.
Das umreißt, wie groß die Abstände zwischen 'High' and 'Low' im Pop-Business sind, und ist natürlich so oder anders schon vielen Bands passiert. TITANIC gehört dabei zu der Sorte Bands, von der man - zumindest dem Namen nach - schon mal irgendwie gehört hat, die auch irgendwie einen überregionalen Bekanntheitsgrad erlangt hatten, die es aber nicht ganz wirklich in die Bundesliga schafften. Dabei macht wohl keiner diesen Bands die musikalische Befähigung streitig; andere, die einem da so einfallen, sind etwa Mitch Ryder, Roger Chapman, RARE EARTH…
TITANICs Ruhm, so man es denn so nennen will, beruht auf relative wenigen Platten - anbei die Liste:
"Titanic" - 1970 - CBS Records
"Sea Wolf" - 1972 - CBS
"Eagle Rock" - 1973 - CBS
"Ballad Of A Rock'n'Roll Loser" - 1975 - CBS
"Return Of Drakkar" - 1978 - Barclay
"Eye Of The Hurricane" - 1979 - Souplet
"Lower The Atlantic" - 1993 - Metal Enterprises
"Ashes And Diamonds" - 2009 - Repertoire Records
Zusammenfassend kann man der Band ein mit jeder Platte zunehmendes Gespür für ins Ohr gehende Melodien und Songs bescheinigen, wobei man - benutzt man etwa eine Kategorisierung (Innovator / Früher Nutzer / Standard / Nachzügler) - TITANIC in etwa in die Kategorie 'Standard' einreihen müsste, wobei das gar nicht negativ gemeint ist. Die Band verstand es, aktuelle Trends im Business aufzuspüren und in ihren eigenen Stil zu übersetzen, wobei sie in einem Bereich ein Innovator waren: noch bevor Bands wie MANDRILL oder OSIBISA Furore einlegten, gab es auf der ersten TITANIC gemäßigte afrikanischen Rhythmen zu hören (Santa Fe) - allerdings eher als Füllsel gedacht als dass dieser Track einen ernsthaften Versuch darstellte, eine völlige Verschmelzung von Afrorhythmen mit Rockmusik zu vollziehen.
Hochmelodisch und gut tanzbar war die Musik allemal, und lockte seinerzeit in Europas Discos mich und alle anderen auf die Tanzfläche. Zudem hatten sie mit Roy Robinson - dem einen Engländer unter all den Norwegern (jawohl - Norwegen hat eine Pop-Tradition!) - einen sehr guten Sänger, und somit waren die Segel in Richtung Erfolg gesetzt.
Der Grund, warum TITANIC nie ganz in die erste Liga kam mag darin zu finden sein, dass - neben dem zugegeben eher geringen Innovationsfaktor - andere Bands eben jeweils zur gleichen Zeit Großtaten begingen und so oft die Aufmerksamkeit woanders als bei den guten, aber relativ unauffälligen TITANIC lag. Nix spaciges, keine Double-Lead-Guitars, keine Monsterbläsersektion - einfach nur gute Musik. Zudem musste man der Band doch auch oft eine gewisse Nähe zu anderen Bands bescheinigen - URIAH HEEP etwa, nicht zuletzt durch die Orgel/Gitarre Kombinationen. Ein durchgängiger Stil war dann doch nicht so einfach auszumachen - man konnte die Band schwer in eine Schublade stecken.
Kurzer Rückblick. 1970 - TITANIC bringen ihre erste Platte auf den Markt, schlicht "Titanic" betitelt. Der Name und das Logo wurden von der Plattenfirma CBS ausgesucht, als sie die damals noch BEATNIKS genannte Band signte. Neben LED ZEPPELIN gibt es wohl kaum einen Namen, der weniger zu einer aufstrebenden Band passt als der eines gesunkenen Schiffs!
Die MOODY BLUES versuchten sich zu der Zeit gerade in etwas tieferen Rockgewässern mit "Question Of Balance"; HEEP hatten gleich zwei frühe Meisterwerk - "Very 'Eavy, Very 'Umble" und das Monster "Salisbury" am Start; WISHBONE ASH waren mit ihrer Nummer 1 dabei, SANTANA mit "Abraxas", die STONES gar mit dem Riesenliveteil "Get Yer Ya-Ya's Out" auf dem Weg in ihre absolute Hoch-Zeit, RARE EARTH veröffentlichten "Ecolgy", ihre dritte, und PINK FLOYD "Atom Heart Mother", COLOSSEUM hatten ihre dritte - die geniale "Daughter Of Time" draußen. Sogar die unglaublichen GREATEST SHOW ON EARTH musste man haben: "The Going's Easy"! Es summte und brummte an allen Ecken und Kanten. Die BEATLES verabschiedeten sich mit dem spectorisierten "Let It Be", nachdem sie den Meilenstein "Abbey Road" ein Jahr vorher veröffentlicht hatten (hey, Jacko, gut, dass Du pleite bist - endlich gibt's Remaster ... errr ... sorry!)
Insgesamt ist TITANIC damals noch sehr dem Sixties-Pop verhaftet einschließlich des etwas spargeldünnen Sounds. Searchin' legt gut los, Bluesrock über einer dominanten Orgel, und sogar ein Poweriff wird eingestreut (etwas, das TITANIC nicht oft machten, eher schon wurden Riffs à la frühe TEN YEARS AFTER bevorzugt - differenzierte Melodiebögen eben anstatt einmal quer über die Gitarre). Im Mittelteil hört man sie In-A-Gadda-Da-Vida zitieren. Mary Jane erfreut mit MOODY BLUES Harmonien und Schmalz, Cry For A Beatle ist eben das - aber perfekt! Something On My Mind ist heavy, so wie HEEPs Gypsy; Firewater COLOSSEUM-mäßiger oder GREATEST SHOW ON EARTHiger Jazzrock (aber eben wesentlich melodischer).
Und dann gab es noch zwei Überraschungen: Das unglaubliche I See No Reason - ein acht Minuten langes völlig eigen dastehendes Ding, das von der schweren Orgel und den unnachgiebigen Drums lebte. Die raue Produktion und die wundervolle Stimme von Robinson taten das Ihre. Ein Meisterwerk. Beendet wird das ganze mit dem, was die Engländer ein Ditty - ein lustig' kleines Stück Melodei - nennen: Santa Fe. Afro/Latino-Rhythmen (psst: Santa-fe - Santa-na!), das Roy mit Genöhle einleitet: "This no good I gonna have to go ... drives me totally crazy ... everything ... your face ... this song" und dann wird getanzt bis die Bude wacklelt. Dabei wird wirklich drei Minuten 'Sante Fe' vom Chor gesungen, und sonst passiert nix!
"Sea Wolf" 1972. Die ALLMAN BROS sind bei "Eat A Peach" und Duane wird bald sterben, die BEATLES sind nicht mehr, CHICAGO entern melodischere Gefilde mit 'V', die EAGLES betreten die Bühne relativ unbemerkt mit "Eagles", LED ZEP haben den Holy Gral "IV" hinter und "Houses Of The Holy" vor sich. MANFRED MANN'S EARTH BAND bieten "Glorified Magnified", MANDRILL - Afrorocker - veröffentlichen ihr fast bestes Album "Mandrill Is", RARE EARTH das geniale "Willie Remembers", die STONES "Exile" (dazu kann man nur sagen: endlich gibt es bald ein neues Remaster); HEEP lassen die Dämonen und Zauberer auf uns los, der Dampfkessel pfeift; und Pete Townshend beginnt sein Tommy Lifecycle Management mit der symphonischen Version. Und WISHBONE ASH - die machen "Argus".
"Sea Wolf" selbst rockt gut, Sultana wird ein Discohit (psst: Sul-Tana - San-Tana; trotz der Nähe zu Jingo - gut, geht durch!), Exiled ist wieder MOODY BLUES, und Sing Fool Sing hat ein Heavy-Riff - der beste Track auf dem Album. Insgesamt ein typisches zweites Album, kann man, muss man aber nicht haben.
1973 - "Eagle Rock" folgt - und das ist schon eher ein Rock! WISHBONE ASH kommen mit "Four" nicht ganz an "Argus" ran. Die WHO übertreffen sich selbst: "Quadrophenia", Townshend auf seinem Zenit. HEEP schwächeln etwas mit "Sweet Freedom", aber wirklich nur etwas, SANTANA machen, was Santanas eben so machen: "Welcome". Die STONES veröffentlichen das eher ungeliebte "Goats Head Soup", schießen sich aber mit Angie trotzdem in das ewige Schnulzenweltall, RARE EARTH sind jetzt völlig unter Whitmans Fuchtel und werden die zweiten TEMPTATIONS: "Ma"; PINK FLOYD veröffentlichen die dunkle Seite des Mondes - ha, noch ein Jahr, und "Meddle" wird ping-ping mein Herz erobern; MANDRILL sind im Zenit, "Composite Truth" - Afro-Pluckerrock at its best; die EARTH BAND erfreut den Manfred mit "Messin'", und LYNYRD SKYNYRD betreten endlich die Bühne mit "Pronounced" und definieren das Southern Rock Genre mit dem Role Model Free Bird und etwa 350 Gitarren. Die EAGLES sind bei "Desperado" - wunderschön! - ; CHICAGO bei - warte mal… "VI" mit dem absoluten Übertitel Feelin' Stronger Every Day. Auch die ALLMANs haben sich als Brüdern und Schwestern wieder gefangen.
Man könnte sagen, die etablierte Rockgemeinde schwächelt etwas. Und TITANIC? Die nicht! "Eagle Rock" ist von vorne bis hinten gut. Kein Aussetzer, rockiger als die Vorgänger; besser, also runder produziert, voller gute Melodien und Soli. Mit dem üblichen augenzwinkernden Afro-Schnickschnack Heia Valanga - ein Santa Fe-Reprise; Latin Feeling mit Rain 2000; heftiger Rock mit Afro-Einschlägen - Macumba, und dem großartigen Titeltrack One Night In Eagle Rock einschließlich Pistolenduell (das wiederholt man später auf "Ballad Of A Rock'n'Roll Looser", 1975).
So, denkt man, die haben ihre Nische gefunden. Aber nix is - es wird - jawohl! - southernrockig. Obwohl nicht in den USA produziert, hat man sich für das 75er Plättchen die Skynyrds und Allmans und sonstige Southerner angehört, und die beste TITANIC Platte gemacht. Na ja, die ABB war poppiger denn je mit "Win, Loose Or Draw", CHICAGO bei "VIII" und waren schon mit dem Zählen durcheinander gekommen; die EAGLES hatten in einer dieser Nächte das Hotel California noch nicht gefunden - das kam erst nächstes Jahr, ZEP malten Graffiti an die Wand - Gott, was soll man zu so einem Album sagen? - SKYNYRDs "Nuthin' Fancy" war countrylastiger als die Vorgänger - da war es doch natürlich, dass eben auch TITANIC mal in Southern-Rock-Gefilden entschwebte.
Riding Shot Gun On My Soul war eine wunderschöne Ballade einschließlich Gospelchor, Der Honky Vagrant rockte munter einschließlich Slide und Harmonika; Ballad Of A Rock'n'Roll Loser war TITANICs Übersong vom 'Rock'n'Roll I gave you all the best years of my life…'.
The Crippler shuffelt einschließlich Double Lead, Ricochet ist New Orleans Groove, Following A Line ein semi-akustischer Country-Rocker der oberguten Sorte. Buckshee Woman ist die Witch Queen von REDBONE (von der anderen Seite aus betrachtet), funky dat, man; Gambler Dealer hat ein unglaubliches Akustikgitarrenriff und rockt über Slide und elektrischer Gitarre und Orgel, und so geht es ohne Ausfälle weiter zu dem Hit Sliding Down Again. Prima Mucke das - erstehenswürdig.
Die letzte Platte der ursprünglichen Band TITANIC war dann "Return Of Drakkar" 1977/1978, die in Lateinamerika und Europa veröffentlicht wurde, jedoch leider ohne große Aufmerksamkeit zu erregen. Schade eigentlich, denn dieser 'Reigen schöner Melodien' hätte es durchaus verdient - nur es gab jetzt Ausgangs der 70er eben neue Heroen und Platten, wie etwa … PUNK! SEX PISTOLS, RAMONES, THE DAMNED, you name it. Und da war TITANIC - die das natürlich nicht in ihre Musik einpassen wollten - out, wie viele andere auch.
Geboten wurde etwa Jacknife, ein basslastiger, orgelgetriebener, pluckernder Eurofunk; Mr. Hyde als konservativer RARE EARTH ähnlicher White Soul/Rock'n'Roll wie auf RARE EARTHs Good Time Sally. Haunted House ist eine langsame, dramatische Chorus-gestützte Popnummer; My Gate To Hell wieder White Soul mit schöner Wah-Wah, Cascade ein Slowblues mit typischer TITANIC-Orgel, Blue Train pluckernder, gitarrengetriebener Power Pop, Flashback entpuppt sich mal wieder als Santana-Pop mit Synth-Teppichen; Round'n'Round ist gar ein Reggae. Sparkley Brown ist wieder Synth-Pop und Let It Ride rockt das Ende. Eine reife CD, die noch mal das Beste an TITANIC auf einer Platte versammelte, und dann war irgendwann erstmal Schluss.
Loseth trat der Band SPACE aus Frankreich bei, mit der er als einer der ersten Rock'n'Roller auch in der UdSSR reüssierte ('Space' - das mochten diese Weltraumeroberer), und gründete dann die JAN LOSETH BAND, mit der er tourte. Roy schrieb Filmmusik und lebte in England und den USA.
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Es gab dann noch "Eye Of The Hurricane" und 1994 "Lower The Atlantic" (psst: was passiert, wenn man den Atlantik senkt? Genau, die Titanic kommt zum Vorschein), aber rechtliche Probleme verhinderten eine nennenswerte Auflage.
Und eben die Songs von "Lower The Atlantic" fanden jetzt bei der Reunion Aufnahme auf "Ashes And Diamonds". Die Band besteht heute aus den alten Recken Loseth und Robinson und Bandmitgliedern von Loseths Tourband und dem Drummer Didier Blum.
Tja, und da sind wir nun wieder in der Gegenwart, und TITANIC hat sich mit den Diamanten eigentlich einen Platz zurück an der Sonne erspielt, aber - man wird wohl nicht so ganz richtig aufmerksam. Das liegt wohl auch daran, dass deutsche Konzertagenturen kein Interesse an einer Tour mit der Band zeigen, was in Zeiten, wo jede noch so kleine und obskure Zweimann-Punk'n'Kleckerband mit deutschen Texten und atonalem Gesinge durch die Gegend geschickt wird, verwundert. Da muss mal eine gute Booking Agency her.
I'm The Law ist ein Call'n'Answer-Rocker mit Südstaatenflair, geilem Sax (Wilton ist ein Gewinn für die Band) und scharfem Gitarrensolo - Herr Loseth kann's noch. Und Robinsons Stimme ist mittlerweile rauer als die vom Mod-Rod - 100% balladentauglich!
Rivers Run Dry ist ein Mid-Tempo Rocker à la TEN YEARS AFTER, einschließlich Ho-Ho Chor, der so typisch für TITANIC ist. Blame It On The Moon und Heart Of Rock sind wunderschöne Balladen - Mann, mit der Stimme kann man nix verkehrt machen! Looking Into The Sun ist ein Rock'n'Roll at its best. Moonshine Machine einfach der beste Song, ein Südstaatenrocker mit Shuffle Einlagen, die vom Sax gewürzt werden - SKYNYRD würden den sofort auf ein Album nehmen. Howlin Wind erinnert an Gerry Rafferty, nicht zuletzt wegen des Saxophons.
Rain hat ein bisschen was von Simon und Garfunkel geerbt, hmm, ein bisschen mehr als ein bisschen vielleicht.
Wake Me Up When I Get There ist wieder ein Mid-Tempo Bluesrocker mit catchy Refrain, Tear Me Up ist Rock'n'Roll mit ROXY MUSIC-Sax.
Sultana und I See No Reason werden als Zulage gegeben, wobei mir die etwas rauere Erstfassung von … Reason besser gefiel.
Alles in allem ein wirklich gutes Teil, ohne natürlich - hey, das ist TITANIC! - letztlich etwas Neues zu bieten. Aber: wer TITANIC kauft, weiß und will das. Anhören, wenn man ein Interesse an Classic Rock hat.
So, und könnte sich jetzt bitte jemand erbarmen und die Band auf eine Clubtour hierher holen! Und an die Titanics: Jungs, ein Livealbum, das mal so richtig schön rockt und all die Knaller, die ihr unter eurem Gürtel habt, vereint, das wäre doch was.
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