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The Visitor

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The Visitor
The Visitor
The Visitor, SPV, 2009
Phil Mogg Vocals
Vinnie Moore Guitars
Paul Raymond Guitars & Keyboards
Andy Parker Drums
And:
Peter Pichl Bass
Länge: 42 Min 21 Sek Medium: CD
1. Saving Me6. Living Proof
2. On The Waterfront7. Can't Buy A Thrill
3. Hell Driver8. Forsaken
4. Stop Breaking Down9. Villains & Thieves
5. Rock Ready10. Stranger In Town

Just in diesem Moment beginnen AC/DC ihr vermutlich letztes Stadionkonzert in München. Wenn man hier, nur wenige Kilometer entfernt, das Fenster aufmacht und die Kopfhörer abnimmt, hört man die knapp 80.000 Zuschauer röhren und den Rhythmus klopfen. Warum man aber 300 Euro und mehr für ein solches Konzert bezahlen soll, nur weil vermutlich die Hälfte der Tickets von den offiziellen Verkäufern zu Wucherpreisen bei Ebay vertickt werden, bleibt einem normalen Fan wohl für immer verborgen (übrigens auch, dass der ekelerregend schnöselige Bundeswirtschaftsminister Guttenberg mit seiner überaus blonden und ebenfalls adeligen Gattin erschien; die hatte sich Teufelshörner aufgesetzt...). Nun ja, es bleibt die Erinnerung an viele AC/DC-Konzerte seit 1978 - und die Befriedigung, keinem Abzocker die Urlaubsreise bezahlt zu haben. Also Kopfhörer wieder auf und on with the Action.

UFO haben vor vielen Jahren auch vor 80.000 Menschen gespielt. Phil Mogg wird nicht müde zu betonen, dass er diesen Zeiten nicht nachtrauert. Man kann ihm das glauben, der Mann ist in diesen Dingen eine ehrliche Haut. Und Realist genug, dass ihm klar ist, dass die wechselhafte Geschichte seines Flugobjekts letztendlich dazu geführt hat, dass das UFO heute in den mittelgroßen Hallen landet, anstatt das Olympiastadion zu füllen. So ist das Leben, Herr Mogg ist's zufrieden und ihm geht es gut. Nicht gut geht es Pete Way, dem Bassisten-Urgestein und Rock & Roll Untier. Pete hat massive Leberprobleme und liegt b. a. w. flach, sein Ersatz auf der aktuellen UFO-Platte "The Visitor" wird in den Credits nicht genannt, heißt Peter Pichl, kommt aus Hannover und ist seit etlicher Zeit Mitglied von NEKTAR. Der arme Ungenannte darf aber nicht auf der Tour dabei sein, dort wird Barry Sparks (u. a. DOKKEN, Nugent, MSG) den Bass zupfen. Schade eigentlich, Pichl macht einen guten Job, freilich nicht so markant wie Pete Way, aber Barry Sparks wird auch nicht auffälliger sein können als der irre Pete, dem die vielen Jahre im Suff nun endlich doch geschadet haben. Es wäre schön, wenn er zurückkäme.
Aber nun zum Album "The Visitor".

Bei UFO passieren abwechselnd tolle und gute Platten. "The Monkey Puzzle" zählte vor drei Jahren zu den 'nur' guten, "The Visitor" ist ein tolles Teil. Und das, obwohl Way nicht dabei ist, die Aufnahmen individuell in Deutschland, England und Amerika stattfanden, und die Band UFO jetzt 40 Jahre auf dem Buckel hat (es gibt übrigens erfreulicherweise kein großes Jubiläumsspektakel).
Andy Parker spielt nach seinem zwischenzeitlichen Leben als Privatier wieder Schlagzeug und Paul Raymond wird in leichter Geschichtsklitterung inzwischen als "original member" geführt, obwohl er doch erst mit CHICKEN SHACK und SAVOY BROWN Meriten sammelte, bevor er schließlich 1977 auf "Lights Out" reüssierte, aber das spielt nach so langer Zeit keine echte Rolle mehr. Wichtiger ist die aktuelle Rolle von Vinnie Moore, dem Gitarrenzauberer aus Delaware. Und der geht auf "The Visitor" dermaßen sympathisch in die Vollen, dass man ihm jeden Vorurteils-Malus seit seiner Anheuerung 2003 getrost streichen darf. Bis auf zwei Ausrutscher liefert Moore so perfekten UFO-Rock ab, wie man ihn tatsächlich lange, eigentlich nie gehört hat, denn so harsche Blueseinflüsse gab es bis dato nicht. Moore überzeugt in vielen Songs als Purist!
Eine Dobro (?) zum Einstieg von Saving Mey, klassischer Hard Rock danach, das geht direkt ins Blut. On The Waterfront ist das erste Augenzwinkern in Richtung Vergangenheit, Raymond orgelt retro, Moore bringt ein prima Blues-Solo. Spätestens bei dieser zweiten Nummer wird mancher nach Phil Moggs Stimme fragen, aber es ist nicht nötig, denn klar ist, dass Mogg definitiv nicht mehr die Sirene von seinerzeit im Hals hat, er ist immerhin 61. Aber es reicht immer noch überreichlich für so wundervolle Melodie-Rocker wie sie zuhauf auf "The Visitor" gelandet sind. Subtiler Boogie kommt vor, herrliche Melodiebögen, Highway-Rock in Hell Driver, es dauert wirklich lang, bis der erste Langweiler auf "The Visitor" erscheint. Das ist Can't Buy A Thrill als #7.
Das Drumming von Andy Parker unterscheidet sich von dem von Jason Bonham (2003 bis 2006) nur marginal, aber die Rückkehr von Parker gibt ein gutes Gefühl. Man sieht förmlich seinen massiven Körper zu Rock Ready einsteigen. Crash, boom, bang.
Living Proof ist das Experiment der CD. Und es ist gelungen. It's funky, it's groovy and it ends up with a Boogie. Genau bei Minute 2:20 setzt eine so unwiderstehliche Power ein, kulminierend in einem unglaublichen Moore-Solo, dass man selbst als mittelalter Rocker alle Hemmungen verliert. Grandios.
Die Ballade Forsaken wäre belanglos, wenn nicht zur Halbzeit Raymond und Moore prägend einsteigen würden, und Villains & Thieves kommt gar mit dem wohl schmutzigsten Riff der UFO-Geschichte daher.

Jetzt hört man gerade durch die ganze Stadt die Kanonen von AC/DC. We salute you: UFO!

PS: Es gibt eine Vinylversion dieses Albums (zweites Bild links). Das Covergemälde ist grandios. Warum man wohl für die ohnehin winzige CD das Gemälde verkleinert und in einen braunen Rahmen gezwängt hat...?

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.05.2009

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