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| Ultra, Vintage/Rockadrome, 2007 (1975-77) |
| Galen Niles |
Guitars |
| Larry McGuffin |
Guitars |
| Don Evans |
Vocals |
| Tom Schleuning |
Drums |
| Scott Stephens |
Bass |
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Länge: 65 Min 22 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Mutants | 9. Seasons Pass |
| 2. Android | 10. City On Ice |
| 3. Battery | 11. The Desert |
| 4. Ten Years Since | 12. Souled There With Care |
| 5. Lamp Black, White Fight | 13. Man On The Street |
| 6. Windjammer | 14. Get Away |
| 7. Diggin' Deep | 15. Compass |
| 8. Circe | 16. Hot-N-Cold |
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Das sind die Momente, in denen man wieder ganz genau weiß, dass man richtig ist in seinem selbstgewählten Wahn. Hat irgendwer schon mal von der texanischen Band ULTRA gehört? Von Musikern namens Galen Niles, Larry McGuffin, Don Evans, Tom Schleuning oder Scott Stephens? Nicht? Das beruhigt den Sammler und Jäger.
Die Band ULTRA existierte etwa von 1975 bis 1978, entstand aus der mindestens ebenso obskuren Progressive Band HOMER und veröffentlichte niemals eine reguläre Schallplatte. Laut Booklet dieser Wiederveröffentlichung aus den Jahren 2000 und 2005 (das damalige Label Monster Records nennt sich nun Vintage/Rockadrome) gab es nur eine 5-Track Promo-LP ohne Cover, plus die hier vorliegenden weiteren 11 zwischen 1976 und '78 aufgenommenen Nummern. Das ist nicht viel für eine Band, die offensichtlich den Anspruch hatte, statt in den kleinen Clubs lieber als Support damaliger Größen aufzutreten. Namen werden im Info leider nicht genannt, aber man kann sich etwa vorstellen, wie es wohl als typische Vorband im Texas der mittleren Siebziger war. Dienstag vor ZZ TOP in Austin, Freitag in Houston Anwärmer für GRAND FUNK, schließlich Samstag gegen 14 Uhr als erste Band beim County Fair in Garland. Die zweite Vorband POINT BLANK und die Headliner BLACKFOOT, MOLLY HATCHET und Ted Nugent sah man bestenfalls im Vorbeigehen, für ULTRA war kein Platz im Konzert der großen Bands. Nicht mal für einen Plattenvertrag hat es gereicht, obwohl den doch damals annähernd jeder bekam.
Woran das Scheitern lag, wird im schmalen Covertext nicht näher erklärt, vielleicht waren es tatsächlich nur die berühmten Kleinigkeiten und unglücklichen Umstände, vielleicht benahm sich die Band einfach falsch. Man weiß es nicht. Tatsache ist, dass ULTRA trotz des ultra-dämlichen Namens vor dreißig Jahren eine richtig starke Kapelle waren. Was diese Zusammenstellung damals nie bzw. halbherzig veröffentlichter Songs nachdrücklich beweist.
Die Verwandtschaftsverhältnisse sind größtenteils bereits beschrieben, die einen sind näher und die anderen entfernter verwandt, vielleicht kann man noch HYDRA, die vom Capricorn Label verschluderten Southern-Boogie-Hardrocker aus Atlanta hinzufügen. Und es gibt Verbindung nach England bzw. Holland. Die drei Songwriter und Mainmänner Niles (Guitar), McGuffin (Guitar), Evans (Vocals) haben sehr genau auf die europäische Szene geschaut und sich relativ unverhohlen auch bedient. WISHBONE ASH, THIN LIZZY, GOLDEN EARRING, manchmal die STONES (das Intro zu Windjammer ist original Let's Spend The Night Together), es ist so ziemlich alles von damaligem Rang und Namen vertreten. ULTRA waren also nichts weniger als einmalig, aber sie haben gerockt. Was die CD zum unverzichtbaren Pflichtkauf für Fans zweistimmiger Gitarrenmusik macht.
Los geht's mit einem waghalsigen doppelläufigen Gitarrensolo in Mutants. Feister Hardrock der mittleren Siebziger, leicht an BLUE ÖYSTER CULT erinnernd (nicht wegen den Mutants!), gefolgt vom Radar Love-Rip-Off Android, das im Verlauf ebenfalls wieder Richtung BÖC schwenkt. Battery kommt etwas psychedelischer, ebenfalls heavy und mit gehörigen Zweistimmigen. Ein gewaltiger Anfang, zwar noch nicht wirklich southernrockig, dafür brachial.
Der Einstieg in Ten Years Since ist komplett LIZZY, nach dem Break wird's zum Texasboogie mit spektakulären Double Leads und prickelndem Riffing. Eine gewisse Klientel geht bei solchen Tönen steil und kann danach recht hölzerne Rocker wie Lamp Black, White Fight ohne größere Schmerzen verkraften. Niles und McGuffin brillieren an den (ausdrücklich genannten) Gibsons auch in den schwächeren Stücken.
Man merkt an einigen Songs, dass sie zum Aufnahmezeitpunkt nicht endgültig ausgereift waren, manches hört sich nach Rohfassung an, Breaks und Rhythmuswechsel erscheinen teilweise willkürlich, doch im Endeffekt löst sich alles in trefflichen Südstaaten-Tönen auf. Verblüffend, wie beeindruckend zwei Gitarristen sein können, obwohl die Kompositionen eher wankelmütig anmuten.
Der Sound dieser Compilation ist artgerecht, d.h., er klingt nach den Entstehungsjahren. Wunderdinge darf man sich nicht erwarten, der eine oder andere Gimmick geht nach heutigen Gesichtspunkten auch mal richtig in die Hose. Die Gitarren sind in der Abmischung teilweise etwas "spitz" (speziell wenn auf Fender Gitarren zurückgegriffen wird), Bass und Schlagzeug variieren im Klang je nach Aufnahmesession, Don Evans war ein Sänger, der seine "Trademark"-Stimme noch nicht gefunden hatte. So knödelt er auf der ohnehin fragwürdigen Halbballade The Desert ganz anders als sonst. Doch auch diese Nummer wird von den Gitarren aus dem Höllenfeuer gerissen.
Immer wenn es in die Abteilung Boogie geht, brechen sowieso alle Dämme. Dann wird geshuffelt und soliert wie aus dem Bilderbuch. Höre Windjammer, Souled There With Care, Ten Years Since und etliche weitere.
Bleibt zu hoffen, dass die Band aufgrund dieser neuerlichen Wiederveröffentlichung nicht auf die Idee kommt, sich nochmals zusammenzutun. Wie peinsam das enden kann, hat man kürzlich erst bei POINT BLANK erleben müssen. Es reicht völlig, wenn wir uns über dieses drei Jahrzehnte gehütete Geheimnis heute freuen dürfen.
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