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Voices Of Rock

MMVII

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All Music Guide (englisch)

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MMVII
MMVII, AOR Heaven, 2007
Michael Voss Lead & Acoustic Guitars
Chris Lausmann Guitars, Bass, Keyboards
Bertram Engel Drums
Angel G. Schleifer & Tommy Denander Lead Guitars
Gäste:
James Christian, Jean Beauvoir, Terry Brock, Dan Reed, Johnny Gioeli, Harry Hess, Göran Edman, Robin Beck, Steve Overland, Gary Barden Vocals
Produziert von: Chris Lausmann & Michael Voss Länge: 44 Min 12 Sek Medium: CD
1. Voodoo Woman (feat. James Christian)6. Irresistible (feat. Harry Hess)
2. Wild Thing (feat. Jean Beauvoir)7. China In Your Hands (feat. Göran Edman)
3. Nightingale (feat. Terry Brock)8. Underloved (feat. Robin Beck)
4. Over And Done (feat. Dan Reed)9. Slip Away (feat. Steve Overland)
5. Phoenix Rising (feat. Johnny Gioeli)10. Love Is Blind (feat. Gary Barden)

Als Michael Voss und Chris Lausmann vor ein paar Monaten die Elite der Melodic-Schreiberlinge (hust) zur Vorführstunde ihres neuen Projekts in ein schickes Münchner Studio luden, gingen die Erwartungen von leise skeptisch bis ziemlich euphorisch angesichts des mächtigen Aufgebots an Sangeskünstlern. Die Frage darf erlaubt sein, ob solche Elefantentreffen mit Protagonisten einer absolut nicht trendigen Musik überhaupt Sinn machen, schließlich ist Melodic Rock heutzutage ein - zwar beinahe inflationär vermarktetes - Nischenprodukt und die versammelten Helden haben allesamt längst leichte Patina angelegt. Außerdem gab es in der Vergangenheit bereits diverse ähnlich gelagerte Versuche, die jedoch meistens gehörig in die Hose gingen, weil das Songmaterial den beteiligten Musikern nicht standhalten konnte und in aller Regel dreist aufs Hausfrauenpublikum abzielte. Radiofutter für die bügelnde Bevölkerung und mitnichten knackige Rockmusik. Nur völlige Optimisten dürften demzufolge ohne kritische Hintergedanken an VOICES OF ROCK herangehen. Andererseits ist eine Scheibe mit so vielen großen Namen natürlich immer interessant, schließlich will man wissen, welcher der alten Helden es noch kann und welcher schleunigst ins Altersheim umziehen sollte.
Äußerst beeindruckend, was für Kaliber Lausmann und Voss in die verschiedenen Studios holen konnten. Das macht einmal mehr deutlich, welchen Status diese beiden Typen international haben. Wir Schmierfinken neigen ja leider zu despektierlichen Äußerungen gegenüber solchen Viel- und Schwerarbeitern, immerhin taucht Michael Voss auf annähernd jeder dritten heimischen Veröffentlichung des Genres auf, Lausmann kaum weniger oft. Nimmt man dazu noch die Komplizen an den Gitarren bzw. am Schlagzeug, hat man flugs eine hübsche Musikermafia zusammen. Tommy "Überalldabei" Denander, Angel G. Schleifer (nach wie vor einer der ganz wenigen Trademark-Gitarristen dieser Spielart) und Bertram Engel (seit seinen Tagen beim PANIKORCHESTER ein Schlagzeuggott) bürgen natürlich für Qualität, schüren aber auch Ängste, dass man alte Hüte in neuen Schachteln nachgeworfen bekommt. Und prompt ist es so, kaum ein Ton auf dieser CD ist neu. Das haben uns die beiden Produzenten und Songwriter aber auch mit grinsender Miene versprochen.

Im Grunde weiß man nicht, wo man mit dem Herumwerfen von Namen anfangen soll. Entweder mit den Sängern oder mit den gefühlten zwei Dutzend Referenztönen auf diesem Album. Zweites ist einfacher, man muss sich nur an etwa jede Band aus den Achtzigern zwischen DEF LEPPARD und RAINBOW erinnern, dann hat man die Einflüsse zusammen. Dazu 13 Songs, von denen höchstens eineinhalb in Belanglosigkeit versinken (leider ist ausgerechnet Irresistible mit Harry Hess von HAREM SCAREM einer dieser Kandidaten), eine angemessen druckvolle Produktion und natürlich die eingefangenen Nachtigallen. Herausgekommen ist tatsächlich ein Rock-Album mit klassischen Melodien, die nur ganz schwer wieder aus dem geneigten Köpfchen der Fans solcher Mucke herausgehen werden. Wer beispielsweise von Robin Becks Underloved nicht begeistert ist, braucht sich diese CD nicht kaufen. Ein Beweis mehr, dass man einer Supersängerin wie Mrs. Beck nur einen klasse Song geben muss, damit sie einen Hit daraus macht.
Voss und Lausmann hatten eine Menge netter Anekdoten über die Entstehungsgeschichte des Albums zu erzählen, eine davon handelte von Robin Beck und ihrer Arbeitsweise. In nur einem Tag sang sie ihren Part inklusive sämtlicher Backings ein; Profi eben.

Gary Barden bekam mit Love Is Blind einen richtigen Kracher vorgesetzt, den Vogel in Sachen Schmackes schießt aber James Christian (HOUSE OF LORDS) ab. Voodoo Woman hätte vor etwa zwei Jahrzehnten jede Rock-Disco gesprengt.
Den Preis für die schönste Ballade bekommt eindeutig Dan Reed, den Voss übrigens in Jerusalem aufspürte, wo er inzwischen etwas wie Weltmusik fabriziert. Over And Done hat derart gewaltiges Chartpotential ohne jeden Schmiereffekt, dass eine Single wohl unvermeidlich ist.
Ebenfalls voll überzeugen kann Jean Beauvoir mit Wild Thing. Wer dabei zum Beispiel an FOREIGNER denkt, könnte richtig liegen. Noch einen Volltreffer gibt es in China In Your Hands mit Göran Edman.

Bewundernswert, dass bei all den Zitaten über die gesamte Spieldauer keine Langeweile aufkommt. Noch bewundernswerter ist, dass die beiden Initiatoren punktgenau für jeden Song den richtigen Sänger ausgesucht haben. Man muss Bands wie FM oder HARDLINE nicht bedingungslos lieben, aber ihre Sänger waren und sind unbestreitbar Größen in ihrem Geschäft - und Lausmann und Voss haben aus diesem Potential ein schlüssiges Album gezimmert. Strike!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.07.2007

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