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Guitar Gangsters & Cadillac Blood

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Guitar Gangsters & Cadillac Blood
Guitar Gangsters & Cadillac Blood, Mascot Records, 2008
Michael Poulsen Vocals & Guitar
Thomas Bredahl Guitar
Anders Kjølholm Bass
Jon Larsen Drums
Gäste:
Jacob Hansen Vocals
Pernille Rosendahl Vocals (Mary Ann's Place)
Produziert von: Jacob Hansen Länge: 48 Min 34 Sek Medium: CD
1. End Of The Road (Intro)9. Light A Way
2. Guitar Gangsters & Cadillac Blood10. Wild Rover Of Hell
3. Back To Prom11. I'm So Lonesome I Could Cry
4. Mary Ann's Place12. Broken Man And The Dawn
5. Hallelujah Goat13. Find That Soul
6. Maybellene I HofteholderBonus Track:
7. We14. Making Believe
8. Still Counting

VOLBEAT kommen bekanntlich aus Dänemark und haben daher schon grundsätzlich einen Sympathie- und Fun-Vorsprung, man muss nur an D-A-D oder an die Europameister von 1992 denken. Live sind VOLBEAT Metal-Entertainment pur (allerdings ist die Dauerpräsenz auf den Bühnen Europas vermutlich nicht ewig durchhaltbar), und wenn man die Hysterie ziemlich erwachsener Musikjournalisten in den etablierten Printmagazinen verfolgt hat, bleibt nur noch die Frage, ob diese Band eine kurzfristige Hype-Erscheinung ist, oder ob der Ober-Volbeat Michael Poulsen Ideen für mehr als die inzwischen drei Langspielplatten hat.
Klar ist, die Geschichte dieses Albums ist noch nicht fertig erzählt. "Guitar Gangsters & Cadillac Blood" braucht noch mindestens eine Fortsetzung, denn der "Held" des Albums ist zwar tot, hat aber trotzdem eine Band und sucht auf Tour nach seinem Mörder. Ein Konzeptalbum also.
Gut zu wissen, dass "Guitar Gangsters…" einem roten Faden folgt, jedenfalls über sieben der 13 ½ Songs, aber essentiell für das Gelingen des Albums ist es nicht. Poulsen ist offenbar ein Mann mit Hang zu skurriler Literatur und schreibt selbst nette kleine schräge Storys. Ist völlig okay für einen ehemaligen Death-Metaller.

VOLBEAT sind immer dann gut, wenn sie entweder auf Melodie setzen oder die konventionellen Metal-Pfade verlassen, das hat sie auch in der kurzen Zeit so populär gemacht. Nachdem zuletzt zwei neue Scheiben aus der Hartwurstabteilung eher enttäuschten ("Backyard Babies" wegen mäßiger Songs und "Death Magnetic" wegen Unglaubwürdigkeit), ist "Guitar Gangsters & Cadillac Blood" sozusagen die Herbsthoffnung des härteren Rock & Roll. Und tatsächlich, der Einstieg gelingt. Tarantino-Intro und der die Story erklärende Titelsong kommen gut. Ein absoluter Ohrwurm mit Bratzgitarren und dazu noch richtig stark produziert, sogar die Double-Bass swingt. Auch Back To Prom, der erste Off-Story Song, überzeugt mit Schwung und pfiffiger Melodie, dauert aber leider nur knapp zwei Minuten. Mary Ann's Place wird von der Sängerin Pernille Rosendahl, den eröffnenden Kastagnetten (oder was auch immer da klappert) und einem fetten Blast-Teil über die Zeit gerettet, aber schon hier deutet sich das generelle Problem zeitgenössischer Musik dieses (und aller anderen) Genres an: so richtig originell sein ist im Jahr 40 nach LED ZEPPELIN verdammt schwer.
Poulsens Hang zur Hymne erleichtert die Sache, entsprechend ist Maybellene I Hofteholder auch die Single geworden. Für We kommt erstmals der geliebte Country-Sound richtig zum Einsatz, kann aber nicht verbergen, dass der Song auch von beispielsweise J.B.O. stammen könnte. Prima Schunkel-Metal, live garantiert ein Bringer, auf CD eher nichtssagend. Es schleicht sich für ein paar Nummern doch leichte Langeweile ein, auf hohem Niveau zwar, aber trotzdem. Sogar die METALLICA-Hommage Wild Rover Of Hell brilliert nur gesanglich.
Erst mit I'm So Lonesome I Could Cry geht es wieder aufwärts, der alte Hank Williams Tränendrücker ist originell interpretiert und geht ins Bein. So ein Klopfer könnte auch von Dan Baird nach ein paar Drinks zum Spaß live gespielt werden. Natürlich in der Boogie- und nicht in der Metal-Version. Das war's dann im Grunde schon, der Rest ist nett, aber nicht welterschütternd. Einzig der Bonus Track der Erstauflage vermittelt noch mal korrektes Country-Punk'n'Roll-Vergnügen. Die Nummer wurde ursprünglich von einer gewissen Kitty Wells gesungen, die der jüngeren Generation bis 60 wohl nicht sonderlich erinnerlich ist. Die Lady ist inzwischen 90 und war mal ein Country-Superstar. SOCIAL DISTORTION müssen das Ding ebenfalls mal gecovert haben, und so klingt es auch.

VOLBEAT sind im Bereich "Hart & Heftig" eindeutig Quartalssieger, aber für einen Klassiker hat es wenigstens diesmal nicht gereicht. Vielleicht wäre es dienlich, wenn Poulsen demnächst neue Songs nicht im Tourbus schreibt, sondern sich eine kleine Auszeit nimmt und im stillen Kämmerchen dichtet und komponiert. Das Talent für den ganz großen Wurf hat er allemal.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.09.2008

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