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Whiskey Myers

Road Of Life

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Road Of Life
Road Of Life, Smith Entertainment, 2008
Cody Cannon Lead & Background Vocals, Rhythm Guitar
Cody Tate Lead & Background Vocals, Lead Guitar
John Jeffers Background Vocals, Lead Guitar
Gary Brown Background Vocals, Bass
Jeff Hogg Drums
Produziert von: Mike McClure Länge: 73 Min 42 Sek Medium: CD
1. Thief Of Hearts8. Goodbye Girl
2. Kyle Hope9. Summer 2005
3. Gone Away10. American Outlaws
4. Lonely East TX Nights11. Nobody Knows Her Name
5. Hippie's Lament12. Russell's Song
6. Road Of Life13. TYA
7. Melancholy Blues

Amerika verarmt bekanntlich zusehends, den Menschen werden die Häuser reihenweise unter dem Fernsehsesselarsch weggepfändet. Im Süden und Mittelwesten noch mehr als an der Ostküste, wo sich die Finanzverbrecher längst ihre Pfründe geschaffen haben, aber unsere Musiker, egal woher, verarmen nicht, die sind schon seit Jahren mittellos. Besonders dreckig geht es offenbar den Südstaatenrockern, was zu einer zunehmenden Flut von ärmlichen CD-Veröffentlichungen geführt hat. Mal werden unproduzierte Proberaumaufnahmen von Saloon-Coverbands auf CDR angeboten, mal wird am Songwriting gespart, oft am Verstand, es ist insgesamt ein Graus, was aus dem stolzen Southern Rock geworden ist. Das neueste Beispiel sind die WHISKEY MYERS aus Texas, bei denen es noch nicht mal für einen vernünftigen Namen gereicht hat.
Zugegeben, das war ein Scherz, aber WHISKEY MYERS klingt für einen Deutschen einfach doof, fast wie ein niederbayrisches Bierbichler. Dabei haben die fünf Jungspunde in das bedauerlich dünne Booklet gute 73 Minuten hochklassige Musik gepackt - und werden vermutlich doch auf halber Strecke verhungern. Schade, weil:

… "Road Of Life" gut bis sehr gut produziert ist, mehr als eine handvoll überdurchschnittliche Songs vorweisen kann, trotz des allgegenwärtigen Vorbildes LYNYRD SKYNYRD kein zusammengewürfeltes Diebstahlprodukt ist, eine frische Band vorstellt, die es wirklich kann. Jawohl.
Auch diese CD beginnt zur allgemeinen Überraschung mit dem ersten Song, und verblüfft dennoch. So ein Intro hat man noch von keiner Southern-Band gehört, das dazugehörige Lied Thief Of Hearts ist zwar weit weniger innovativ, marschiert aber mit einer ganzen Armada von Gitarren und dem wunderbar unverbrauchten Gesang des Herrn Cody Cannon (oder ist es Herr Cody Tate?) feinste viereinhalb Minuten ganz weit vor den meisten Platzhirschen des Genres. Ein klarer Fall für die Southern-Charts des Jahres. Mit Kyle Hope wird gleich danach einen Gang heruntergeschaltet, aber so einen sommerlich flotten Melodieohrwurm hört man ansonsten bestenfalls von einigen ausgesuchten Jam-Bands. Die Ober-Jam-Brothers konnten so was früher auch, aber daran werden sich die meisten Leser nicht mehr erinnern. Leider passiert hier zum ersten Mal ein dummer und leicht vermeidbarer Fehler: Die Nummer wird einfach gefühllos ausgeblendet, anstatt sie mit einem anständigen Tusch zu Ende zu bringen. Dieser nervende Unfug begegnet uns in der Folge noch öfter.
Drei sinnvoll eingesetzte Gitarren mit phasenweise begeisternden Formationsflügen und gezielten, oft abwechselnden Soli, die variable Rhythmusabteilung und der tolle Gesang machen auch die eher unspektakulären Songs zu Hinhörern, Langeweile kommt auf der Straße des Lebens keine auf. Dazu kommt noch die helfende Hand des Produzenten Mike McClure, der als Solokünstler, Bandleader und früher mit THE GREAT DIVIDE seit Jahren die Fahne des so genannten "Red Dirt Rock" schwenkt. Red Dirt ist in etwa so erhellend wie No Depression Music, Fakt ist, dass sich der in Oklahoma erfundene Begriff in den USA längst manifestiert hat. Man kann das wahlweise auch als Country Rock, Americana, Roots Rock oder schlicht als coole Musik bezeichnen, es ändert nichts an der Tatsache, dass McClure ganz sicher der Wegbereiter für diese trotz der Ausblendungen höchst geschmackvolle Aufnahme war, ansonsten wären die MYERS echte Wunderknaben und hätten ausschließlich Wahnsinnssongs geschrieben. Haben sie nicht, es ist also noch Platz für einige weitere Werke. Für den Mix auf "Road Of Life" ist übrigens Joe Hardy verantwortlich. Den kennt man von ZZ TOP über die GEORGIA SATELLITES zu Chris Knight, CROSS CANADIAN RAGWEED und ungezählten anderen Koryphäen.

In aller Behutsamkeit und Ruhe ausgespielte Werke wie Hippie's Lament gehen ans Gemüt eines jeden Gitarren- und Southern-Fans, der Titelsong sollte im Abspann eines Road Movie den Helden bei der Fahrt in den Sonnenuntergang begleiten und der Achtminüter American Outlaws würde auf jede Platte von LYNYRD SKYNYRD passen. Am besten wohl in die Phase von "The Last Rebel". Sogar der Melancholy Blues, noch ein XXL-Song über acht Minuten, ist trotz der jammernden Dylan-Harmonica ein echtes Gesangs- und Gitarrenjuwel. Möchte man ob des Titels anfangs nicht glauben.
Die abschließenden 10 Minuten TYA sind das erhoffte Opus, mit allerdings unüblichem Verlauf und Ausgang. WHISKEY MYERS sind keine Band fürs Wunschkonzert, eher eine für das aufgeweckte Rock'n'Roll-Spielkind.

"Road Of Life" ist nach langer Zeit wieder eine echte Hoffnung für den Fortbestand einer Musik, die seit vielen Jahren als Synonym für Stillstand und Reaktionismus gilt. Die Kritikerpäpste (des "Rolling Stone" etc.) hatten immer Unrecht, denn Southern Rock hat, wie jede andere Musik, nur an den Rändern unschöne Auswüchse, im Kern ist es die bestmögliche Unterhaltung überhaupt.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.10.2008

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