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| Unfinished Business, Cherry Red Records, 2011 |
| Andy Bown |
Vocals, Guitars, Harmonica |
| Mick Rogers |
Guitars |
| Trevor Bolder & Brad Lang |
Bass |
| Henry Spinetti |
Drums |
| Juliet Roberts & Sylvia Mason-James |
Vocals |
| Produziert von: Mike Paxman |
Länge: 41 Min 17 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Ruby And Roy | 6. Right As Ninepence |
| 2. Rubber Gloves | 7. I Got A Million |
| 3. A Matter Of Time | 8. Tick My Box |
| 4. When The Lights Went Down | 9. Built To Last |
| 5. Keeping The Wolf Away | 10. A Good Innings |
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Schon wieder einer mit einem "Unfinished Business". Vor ein paar Wochen wollten die alten Herren von STRETCH noch was erledigen, diesmal ist es der zünftig ergraute Sympath Andrew 'Andy' Bown.
Wirklich bekannt ist der Mann natürlich nur bei den Fans von STATUS QUO, wo er seit 38 Jahren für die Keyboards, ein paar Hits (u. a. sind Whatever You Want, Long Legged Linda, She Don't Fool Me, Burning Bridges, Rock 'til You Drop und zuletzt Figure Of Eight oder Rock'n'Roll'n'You von oder mit ihm geschrieben) und auf der Bühne als Gelegenheitsgitarrist für die optische Untermalung von Gerdundula zuständig ist. Dazu schaut er meist still lächelnd vor sich hin und denkt sich wohl seinen Teil - über QUO, die Fans, seine Rolle als loyaler Sideman und die Songs, die er zuhause in der Schublade stecken hat.
Ein paar ältere Fans kennen vermutlich Bowns vier Solo-Alben aus den Siebzigern, die heute, man muss das so sagen, allesamt leicht angestaubt klingen und sowieso eher den Allzweckmusiker und nicht den Rocker Bown präsentierten. Vielleicht wissen ein paar noch ältere Fans, dass Andy Bown in ganz grauer Vorzeit mit THE HERD anfing und daraus resultierend mit Peter Frampton ein paar Jahre später weitermachte. Und die ganz schlauen Kerlchen wissen, dass unser braver Andy für PINK FLOYD als "Schattenmusiker" in der sogenannten "Surrogate Band" bei der "The Wall"-Tour 1980/'81 Bass spielte. Auf "The Final Cut" war er vertreten und auch auf einer Solo-LP von Roger Waters. Eigentlich gar keine so schlechte Vita für einen Berufsmusiker, der seine gesamte Karriere eher leise und unspektakulär neben bzw. hinter den ganz Großen abgearbeitet hat.
Klar, dass da noch ein paar Dinge "unfinished" sind. Also ran an den Speck, dachte sich der Gute, und rief ein paar alte Kollegen an, damit die mit ihm sein fünftes eigenes Album einspielen. Dass die alten Kollegen Hochkaräter sind, spricht für Bowns Stellenwert in der Musikerwelt. Da sind am Werk, neben ein paar anderen, der Präzisionsgitarrist Mick Rogers von der EARTH BAND, URIAH HEEPs Tieftonmonument Trevor Bolder und der Gefühlsschlagzeuger Henry Spinetti (u. a. jahrelang bei Clapton), der in der Groove-Rangliste etwa gleichauf mit Jim Keltner steht.
Bown und seine Kumpels haben das Geschäft zu Ende gebracht. "Unfinished Business" ist das Album geworden, das QUO-Kollege Rossi mit seinem letztjährigen "One Step At A Time" nicht gemacht hat, nämlich ein ganz hervorragendes Rock-Album der wertkonservativen Art, abwechslungsreich, humorvoll, feist rockend und herrlich gefühlig. Da kommen dann Knacker wie Ruby And Roy (ob mit dem lustigen Text "Hit me Roy" wohl gar jener Roy Wood von THE MOVE und ELO gemeint ist?) und der beinahe moderne Rock'n'Roll-Lobgesang auf die Rubber Gloves - so eine Idee muss man erst mal haben, und dann auch noch das passende Video dazu drehen. Very funny und very british.
Zwischendurch besingt Andy all seine Musikerfreunde zur Mandoline und heimtückisch gezupften E-Gitarre (When The Lights Went On), zeigt die hohe Kunst des Liebeslieds in A Matter Of Time und erinnert ein wenig an einen entspannt jammenden Ian McLagan, wenn er nicht gerade Keeping The Wolf Away schnarrt oder sattelfesten Folkrock mit Right As Ninepence in Hymnenform erzählt. Das alles ist Qualitätsmusik mit Liebe, Lust und Laune. Beinahe noch besser wird es, wenn Bown und Band einem gewissen Herrn Knopfler die Leichtigkeit der frühen DIRE STRAITS vor Augen halten und mit I Got A Million mal eben so einen Hit abliefern - für die Charts des Jahres 1978 zwar, aber immerhin.
Schwer shuffelnd und mit satter Chorbegleitung kommt Tick My Box, Mick Rogers spielt dazu eine herrlich stupide Gitarre und Bown grummelt einen Text, der sich als eindeutig nicht nobelpreisverdächtig, dafür umso wirkungsvoller erweist: "I don't need no doctor to tick my box".
Bei Build To Last kommt schließlich sogar eine Art englischer Lou Reed zum Vorschein. Englisch deswegen, weil kein wütender Großstadtneurotiker aus New York lamentiert, sondern eben ein freundlicher Weingenießer aus dem idyllischen Südwesten Londons parliert. Der aber trotzdem Wahrheiten wie in Good Innings aussprechen kann.
"Unfinished Business" wird natürlich kein Verkaufshit, aber es ist ein schönes und absolut gelungenes Soloalbum eines Teamarbeiters, der nie in die vorderste Reihe wollte. Bei Andy Bown gibt es keine Egomanie, keine Sperenzchen, nur verdammt gute Musik.
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