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Errorhead

Organic Pill

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Organic Pill
Organic Pill, Rock The Earth, 23.03.2012 (ab 10.03.2012 bei der Tour)
Marcus Deml Guitar, Keyboards, Backing Vocals
Andrew Greaser Lead Vocals
Frank Itt Backing Vocals
Zacky Tsoukas Drums, Percussion
Produziert von: Marucs Deml Länge: 60 Min 03 Sek Medium: CD
1. Let Me Get Down7. Star
2. I'm Just Existing8. Be Yourself
3. One Of These Days9. Organic Pill
4. Irish Kids10. Big Heart
5. Mool In Love11. Rainy Day
6. Mr. Gonzales12. Alice Has Left The Building

Mit ERRORHEAD ist das so eine Sache - um die Band baut sich ein Wall von Supermusikertum auf, der jedwede Beurteilung der Musik zu erschweren scheint. Wenn ein Drummer eine Drum Clinic macht, muss der ja im Verein mit seinem Basser eine Super Rhythm Group sein; und wenn das Guitar Magazine sagt, dass der Gitarrist eine ganz toller ist und dafür Preise vergibt - dann ist das unbedingt so. Kann den Blick vernebeln, oder gar die Lust an der Musik.
So las man angesichts der letzten CD "Live" eben genau dieses Sammelsurium aus "Mann sind die toll, und, Mann bin ich toll, dass ich das erkenne - hör nur mal diese Rhythmusgruppe" überall - und Schreiber dieses bekam blutige Ohren beim Versuch, genau das zu hören. Bis auf eine nettes Cover der Bassparts von Another One Bites The Dust war da nix wirklich spannendes oder gar außergewöhnliches zu hören; und auch die Songs ließen eine durchaus ruhig schlafen. Unruhig tigerte ich in meinem Reviewkäfig hin und her und fragte mich - habe ich meinen Sinn für gute Musik verloren? Nahm man noch das hippiemäßige, das die Band auszeichnen soll (Peace Sign auf der CD, Marketingzettel hebt darauf ab) mit in die Betrachtung rein war es gar völlig aus, denn locker oder hippiesk kam das nun gar nicht rüber.

Auf der Homepage findet man auch ganz sicher die Hinweise auf das Guitar Mag und neuerdings auf Fender, die mit Deml eng zusammenarbeiten … Tue Gutes und rede drüber. Kann man natürlich auch noch denken, dass Deml 'a guitar player's guitar player' ist und einem eben das Verständnis für all das fehlt, und man ist vollends eingeschüchtert.

Nun also die neue CD - und jetzt mal ganz mit der Ruhe und dieses ganze Zeug von wegen 'Bester dies' und 'Bester das', was ja letztlich auch völliger Unsinn ist schaut man sich nur die so beliebten "Best 100 CDs Of XYZ" an, beiseite gelegt. Sonst wird man ja völlig Demlich vor lauter 'Greatest', hat einen Kopf voll Nebel und sieht nischt.
Deml spielt eine Gitarre mit der Intensität von Carlos Santana (Big Heart) und der Fingerfertigkeit von Joe Satriani gepaart mit der klinischen Kälte der Stevie Ray Vaughan Platten. (Texas) Blues in über 6000 Meter Höhe.
Itt/Tsoukas sind hier tatsächlich das Dream Team, das sie sein müssen, um mit Deml mitzuhalten, und zumeist ist es Itt, der alles am Boden hält und den beiden anderen Freiräume verschafft. Ganz herausragend zu hören im Instrumental Irish Kids, das von solch einem engen Zusammenspiel, Drive und gleichzeitig großer Fragilität an den richtigen Stellen gekennzeichnet ist wie man das selten trifft, inklusive Stereo Ping-pong zwecks Effekt. Deml kann zart-lockend und rau-zupackend, und umschalten von einer Sekunde zur anderen; fehlerfrei und überragend. Zwischendrin fragt man sich, ob er mit oder gegen Tsoukas spielt, und welchen Rhythmus Itt da eigentlich hält, ohne eine Sekunde zu denken, dass das fehlerhaft sein könnte (und auch nicht ist). Und es wird auch nicht übertrieben - der Track ist etwa sechs Minuten lang und genau richtig. ERRORHEAD kann Blues, kann Funk, kann Hard Rock (Fool In Love) - oder vielmehr - sie spielen das so, dass man merkt: die haben sich überlegt haben, dass Hard Rock so klingen muss.

Und das ist mein Problem mit dieser CD, die modernen Bluesrock enthält.

Es fehlt einfach die Street Cred. Das ist Banker's Blues und Rock; so wie die ganzen Bankerjungspunde, die hier in Frankfurt rumlaufen, meinen, ein Steppjäckchen und lange, aber sorgfältig gegeelte Haare sein das Nonplusultra in Sachen Outfit und Eleganz. Das eine ist eine Uniform, und das andere eine klinische Analyse von Blues und Hard Rock. Und ob es nun die oben genannten Tracks sind ist oder der Blues in Mr. Gonzales - das ist für Leute, die meinen, Blues entsteht auf dem Reißbrett. Die mögen sich dann bitte mal Buddy Guys "Damn Right, I've Got The Blues" anhören. Das soundmäßig sicher nicht da, wo "Organic Pill" ist, aber es klingt eben richtig und glaubwürdig.

Instrumental, produktionstechnisch und auch im Bezug aufs Songwriting ist das hier ohne Fehl und Tadel; die Gruppe ist unglaublich aufeinander eingespielt und die Musik in jedem Augenblick ein intellektueller Genuss - aber kein emotionaler. Solche Musik, die Dich packt, kann schlecht gespielt und produziert sein, treibt Dich aber an, auf dem Lenkrad zu trommeln. Und wenn Du dann, nachdem Du so einen Track gehört hast, den CD Spieler ausschaltest, läufst Du durch die Gegend und pfeifst Deine eigenen Solos und komponierst im Kopf Deinen eigenen Sound - weil Du inspiriert bist. Hier nimmst Du noch eine organische Pille und einen Bleistift und ein Lineal, um einen Nussknacker zu konstruieren.

Aber wie das so mit uns schizophrenen Kritikern ist - aus genau den genannten Gründen muss man sich diese CD zulegen, denn es gibt viele Momente im Leben, in denen man gerade dieses Intellektuelle genießt und für emotionales Chaos nicht zu haben ist - und die Platte ist, wie gesagt, wirklich gut. Aber groovt halt nicht, Mahn, nix organisch.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 09.03.2012


 
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