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Eat Dog Eat
Eat Dog Eat, Steamhammer/SPV, 2011
Fast Eddie Clarke Guitars
Toby Jepson Vocals, Bass
Matt Eldrige Drums
Produziert von: Toby Jepson Länge: 44 Min 08 Sek Medium: CD
1. Deliver Me6. Sick As A Dog
2. Fade Out7. Freedom Song
3. Leave The Light On8. Do You Believe
4. Loving Fool9. Love I Need
5. Dead And Gone10. On And On

Das Platten-Comeback von "Fast" Eddie Clarkes FASTWAY nach 21 Jahren ist eines der Sorte "Aha, so so, warum das jetzt?".
Wir erinnern uns: 1983 stürmte der bei MOTÖRHEAD ein Jahr vorher ausgestiegen wordene Gitarrist mit dem Highspeed-Mini-Plant Dave King und dem völlig unzeitgemäßen Debut "Fastway" wie eine wild gewordene Horde Heavyboogie-Spinner aus den Siebzigern krawallend aus den heimischen Stereoanlagen und blies uns die Locken aus der stylischen Dauerwelle. Klar, da waren neben Clarke und dem nicht zu bändigenden Dave King die Haudegen Jerry Shirley von HUMBLE PIE am Schlagzeug und - aus rechtlichen Gründen nur als nicht genannter Co-Songwriter - UFOs Pete Way am Werk. Bei dieser LP hat alles gepasst, die Band, die Songs, der Boogiegroove, die Härte, Eddie Kramers Produktion und die ganz enormen Verkaufszahlen. Ein Jahr später rumpelte "All Fired Up" ganz ähnlich, hatte aber deutlich schwächere Songs im Angebot. Und dann kam von FASTWAY, mit Verlaub, nur noch Mist. Der schnelle Eddie bekam nur noch mainstreamige Presspappe auf die Reihe, irgendwann waren King und Shirley weg und wurden durch gefühlte 30 Kurzzeitnachfolger nie ersetzt. 1992 war gottlob Schluss mit dem Trauerspiel.
Seither hat man von Clarke eigentlich nur komische Geschichten über Geldmangel und Frustration gehört, die in regelmäßigen Abständen gemeldeten Ankündigungen eines alsbald erfolgenden Comebacks konnte man getrost mit dem Stempel "gelesen und gelacht" in der Rundablage versenken, aber seit drei, vier Jahren macht der inzwischen ganz schön verknitterte Gitarren-Hansdampf auf den klassischen Retro-Festivals wieder Betrieb. Und jetzt das Album "Eat Dog Eat".

Als Sänger, Basser und Produzent ist Toby Jepson an Bord, der zehn Jahre lang mit den sträflich unterbewerteten LITTLE ANGELS um ein bisschen Erfolg kämpfte, später mit GUN ebenso scheiterte und sich als Songwriter, Produzent, Schauspieler und Vokalist bei diversen Projekten verdingte. Der Schlagzeuger Matt Eldridge ist bisher nicht negativ in Erscheinung getreten. Was hat Clarke mit den beiden vollbracht?
Leider in erster Linie keine Anknüpfung an "Fastway" und das Jahr 1983. Genau das wäre nämlich die einzig sinnvolle Alternative gewesen, denn nur dieses eine Mal hatte FASTWAY einen Volltreffer gelandet, der einen kleinen Eintrag ins Geschichtsbüchlein der Rockgeschichte schaffte, weil die gebotene Musik zeitlos gut war. Auf "Eat Dog Eat" ist weder die Produktion noch die Qualität der Songs so, dass man dem guten Eddie vorbehaltlos gratulieren könnte. Zwar meidet er jeden Glibber der späten Achtziger und bezieht sich durchaus auf sein Frühwerk, aber die Songs sind einfach unter dem Strich nicht so gnadenlos vom Ohr ins Bein fahrend wie vor 28 Jahren. Natürlich prescht Leave The Light On von einem wilden Riff getrieben herrlich los und markiert einen der wenigen echten Höhepunkte des Albums, aber zu oft gründelt die Band in den eher belanglosen Untiefen des Hard Rock. Die Ohrwürmer fehlen und wohl auch die bedingungslose Leidenschaft eines Dave King, obwohl Jepson fraglos alles gibt und wie eine Mischung aus King und dessen Nachfolger Lea Hart klingt.
Schlecht ist das alles nicht, aber der Knoten platzt letztendlich doch nicht. Kurz davor wäre er bei Sick As A Dog, das mit einer aus MOTÖRHEAD-Zeiten durchaus bekannten Gitarrenfigur brilliert, dann aber vom Refrain völlig ausgebremst und am Ende schnöde ausgeblendet wird. Oder der Freedom Song. Auf "Fastway" wäre er ein netter Füller gewesen, auf "All Fired Up" eine der vielen durchschnittlichen Nummern, im Jahr 2011 sticht er heraus - und ist trotzdem kein Kandidat für die ewige Bestenliste.

"Fast" Eddie ist wieder da, das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass er mit seinen 61 Jahren zwar immer noch flinke Finger hat, aber offenbar nicht mehr die kreative Power, um an sein Referenzwerk "Fastway" anzuknüpfen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.12.2011


 
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