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Beyond The Highway To Hell

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Beyond The Highway To Hell
Beyond The Highway To Hell, Alister Records, 2012
R. Rooby Rubner Vocals
C. Harth Guitar
A. Schneider Guitar
J. Trogisch Bass
M. Stokan Drums
Gäste:
Stefan Weih Keyboards, Piano
Dieter Müller Hammond Organ
Nicole Harth Background Vocals
Clara Lindorfer Spoken Words
Produziert von: A. Schneider & R. Rubner Länge: 49 Min 43 Sek Medium: CD
1. When The Man Comes Around8. Hurt
2. Folsom Prison Blues9. 309
3. San Quentin10. Ring Of Fire
4. Cry, Cry, Cry11. Big River
5. God's Gonna Cut You Down12. Cocaine Blues
6. Flesh And Blood13. Long Black Veil
7. I Walk The Line

Vorsicht! Es handelt sich bei JOHNNY CRASH nicht um den 1990 sang- und klanglos zerschellten AC/DC-Klon aus Los Angeles, sondern um eine ebenfalls nicht mehr ganz junge Horde aus Mainfranken bzw. Südhessen, die - Überraschung! - ganz zufällig auch auf die Australier steht.
So weit, so öde. Wenn da nicht noch die Kleinigkeit wäre, dass die deutschen JOHNNY CRASH etwas tun, was absolut folgerichtig und längst fällig war, nämlich den Boogie in die Musik von, jawohl, Johnny Cash zu tragen. Johnny Cash war Rocker, einer der härtesten und glaubwürdigsten obendrein, auch wenn natürlich seine Musik auf den ersten und zweiten Blick nichts mit lauten Stromgitarren und kreischendem Gesang zu tun hatte, aber sein Alterswerk, die von Rick Rubin in Szene gesetzten "American Recordings", war mit das (emotional) härteste, das jemals ein Studio verlassen hat. Vom riesigen Rock-Potential seiner großen Hits der Sechziger und Siebziger gar nicht gesprochen, nicht umsonst gibt es zahllose knackige (oft auch angeknackste) Coverversionen von Country-Klopfern wie I Walk The Line oder Ring Of Fire. Und genau das ist die Gefahr, die die Nordbayern bewusst eingegangen sind, nämlich die zigsten überflüssigen Mitklatschbanalitäten fürs Bierzelt zu schaffen und dem Ganzen den peinlichen Mantel einer Tribut-CD umzuhängen. Aber Entwarnung, die Symbiose AC/DC-Johnny Cash-JOHNNY CRASH hat aus verschiedenen Gründen ganz vorzüglich funktioniert.

Das größte Risiko bei einem solchen Projekt ist natürlich der Gesang. Bon Scott und Cash waren zwar beide große Trinker, stimmlich gab es jedoch keine Verwandtschaft. Wenn dann noch einer so nah an Scotts Gequäke intoniert wie es Rooby Rubner tut, scheint die Chose gleich am Anfang in Richtung Kirmes zu gehen - wer kann sich schon ein The Man Comes Around mit seinen Bibelzitaten von einer Mensch gewordenen Kehlkopfentzündung gesungen vorstellen. Die Gründe für das Gelingen sind erstens die relative Zurückhaltung Rubners in den sensiblen Momenten, zweitens der Swing von Bass, Schlagzeug und Rhythmusgitarre, obgleich die drei natürlich das ganz dicke Brett bohren, und drittens die tricky Rock'n'Roll-Leadgitarre, die in Dan Baird-Manier kleine, feine und richtig giftige Höhepunkte setzt. Das ist stark und riecht überhaupt nicht nach Bratwurststand.
Ob man nun unbedingt Gassenhauer wie den Folsom Prison Blues, I Walk The Line oder Ring Of Fire bei einem solchen Projekt wiederbeleben muss, bitte, das ist Geschmackssache, dem einen oder anderen Hörer mögen diese alten Schlager längst zu den Ohren heraushängen, Fakt ist aber, dass dem Liedgut keine Gewalt angetan wird. Die Rocker aus der Provinz transponieren das Zeug überaus respektvoll und mit Laune machender Frische.
Besondere Freude kommt beim Shuffle Cry, Cry, Cry (Baujahr 1955) auf, der mit seinem furiosen Piano zu einer echten Harmoniebombe geworden ist. Genau so kann man Oldies in die Jetztzeit integrieren. Noch spannender ist der Blues God's Gonna Cut You Down, bei dem Rubner plötzlich zum Chappo und JOHNNY CRASH zur SHORTLIST mutieren. God's Gonna Cut You Down hat Cash schon 1993 aus der Gospel-Ecke geholt, unsere Jungs sind noch konsequenter und machen einen echten Swamp-Blues daraus.
Flesh And Blood, auch schon fast 40 Jahre alt, wird zum geschmackvollen Slide-Groover, wie man ihn sich von den STONES zu Mick Taylors Zeiten gewünscht hätte, aber weder von Thorogood noch ROSE TATTOO jemals bekommen hat. Spätestens jetzt ist "Beyond The Highway To Hell" ganz weit vorne dabei. Beim von George Thorogood einst ebenfalls großartig gerockten Cocaine Blues verfestigt sich dieser Eindruck, da schadet auch die eher laue Version von NINE INCH NAILS' Hurt nicht. Mehr als Johnny Cash es 2002 gemacht hat, kann man aus diesem Song nicht herausholen, schon gar nicht als konventionelle Rockband, denn da kämpft man gegen Trent Raznors kaputtes Original - und verliert zwangsläufig. Also lieber einen Rumpel-Boogie wie 309.

Die am einfachsten erscheinenden Themen sind meist die schwersten, "Beyond The Highway To Hell" ist aufgrund seiner vordergründigen Simplizität ein Kraftakt, an dem weitaus etabliertere Bands hätten scheitern können, man muss nur an die Unzahl verunglückter Tribute-Projekte aus der Vergangenheit denken. JOHNNY CRASH hat den Beweis erbracht, dass man sogar mit einem Heiligenschein versehene Musik in die kleine Welt des Good-Time-Rock-and-Roll hinüberretten kann, ohne ihr die Würde zu nehmen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 26.02.2012

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