|
|
| Tombola, Bacon Belt Records, 2012 |
| Florian Bätz |
Guitar, Growls |
| Christoph Mühlbauer |
Drums |
| Manuel Leupold |
Vocals |
| Florian Wallisch |
Bass |
| Frank Peters |
Tenor Saxophone |
| Roman Gesenhues |
Alt Saxophone, Harp |
| Thomas Czogalla |
Keyboards |
| Produziert von: Florian Bätz |
Länge: 52 Min 16 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Tombola | 7. The Sky Remains In Silence |
| 2. Break Down | 8. Path Of Time |
| 3. Last Train To Nowhere | 9. Strawberry Cheescake |
| 4. Travel | 10. Purple Ship |
| 5. Electric Storm | 11. Lotus |
| 6. Project 52 | |
 |
Lee Harvey Oswald wird für alle Zeiten ein Kernthema für Verschwörungstheoretiker sein, die Band LEE HARVEY & THE OSWALDS eines für Musiktheoretiker und Freunde eines fröhlichen Stil-Kreuzübers.
Bald werden es 10 Jahre, in denen die Münchner so manchen situierten Rock-Spießer mit ihrem Krawall anständig verschreckt haben. Aber das haben einst Kollegen wie Frank Zappa und Alice Cooper auch getan. Prompt erinnert auf "Tombola", dem dritten Album der schrägen Truppe, nicht nur Last Train To Nowhere an den jungen und noch experimentierfreudigen Herrn Furnier/Cooper und an der einen oder anderen kleinen kakophonischen Einlage hätte Zappa sicher auch Spaß. Aber da ist noch mehr in der "Tombola".
Das Debutalbum "Three Bullets In The Mainstream" war 2005 ein ganz harter Brocken des vogelwilden Septetts, "Still Confused, But On A Higher Level" - nomen est omen - ging vor vier Jahren einen guten Schritt in Richtung Anhörbarkeit, mit "Tombola" sind LEE HARVEY & THE OSWALDS dort angekommen, wo womöglich auch die superklugen Anspruchshörer ein Ohr riskieren könnten. Die werden die Mischung aus Metal, Rock'n'Roll, Psychedelic, Stoner- und Hard Rock, Industrial, Growls, Blasts, Funk und wirrem Jazz dann nämlich als äußerst progressiv einstufen und - verehren.
Die Band selbst sieht sich in ihrem "abstrusen Rhythm'n'Blues Lineup" als Fusion-Kapelle und lässt zwischendurch gewaltig die Sau fliegen. Dinger wie Strawberry Cheesecake könnten auch von den LENINGRAD COWBOYS sein und Purple Ship ist kurz vor Schluss ein massiv drückender Shuffle, den so ähnlich, nur anders, auch Schweden wie HELLSINGLAND UNDERGROUND verbrechen könnten. Der Rausschmeißer Lotus erinnert schlussendlich nicht nur qua Namensgebung an die 1974er Dreifach-LP von SANTANA. Das ist feiner Retro-Jam mit allen notwendigen Zutaten von Orgel über Percussion bis Gitarre (exklusive dem angeschlossenen "Hidden Track" natürlich). Aber die "Tombola" ist deswegen noch lange nicht geschlossen.
Zum Einstieg gibt es beim Titelsong flockigen Funk beinahe wie aus einem "Shaft"-Film, altmodisch aber sehr ins Bein gehend, gleich danach augenzwinkernde Death-Growls zu deftigem Fun-Metal, Mr. Lordi lässt grüßen, der im Verlauf zu richtig ernsthaftem Metal wird, und Electric Storm rollt einen ganz schweren Stein ins Tal. Wer bis dahin noch nicht dem Wahnsinn nahe ist, wird das brachiale Project 52 nicht unbeschadet überstehen.
Das alles wird vordergründig natürlich von Manuel Leupolds Stimme und Florian Bätz' Gitarre geprägt, aber dahinter stehen bzw. sitzen mächtig das Gründungsmitglied Christoph Mühlbauer am Flexibel-Schlagzeug, der richtig feine Keyboarder Christoph Czogalla sowie die Herren an Bass und Gebläse. "Tombola" ist eine Bandleistung, im Vergleich mit den beiden ersten CDs eine deutlich bessere als zuvor.
LEE HARVEY & THE OSWALDS war nie und wird nie ein Fall für BON JOVI-Pussies, aber wer aufgesammelten und mit Herzblut recycelten Straßendreck mag, der ist mit "Tombola" perfekt bedient. In dieser musikalischen Chaos-Gewichtsklasse gibt es derzeit kaum Gegner.
Für die intellektuellen Proggies muss man das natürlich anders ausdrücken: "Tombola" ist anspruchsvolle Rockmusik ohne Scheuklappen und mit vielen Überraschungsmomenten.
Mir persönlich ist die Dreck-Version lieber…
|