|
|
| Time To Be King, AFM Records, 2010 |
| Jan S. Eckert |
Bass |
| Roland Grapow |
Guitar |
| Jorn Lande |
Vocals | |
|
|
| Axel Mackenrodt |
Keyboards |
| Mike Terrana |
Drums |
|
Länge: 44 Min 56 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Fiddle Of Time | 6. The Dark Road |
| 2. Blow Your Winds | 7. The Sun Is In Your Hands |
| 3. Far From The End Of The World | 8. The Black One |
| 4. Time To Be King | 9. Blue Europa |
| 5. Lonely Winds Of War | 10. Under The Moon |
 |
Ich glaube, eine der beliebtesten Fragen unter Kindern lautet: "Was würdest Du tun, wenn Du König wärst?" Die Antworten darauf so unterschiedlich, aber schlussendlich mit dem gleichen Ergebnis: gebt uns Kindern das Kommando - aber das hat ja auch schon HERBERT GRÖNEMEYER gefordert. Eine etwas umfangreichere Antwort auf die Frage gab 1986 Ralph Christian Möbius, besser bekannt als RIO REISER. Interessant wäre mal zu erfahren, wie er dieses Lied heute singen würde. Viele der in dem Lied Besungenen haben keinerlei Relevanz mehr, dafür sind andere dazugekommen, die sich noch schlechter machen und durchaus das Zeug hätten, in dem "König von Deutschland" ihr Fett abzubekommen. Als 1995 FAITH NO MORE ihren neusten Output auf den Markt rollten, sprachen sie damit wahrscheinlich sehr vielen aus dem Herzen: König für einen Tag - doof ein lebenlang eben "King for a day… Fool for a lifetime."
Schlagen wir den Bogen noch ein bisschen weiter: wenn jemand einen Masterplan in der Tasche hat, dann will er oder sie damit eine Menge bewegen und/oder verändern. Nun würde sich wahrscheinlich so ziemlich jeder in diesem unserem Lande wünschen, dass - wie ich mal irgendwo gelesen habe - der debattierende Hosenrock einen entsprechend wirkungsvollen Masterplan in der Tasche hätte, um unser Land aus der Scheiße raus und nicht noch weiter reinzureiten. Momentan lernen wir nur, dass man mit Geld, was man nicht hat, heftigst um sich wirft, damit nach uns die Sinnflut regelt, wie die folgenden Generationen das alles wieder gerade gerückt bekommen. Ich will jetzt hier aber nicht weiter in Polemik abdriften und mich wieder den Dingen widmen, von denen ich mehr Ahnung habe und was das eigentliche Anliegen hier bei uns im Haus von Rock ist: der Musik. Und doch hat die Einleitung was mit der sich bei mir seit Tagen drehenden Scheibe zu tun.
Denn MASTERPLAN hauen einen neuen Powermetalbrocken auf die Ladentheke, dass es nur so kracht. Time To Be King wird das neuste Baby von Roland Grapow und seinen Mannen genannt und wahrscheinlich würde das in der momentanen Staatsverfassung jeder gerne sein. Wenn ich jetzt auf dem Trip bleibe wird's interessant, denn die Songtitel würden sich bestens dazu eignen, hieraus eine politische Platte zu machen, aber ich glaube, das ist das, was die deutsch-norwegische Freundschaft am wenigsten möchte. Also, schließen wir den Kreis hier und eröffnen einen anderen Blick auf das neuste Werk von MASTERPLAN. "The king is back!", bin ich geneigt zu sagen, denn Mr. Jorn Lande schwingt wieder das singende Zepter. Das war nach dem letzten schwachen Output eine gute Idee und ich bin ehrlich froh, dass sich der gute Mann wieder an den Mikroständer gestellt hat. Es geht wieder zurück zu dem, was diese Band mit ihrem ersten Output so grandios auf die Beine gestellt hat: druckvoller, immer auf die 12 hauender Powerrock! Zeit zum Atemholen? Fehlanzeige! Das kann man auch nach 45 Minuten noch nachholen. Es geht wieder geradeaus, ohne Kompromisse! Auch wenn ich in den ersten Sekunden noch mal nachschauen musste, ob ich tatsächlich das Richtige im Player liegen, oder ob ich vergessen hatte, eine AYREON-Scheibe raus zu nehmen. Aber dieser Eindruck verschwindet nach exakt 11 Sekunden. Dann schwingt die Haarmatte, angetrieben von Mike Terrana an den Drums und der treuen Gefolgschaft um den Hofgitarristen Grapow. Sobald Lande die Stimme erhebt, sind alle Zweifel an ein schwaches Album weggeblasen.
Time To Be King rollt wie Donner durch die Boxen ohne einen einzigen Ausfall und macht das mit Fiddle Of Time direkt am Start klar. Weiter geht's auf der gleichen Schiene mit Blow Your Wind und Far From the End Of The World. Im Titeltrack werden in meinen Ohren zarte Querverweise auf For Whom The Ball Tolls von METALLICA gezogen. Das Roland Grapow ein amtliches Powerbrett auf der Gitarre fährt, ist nicht neues, kann hier aber noch mal genauestens nachgehört werden. Zarte Chöre und Flötentöne läuten Lonely Winds Of War ein, machen die Erwartung auf eine Ballade aber nach 28 Minuten zunichte. Allerdings könnte man das Stück schon als die ruhigste Nummer auf dem gesamten Dreher bezeichnen. Weiter geht's mit The Dark Road. Das hätte auch auf der letzten WHITESNAKE-Scheibe erscheinen können. Wobei… - nee, so eine Röhre hat Mr. Coverdale dann doch nicht mehr. Die folgenden vier Songs runden ein insgesamt gutes Album ab. Chapeau, meine Herren, damit hatte ich in der Art und Weise nicht mehr gerechnet. Keine Filler - nur Killer! Das hatte man lange nicht mehr. Was gibt's sonst noch zu bemerken? Mr. Terrana legt es auf der gesamten Scheibe nicht auf ein Doublebassdrum Gewitter an, auch wenn er hier und da schon mal von der Leine gelassen wird. Aber scheinbar muss er es keinem mehr beweisen. Schon auf der letzten AXEL RUDI PELL-CD war genau dies zu beobachten.
Für mich persönlich ist Time To Be King schon jetzt der Anwärter auf das geilste Metalscheibchen des Jahres 2010.
|