|
|
| Welcome To The Theater, Liljegren Records, Doolittle Group, 2012 |
| Alfred Fridhagen |
Drums |
| Tommy Reinxeed |
Vocals, Guitars, Keyboards, Orchestration |
| Nic Steel |
Bass, Backing Vocals |
| Calle Sundberg |
Lead Guitar, Backing Vocals |
| Produziert von: Tommy Reinxeed |
Länge: 51 Min 55 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Welcome (Intro) | 6. Somewhere In Time |
| 2. Life Will Find A Way | 7. Freedom |
| 3. Follow Me | 8. No Fate |
| 4. Save Us | 9. Temple Of The Crystal Skulls |
| 5. Stranger Tides | 10. Welcome To The Theater |
 |
Tommy Reinxeed ist in Schweden scheinbar sowas wie die Lichtgestalt des symphonischen Powermetals. Jeder kennt ihn, jeder will mit ihm zusammenarbeiten und wenn er was abliefert, hat das Hand, Fuß und Qualität. Was ihm zur deutschen Lichtgestalt allerdings fehlt ist der gewisse Bekanntheitsgrad. An dem scheint Herr Reinxeed jetzt aber massiv arbeiten zu wollen. Das erste Mal schlich er über unsere altehrwürdigen Flure mit der Frage, ob wir über sein "Swedish Hitz Goes Metal" würden schreiben wollen. Wollten wir aber nicht, weil uns die Chose zu konstruiert und zu wenig überzeugend erschien. Okay, wenn es damit nicht klappt, so mag er vielleicht gedacht haben, dann werde ich halt in 2012 das Haus des guten Rock mit drei Veröffentlichungen stürmen. Gute Entscheidung! Jetzt hat's geklappt.
Das erste was bei uns durch die Etage flog war die Produktion seines Schützlings PelleK. Da stand er als Produzent, Gitarrist, Bassist, Keyboarder, Schlagzeuger und Orchestermeister auf dem Zettel. Machte Eindruck, weil "Bag Of Tricks" eine richtig, richtig gute Scheibe geworden ist, bei der ich nach wie vor ins Schwärmen gerate. In absehbarer Zeit werden wir uns dann mit seinem nächsten Auszubildenden Charlie Shred beschäftigen, aber bis dahin schauen wir mal, was passiert, wenn der Chef selber seinen Namen auf die CD-Hülle drucken lässt.
Es geht mit einem orchestralen Intro los, was uns schon von PelleK bekannt ist. Was mir sofort auffällt ist, dass die Programmierung bei seinem Ziehsohn allerdings organischer und damit echter klingt. Bei diesem eröffnenden Stück merkt man dann doch sehr schnell, dass es sich um synthetische Streicherparts handelt. Weiter geht's mit Life Will Find A Way im STRATOVARIUS-Eilzug-Tempo. Die Doublebass fährt zu Höchstgeschwindigkeit auf, die Saitenfraktion bekommt einiges zu tun und der Chef selber lässt die Stimmbänder in allen Lagen zelebrieren. Heavy Gitarrensoli und ein sehr musicalmäßiger Songaufbau machen die Sache zu einer ganz interessanten. Follow Me folgt dem gleichen Schema, Save Us auch und Stranger Tides sowie Somewhere In Time stehen dem in nichts nach. Letzterer kann mit einer an "Zurück in die Zukunft"-Attitüde aufwarten, was dafür sorgt, dass man sich tatsächlich wie in einer Filmmusik fühlt. Aber das ist ja auch bei dem CD-Titel so gewollt, nehme ich mal an. Freedom ist wieder so, wie die Songs davor. Hm? All zu viel passiert hier nicht. Ist zwar alles gut, aber ich vermisse mal Abwechslung. Okay, die Stimme wird etwas aggressiver, aber ansonsten … - schnell, symphonisch, hymnische Refrains, das computergenerierte Orchester donnert im Hintergrund durch die Songs, mitunter leicht am Schwulst vorbeistreichelnd. Na warten wir es mal ab, der Song kann sich ja noch entwickeln. Ist schließlich der längste in der Aufführung. Ein ruhiger Part wird eingestreut, danach geht es klassisch-metallisch weiter. Die Gitarren duellieren sich, die Chöre werden aufgefahren, das Orchester nimmt an Lautstärke zu, ein kurzer Tempowechsel, der Sänger schreit nach Freedom, dann geht es mit 80er-Jahre Keyboards und schnellem Tempo weiter. Für die Länge passiert mir eindeutig zu wenig. Wenn man so ambitioniert an die Sache geht, sollte man wenigstens den Kitschbombast von NIGHTWISHs letzter CD auffahren, damit's in die Vollen haut. No Fate fängt vom Riffing her zumindest mal etwas anders an, dann wird wieder das Orchester aufgefahren und mit Beginn des Gesangs geht es treibend weiter.
Ich will die Scheibe nicht zu schlecht machen, denn das ist schon ein gehöriges Stück Arbeit, technisch über jeden Zweifel erhaben, was mit "Welcome To The Theater" abgeliefert wird. Aber unterm Strich zählt, wie interessant die Theateraufführung gestaltet wird. Freunde von STRATOVARIUS, NIGHTWISH mit weniger Bombast, ohne Growls und Frauenstimme sollten mal ein Ohr riskieren. So bedenkenlos wie ich das Erstwerk von PelleK empfehlen kann, kann ich das mit Mr. Reinxeed selbst leider nicht machen. Nicht schlecht, aber eben auch nicht überzeugend genug.
|