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Renaissance

A Song For All Seasons

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A Song For All Seasons
A Song For All Seasons, Repertoire Records, 2012
Annie Haslam Lead Vocals
Jon Camp Basses, Bass Pedals, Electric Guitar, Lead Vocals
Michael Dunford 6 and 12 String, Acoustic Guitars, Electric Guitars
Terence Sullivan Drums, Percussion
John Tout Keyboards
The Royal Philharmonic Orchestra Leader: Barry Griffiths; conducted by Harry Rabinowitz
Produziert von: David Hentschel Länge: 44 Min 46 Sek Medium: CD
1. Opening Out5. Back Home Once Again (Theme from the T.V. series 'The Paper Lads')
2. Day Of The Dreamer6. She Is Love
3. Closer Than Yesterday7. Northern Lights
4. Kindness (At The End)8. A Song For All Seasons

RENAISANCE hatten einen Hit: Northern Lights. Der befindet sich auf dieser CD, die in üblich guter Weise von Repertoire re-issued (muss mal nachschauen, wer das Booklet geschrieben hat … Ach! Der Chris - ne, sowas ….). Das allein ist erfreulich, aber das ist beileibe nicht der beste Track und nicht der einzige Grund, sich mit dieser Platte auseinanderzusetzen. Obgleich er natürlich sehr eingängig ist und man die Engländer fast heute noch verstehen kann, das sie dies auf Platz 7 der Melody Maker Charts schossen. Und das 1978 - immerhin war da "Never Mind The Bollocks, Here Come The Sex Pistols" schon ein Jahr alt.

Warum nun genau RENAISSANCE glaubten, mit dem Royal Philharmonic Orchestra eine Platte aufnehmen zu müssen, wird auch durch das Booklet nicht klar - wahrscheinlich die Tatsache, dass sie mit Back Home Once Again schon einen Track mit Orchester aufgenommen hatten. Vielleicht aber auch einfach aus dem Grund, dann man es konnte, da die RENAISSANCE Kompositionen eh schon immer klassische Züge trugen. Bands wie THE NICE hatten mit Ars Longa Vita Brevis und der Five Bridges Suite und DEEP PURPLE mit April von "Deep Purple" (1969) die Grundlagen zu so einem Vorhaben gelegt. Und wie pompös Rockmusik sein konnte, hatten EMERSON, LAKE AND PALMER zu diesem Zeitpunkt ja zur Genüge bewiesen. Es gab also keinen Grund, das nicht anzugehen, zumal RENAISANCE sehr geschmackvoll wenngleich nicht ganz geschmackssicher zu Werke gehen, und jegliches Zukleistern der Songs oder Überfrachten mit Orchesterparts (abgesehen vom Seasons-Song) ausblieb; was gleichfalls ausblieb, war die Unsitte, einfach ein bisschen orchestrales Backgroundgesäusel über die Tracks zu legen und ansonsten einfach das zu spielen, was man immer so spielte. Hier wurde extra für die Zusammenarbeit geschrieben und arrangiert.

Was auffällt, wenn man sich mit dem Track Day Of The Dreamer auseinandersetzt, ist, wie knurrend der Bass kommt - da hatte wohl man gut bei YES zugehört. Ansonsten behält RENAISSANCE das Fließende, Harmonische bei, das ihre Musik bestimmt und das nicht zuletzt durch Annies Stimme noch betont wird. Die Orchesterparts sorgen bei dem Song für einen weichen Teppich, auf dem sich die Soloinstrumente der Band und des Orchesters austoben können. Sorgfältig konstruiert, von ferne an Bernsteins "West Side Story" erinnernd, wird man durch ein vielschichtiges, spannendes und relativ schnelles Werk geführt; verwunderlich dabei ist, dass einer der Themen dieses Tracks ist doch deutlich von der In Held 'Twas In I-Suite PROCOL HARUMS beeinflusst ist.
Closer Than Yesterday ist ein akustischer Track, der zurückhaltend instrumentiert ist und Annie scheinen lässt. Kindness (At The End) lebt von seinem wie ein Pendel hin- und herschwingendem Thema und seiner Nähe zu - autsch! BARCLAY's JAMES HARVEY … HARVEST ("Gone To Earth" war gerade vor einem Jahr erschienen; aber vielleicht ist das unfair, und die vermeintliche Nähe nur dem allgemeinen Zeitgeschmack geschuldet). She Is Love säuselt - doch, muss man so sagen - zu Geigen und verbreitet extremen Wohlklang … und gleichfalls solche Langweile. Dann kommt der Hit (und wie schrieb ich damals: so ganz kann man das heute nicht mehr nachvollziehen … obwohl: gut im Ohr geht scho').
Und dann: the vermeintliche Masterpiece - der Jahreszeitensong. Bis hierher muss man die Bilanz ziehen, das das Album mit dem Dreamer stark gestartet war und dann dieses Niveau nicht halten konnte. Und auch der dieser Song, der sich mit Gegebenheiten in der Natur auseinandersetzt, und wenn man so will, Beethoven's Symphonie No. 6 Pastorale folgt (ohne diesen Anspruch zu erheben) schafft das in my humble opinion nicht, trotz seiner vier Teile und großen Orchestrierung; bleibt aber trotzdem, was die Zusammenarbeit Orchester und Rockband angeht, eine Ausnahmeerscheinung, weil die beiden im Falle von RENAISSANCE zusammenpassen wie Hand und -schuh und das eigentlich schon eine Pflichtübung für diese Band ist. Ist auf Dreamer die Tatsache, dass trotz allem hier eine Rockband am Werke ist, unverkennbar, ist das hier bei Seasons nicht der Fall, das Orchester und das Arrangement nach Gesichtspunkten klassischer Musik stehen im Vordergrund, und der Track rutscht in vielschichtige Beliebigkeit ab, da er den Anspruch nicht erfüllen kann.

Soundmäßig ist das alles sehr gut und eigentlich auch sehr eingängig (David Hentschel at the controls; der Hentschel, der auch Elton John's Meisterwerk Yellow Brick Road produziert hatte, GENESIS produzierte und RENAISSANCE hier etwas mehr 'Gitarre' auf den Leib schneiderte), kompositorisch sehr anspruchsvoll - aber überladen. Nicht unbedingt empfehlenswert - aber der Dreamer - der ist klasse!

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 01.02.2012

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