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Tuscany

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Tuscany
Tuscany, Repertoire Records, 2011
Annie Haslam Lead and Backing Vocals
Michael Dunford Acoustic Guitars, Backing Vocals
Terence Sullivan Drums, Percussion
Mickey Simmonds Keyboards, Backing Vocals, Orchestral Arrangements
Gäste:
Alex Calrd Bass
John Tout Piano, Harpsichord and Piano Arrangements on Pearls Of Wisdom, Dear Landseer
Roy Wood Bass on Dear Landseer, In The Sunshine, Keyboards and Orchestral Arrangements on In The Sunshine, Percussion on Life In Brazil
Produziert von: Michael Dunford and Annie Haslam, * Roy Wood Länge: 49 Min 22 Sek Medium: CD
1. Lady From Tuscany6. In My Life
2. Pearls Of Wisdom7. The Race
3. Eva's Pond8. Dolphins Prayer
4. Dear Landseer9. Life In Brazil*
5. In The Sunshine*10. One Thousand Roses

Die CD beginnt gar erschröcklich mit einem hohem Soprangesang über einen Keyboardteppich, und man befürchtet, dass RENAISSANCE so schlimm ist, wie man früher immer befürchtet hat. Aber dann, nach etwa 10 Sekunden, startet die Band in Lady From Tuscany, einen abwechslungsreichen Up-tempo Song, und ab schnell wird klar, dass man hier etwas von außerordentlicher Musikalität geprägtes hört.

Anders als bei CURVED AIR stehen bei RENAISSANCE weniger die ohne Zweifel vorhandenen instrumentalen Solo- Fertigkeiten der einzelnen Bandmitglieder im Vordergrund; vielmehr kam und kommt es auf das Gesamtgemälde des fertigen Songs an. RENAISSANCE starteten ja später als die Luftgeister in der Mitte der 70er, und schon damals war ihre Mischung aus klassischer Musik, Annie Haslams hohem Sopran, orchestralen Arrangements und großer Geste "anders als andere". Dafür haben sie sich aber auch lange gehalten, und die neue CD ist sicherlich eine weiterer Schritt in der Präservation der Band; jetzt sogar das Wagnis als eine der wenigen sans Elektro-Gitarre - und man merkt es nicht mal.

Wie war das? Man merkt nicht, dass keine E-Git dabei ist? Ist aber so- und das mir, dem Vertreter von "If it hasn't got no guitar it ain't any good". Ja, früher, etwa bei dem auch netten "The Other Woman" (1995), da gab es noch den Elektrohasch de Luxe; aber auf diesem Album gibt es eben keine solche.
Das führt dazu, dass man sich auch nicht hinter wüsten Solohaspeleien und Powerchords verstecken kann; man muss sich was einfallen lassen. Der Kniff, den RENAISSANCE hier anwendet, lautet: "Orchestral Arrangements"; früher schon benutzt, nun eben als stilbildendes Mittel. Soll heißen: das Ganze ist semiakustisch aufgebaut, häufig von Keyboards und natürlich Annies bemerkenswerter Stimme bestimmt, aber eben auch in fast jedem Track mit einem orchestralen Teil versehen; dazu braucht man aber keine 40 Rudi Ratlos, sondern Keyboards und Akustische können das auch vollbringen; aber es geht natürlich auch groß inszeniert.

Anders als das eben sehr gefällige, popige "The Other Woman" mit seinen eher nicht so bemerkenswerten Melodieführungen ist man diesmal ausgeschlafen, hat seine Vorliebe für Kate Bush in den Schrank verbannt (Nichts ist mit Don't Talk) und auch kein Soft Jazz á la The Other Woman, Lock In On Love oder So Blas (hätte eigentlich 'blass' heißen müssen) verbrochen - und hat den großen Wurf geschafft.

Wie gesagt, kaum setzen die klassischen Geigen und die heftig gespielte Akustikgitarre ein, und endlich, endlich hat Haslam auch den Raum, ihre mehrere Oktaven umfassenden Stimme voll einzusetzen (und, Junge, ich hatte das Schlimmste befürchtet!), ist man von diesem fantastischen Song gefesselt. Reiner, saubere, außergewöhnlicher Melodic Folk (hey, da bei Frontiers, so geht das mit dem AOR), und immer dieses wunderbare Arrangement dahinter. Ganz wunderbar, und Haslam erklimmt mühelos jede Höhe. Pearls Of Wisdom und vor allem Eva's Pond nehmen das Tempo zurück, aber das Songwriting bleibt auf hohem Niveau - die Hooklines tun schon fast weh, so gut sind sie. Dann geht es Dear Landseer, ein Song über den Mann, der die Löwen auf dem Trafalgar Square geschaffen hat, wieder etwas zünftiger voran. Großes Theater, Background Vocals en masse, Flöte und A-Gitarre á la TULL, Keyboards setzen Tupfer, und Haslam singt sich durch alle Höhen (und aber auch Tiefen, da wird nicht nur gequiekt). Und so geht es weiter -umwerfendes Songwriting und herausragende Performance. Und so wie LITTLE FEAT ihren höchsten Höhepunkt mit dem lateinamerikanischen Gringo hatten, hat RENAISSANCE hier einen mit Life In Brazil, komplette mit Latino/Samba Keyboards. Den Abschluss bildet das sich majestätisch entwickelnde 1000 Dozen Roses mit seinen wunderbaren Keyboardpassagen. Sozusagen die Mitte zwischen Kate Bush und SUPERTRAMP, mit dem besten beider Welten.

Und wer Annie in der wunderbaren Ballade In My Life hört und nicht ins Träumen gerät, ist ein Klotz. Pearls Me And Bobby McGee nachdem Bobby verschwunden ist - auf sanft. Wieso der Song nicht in die Hitparaden kam, weiß der Sonstwas.
Alles sehr klar und differenziert produziert, gutes Booklet (MM's Chris Welch) - wiederveröffentlicht von Repertoire- und das zu Recht!

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 2011


 
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