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Wild Dogs

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Wild Dogs
Wild Dogs, Tube Jam Records, 2011
Marco Grompi Lead Vocals, Guitar, Accoustic Guitar, Harmonica
Osvaldo Ardenghi Lead Guitar, Accoustic Lead Guitar, Slide Guitar, Backing Vocals
Massimo Piccinelli Keyboards, Clavinet, Organ, Piano, Synth Flute
Dario Filippi Bass, Backing Vocals
Paolo Guerini Drums
Gäste:
Mary Coughlan Lead Vocals on Wild Dogs, Razor Love
Robi Zonca Guitar
Jada Salem Violin, Backing Vocals
Paolo Filippi Synth, Guitar, String Arrangement on Lose My Love
Veronica Sbergia Backing Vocals
Ila Vocal Chants and Scat on Rory
Produziert von: Marco Grompi Länge: 57 Min 49 Sek Medium: CD
1. Hollow7. The Ungrateful Child
2. Lady Rider8. This Rotten Track
3. Lose My Love9. Oh, Rory
4. Wild Dogs10. Hard Dreams
5. Not Enough Love11. Razor Love
6. Adam Raised A Cain (alt. Mix zu "To You 2: An Italian Tribute To Bruce Springsteen")

Man stelle sich vor, dass die Tatsache, dass man über jemanden schreibt, dazu führt, dass man dessen Fähigkeiten übernimmt und bald in diesen Fähigkeiten genauso gut ist wie das ursprüngliche Objekt der Untersuchung. Na dann, auf, lasst uns über Donald Trump, Casanova, Neil Young oder sonst wen schreiben - die Liste kann jeder für sich fortsetzen. Allerdings - im Falle von Onkel Neil hat das funktioniert - bei den RUSTIES (die allerdings manchmal schlafen, glaube ich).

Vor etwa fünf CDs fingen die RUSTIES als NY-Coverband an. So nach und nach schwammen sie sich frei, letztes Jahr veröffentlichten sie die erste eigene CD "Move Along", und nun also die nächste, mit nur zwei Covern bestückte CD voll mit eigenen Kompositionen. Und die haben es in sich.

Die RUSTIES pflegen sozusagen die italienische Varian... upps! Italienisch? Genau - Mario Grompi (der seinen Namen schon mal zu 'Grumpy', also 'brummig', 'kauzig' verballhornt) und seine Mannen stammen aus La Bella, und das hört man den Songs aber auch keine Sekunde lang an - nein, kein Tippfehler: keine. Und sie sind auch keine Neil-oder-Nix Sklaven - es roots-rockt zwar, aber auf liebenswerte Art, mit einer schönen, runden Produktion, elegant und geschmeidig dargeboten, mit genau jener Balance zwischen Melodie und Macho die nötig ist, um das Ganze nicht einerseits zum Popspektakel verkommen und andererseits nicht zu ungeschliffen rootsig werden zu lassen.
Und was hat das mit dem über jemanden schreiben auf sich? Mario hat eine Neil Young Biographie verfasst.

Wem also Roots Rock stellenweise zu stumpf und simpel ist (etwa so wie mir) und Pop zu wenig nahrhaft (so wie mir), wer aber auf gute Melodien, starke Gitarrenlinien und gutes Songwrting steht, der ist hier richtig. Schön, die hier dargebotene, alternative Version von Adam Raised A Cain, Springsteens Schmerzensballade über die überkommenen Sünden der Vorväter (heißt übrigens nicht, das Adam einen Kain hoch hob, sondern dass er den Aufstand gegen die Tatsache wagte, dass er für die Sünden seines Vaters büßen muss) beinhaltet zwar zum Ende hin sanfte Solos, aber der Schmerz und Zorn, den das Original ausstrahlt, wird nicht transportiert. Mit dem Boss in einem seiner stärksten Momente gleich zu ziehen - das ist nicht einfach. Und NY's Razor Love mit der irischen Sängerin Mary Coughlan am Mikro ist vor allem lang.

Von vorne. Sind die Eingangsakkorde von Hollow noch Roots-as-roots-can-be, und die Vokallinien klagen passend zum Text über die Tatsache, dass der Sänger sich nach einer verlorenen Liebe hohl fühlt, so entschädigt das Gitarrensolo für zu viel Trauer, und der Song an sich ist wunderschön. Lady Rider ist dank Marios Stimme zwar nahe an Young, aber möglicherweise fröhlicher als alles, was Young je zu Papier gebracht hat (eben die italienische Variante). Lose My Love bringt eine Flöte zum Einsatz und erinnert an die HENRY PAUL BAND Songs, melodisch fließender Country Rock - ein Highlight. Wild Dogs schleicht sich ran, Coughlan verkündet mit böser Stimme die sehr deutlichen Anti-Silvio Lyrics, und das Ganze kulminiert in einem ALLMAN Jam mit Gitarre und Piano, langsam ausblenden. Sehr fein. Not Enough Love verbreitet karibisches Feeling, á la Boz Scaggs etwa. The Ungrateful Child rockt und macht sich lustig über die Tatsache, dass man isländischen Vulkanen nicht mit einem Heiligen Krieg beikommen kann, und warum passiert das gerade uns? Oh, Rory erinnert an Gallagher und greift tief ins sentimentale Töpfchen, bekommt aber zum Ende hin die Kurve mit einem vielschichtig gestapelten Instrumentalteil, und Hard Dreamers ist eine sehr stimmungsvolle Ballade. Razor Love - noch 'ne Ballade, wie gesagt und wenn auch von Young - brauchte es für meinen Geschmack nicht.

Alles wirklich sehr gut, sehr ausgewogen und gut produziert, prima Instrumental Beiträge - man werfe ein Auge .... Ohr auf diese Italo-Americana Lieferung!

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 13.06.2011


 
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