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SuperHeavy

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SuperHeavy
SuperHeavy, Universal Music, 2011
Mick Jagger
Joss Stone
Damian Marley
A.R. Rahman
Dave Stewart
Gäste:
Ann Marie Calhoun Violin
Shiah Coore Bass
Courtney Diedrick Drums
Produziert von: Dave Stewart Länge: 68 Min 46 Sek Medium: CD
1. SuperHeavy11. I Don't Mind
2. Unbelievable12. World Keeps Turning
3. Miracle WorkerDeluxe Edition Bonus Tracks:
4. Energy13. Mahiya
5. Satyameva Jayathe14. Warring People
6. One Day One Night15. Common Ground
7. Never Gonna Change16. Hey Captain
8. Beautiful PeopleiTunes Bonus Track:
9. Rock Me Gently17. Miracle Worker" (Ashley Beedle's Warbox Remix)
10. I Can't Take It No More

Uih, doll, Jaggers Mick hat mit Dave Stewart und Joss Stone und Damian Marley und Allah Rakha Rahman eine Platte gemacht. Was für eine Supersensation. Noch sensationeller ist nur der sensationell doofe Band- und Plattenname: SuperHeavy. So "viel" Einfallsreichtum ist wenigstens ein Gleichnis auf die Einfallslosigkeit der beteiligten alten, mittelalten und jungen Herrschaften, eher aber wohl ein Gleichnis auf das Wachkoma der - entgegen jahrelanger Unkenrufe - immer noch irgendwie existenten Musik-Großindustrie. Sollte also jemand von "SuperHeavy" eine künstlerische Offenbarung erwartet haben, Leute, vergesst es ganz hurtig.

Angeblich hat der Aufnahmeprozess insgesamt länger als zwei Jahre gedauert - und genau so verbaselt klingt das Ergebnis dann auch. Jagger nölt ununterbrochen, die bezaubernde Joss Stone wirft sich ihm zu Füßen und hält ansonsten viel zu oft die Klappe, Dave Stewart hat das Ding zu Tode produziert und ist als Gitarrist schon immer hoffnungslos überschätzt, Damian Marley toastet sich wild durch passende und unpassende Songs, hat aber leider seinen jamaikanischen Ur-Groove irgendwo in einem Flughafenschließfach vergessen, und A.R. Rahman kann seine Begabung für Filmmusik nicht auf Rockmusik ausweiten.
Rahman, bei uns bekannt geworden als Komponist des Oscar-Films "Slumdog Millionaire", ist natürlich der exotische Part bei SuperHeavy, aber leider kommen seine Beiträge nur selten über Bollywood-Niveau hinaus. Besonders schlimm wirkt sich das aus, wenn Marley junior mitmischt und vorgeblich besonders progressive Weltmusik entstehen soll - da wird sogar die Jutetante im Eine-Welt-Laden die weiße Fahne schwenken und Sympathie für den Teufel hegen. Okay, der Einwand ist korrekt, dass der Kritiker ganz einfach mit indisch-tamilischer Filmmusik nichts anfangen kann, aber er mag Damian Marley und Reggae durchaus, nur die beiden Herren zusammen, 'unterstützt' von Sir Mick, nein, das funktioniert überhaupt nicht.
Ein paar charmante Momente hat "SuperHeavy" aber doch. Gleich im eröffnenden Titelsong singt Marley supaputzig etwas von "we are evy, supa evy" und Jagger mischt sich nur kurz ein, dafür darf Joss im Hintergrund supasexy flöten und Rahmans Multikulti-Einwurf kommt gut. Dafür erwürgt leider Dave Stewart den Groove mit einer geradezu manischen Produktionswut. Er macht aus der Nummer und der gesamten CD eine mindestens 128 Tonspuren umfassende Musikautobahn, die so überfüllt ist, dass vorwärts und rückwärts überhaupt nichts mehr fließt. Warum hat nicht Rick Rubin produziert? Der hat Jaggers Rock-Album "Wandering Spirit" 1993 auch mächtig ins Rollen gebracht.
Das größte Manko sind die Songs selbst. Da beißt nichts, es gibt keine Kanten, dafür reihenweise gefälliges Pop-Schalala für das nächste Straßenfest der SPD in Viersen. Immer wenn es möglicherweise spannend oder gar ansatzweise groovig werden könnte, knallt Stewart irgendein unnötiges Füllsel drauf und hinfort ist der Spaß. Einzig Energy kann sich dem bleiernen Produktionsdiktat dank Joss Stones toller Gesangseinlage und einer feinen Mundharmonika (von Jagger?) halbwegs entziehen, und One Day One Night dräut schön düster daher während Joss den alten Mick-Sack mal locker in die Ecke singt. Dafür klingt Satyameva Jayathe verdächtig nach Leslie Mandoki und ZDF-Fernsehgarten. Das ist so heile Welt, dass man gar nicht mehr wissen will, dass "Satyameva Jayathe" Hindusprache ist und tatsächlich was mit einer irgendwann irgendwie heilen Welt zu tun hat. Oder so ähnlich.
Ganz schlimm wird es beim eigentlich besten Song des Albums, I Can't Take It No More. Stone brüllt "what the fuck is going on" und man freut sich auf einen flott federnden Boogie, aber dann kommt dank Stewarts Mischpultoverkill nur ein plattfüßiger Stadionrocker heraus. Rubin, wo bist du? Dazu einen richtigen Gitarristen, warum eigentlich nicht Richards?, die dümmlichen Keyboards gelöscht, fertig wäre ein Highlight.

SuperHeavy ist als Band wie als CD belanglos und überflüssig - kurz supersinnlos. Ein solch inkonsequentes Sammelsurium anbiedernder Jetzt-fassen-wir-uns-alle-an-den-Händen Quälereien braucht niemand, auch nicht von Superstars. Ab in die Tonne des Vergessens.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.09.2011


 
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